Wie Kinder von Puppen lernen : Augsburger Puppenkiste zu Besuch in Elmshorn

Paula (l.) und Heulibold.
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Paula (l.) und Heulibold.

Das Stück „Paula und die Kistenkobolde“ soll Kindern helfen, Gefühle zu verstehen.

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08. Juli 2015, 12:15 Uhr

Elmshorn | Aus dem Süden bis ganz in den Norden: Die bekannte Augsburger Puppenkiste war gestern zu Besuch in Elmshorn. Für acht Kindergärten aus Elmshorn und Umgebung führte sie im Haus der Begegnung das Stück „Paula und die Kistenkobolde“ auf.

Das Stück ist Teil des Präventionsprogramms Papilio. Es soll Kindern beibringen, mit ihren eigenen Gefühlen umzugehen und auf die Gefühle anderer richtig zu reagieren und so Gewalt und Sucht vorbeugen. Es handelt von der fünfjährigen Paula, die auf dem Dachboden ihrer Großmutter eine Kiste entdeckt. Darin: Freudibold, Zornibold, Heulibold und Bibberbold, vier Kobolde, die jeweils nur ein Gefühl empfinden (Freude, Wut, Trauer und Angst). Nach und nach kommt Paula mit jedem einzelnen ins Gespräch und erzählt, dass sie sich auch manchmal wie die Kobolde fühlt. Schließlich lernen die Kobolde, dass es normal ist, sich mal so, mal so zu fühlen und brechen aus ihrem bisherigen Einheitsgefühl aus.

„‚Paula und die Kistenkobolde‘ ist eine interaktive Maßnahme zum Lernen meiner eigenen Gefühle und des Umgangs mit den Gefühlen anderer“, sagt Heidrun Meyer, die das Papilio-Programm ins Leben rief. Sie soll soziale und emotionale Kompetenzen aufbauen und so zum Beispiel bei der Sprachentwicklung oder beim Aufbau von Freundschaften helfen.

Die 20-tägige Deutschland-Tournee wird ermöglicht durch Sternstunden e.V., der Benefizaktion des Bayerischen Rundfunks. Gefördert wird das Papilio-Projekt außerdem vom Kinderschutzbund und der Barmer GEK. „Die qualifizierte Gesundheitsförderung von Kindern und Jugendlichen in Schulen und Kindergärten hat für uns einen hohen Stellenwert. Wir unterstützen daher Programme wie Papilio, die sich für die psychische Gesundheit einsetzen und einen wichtigen Beitrag zum gesunden Großwerden der Kinder leisten“, sagt Werner Siedenhans, Geschäftsführer der Barmer GEK Elmshorn.

„Paula und die Kistenkobolde“ ist nur ein Teil des Papilio-Programms. Es arbeitet auf drei Ebenen: Kinder, Eltern und Erzieher. Für Kinder gibt es neben dem Stück auch noch ein Spielzeug-macht-Ferien-Tag. Hier spielen die Kinder ohne Spielzeuge und lernen, auf andere zuzugehen, miteinander zu spielen und Freundschaften zu knüpfen. Die dritte Maßnahme ist das Meins-deins-deins-unser-Spiel. Dabei lernen Kinder, sich an soziale Regeln zu halten. Sie sollen sich in Gruppen zum Beispiel dabei unterstützen, einander ausreden zu lassen. Die erfolgreichste Gruppe darf sich am Ende etwas wünschen – etwas, das allen zugute kommt. Eltern können Papilio zu Hause umsetzen und sich im Eltern-Club mit Erziehern über Erziehungsfragen austauschen. Die pädagogischen Fachkräfte in den Kitas erhalten zudem Fortbildungen. Alle Punkte werden über einen langen Zeitraum in den Kindergartenalltag integriert, um die Nachhaltigkeit des Projektes zu gewährleisten.

Für das Papilio-Projekt in Elmshorn können Interessierte sich an das Diakonische Werk, die Suchtberatung und insbesondere Birgit Hadel wenden. Hadel ist Papilio-Trainerin und arbeitet schon lange bei der Suchtberatung der Diakonie Rantzau-Münsterdorf. „Da kommt etwas an, das tragfähig ist. Mir ist das die liebste Art der Prävention“, sagt Hadel über Papilio.

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