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Serie : Auf großer Fahrt mit der „Klostersande“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der alte Elmshorner Getreidefrachter ist auf Fahrt in die Partnerstadt Wittenberge.

Elmshorn | Die „Klostersande“ ist erneut auf großer Fahrt: „Alle Leinen los“, gab Kapitän Günther Holtz Mittwoch um 7.51 Uhr das Kommando. Die Fahrt in Elmshorns Partnerstadt Wittenberge, in die Holtz früher regelmäßig fuhr, beginnt.

7.56 Uhr. Die Käpten-Jürs-Brücke öffnet sich für die „alte Dame“. Am Steuer: Jener Mann, der das Schiff im Auftrag der Köllnflocken-Werke rund 200 Mal sicher durch die Krückau brachte. Bis 2000, als die Firma das Aus beschloss. Von Nervosität keine Spur. Doch die Brücke ist ein regelrechtes Nadelöhr, das Holtz zu bewältigen hat. Anspannung? Fehlanzeige. Sagt er. Aber: „Das ist richtig beschissen“, motzt Holtz während der Passage – eine der seltenen Situationen, in denen der erfahrene Kapitän mal flucht, sonst passiert ihm das nicht. Vielleicht ist es doch eine kleine Spur Nervosität.

Punkt 8 Uhr ist die Klappbrücke passiert. Nun liegt die Krückau, zusehends verschlickt, vor dem Schiff. Ein Blindflug. Der Bug liegt hoch im Wasser, von der Brücke aus lässt sich kaum erahnen, wo der Fluss seinen Lauf nimmt. Aber Holtz kennt jede Kurve, jeden Baum. Und: So ziemlich jeden Menschen, der da am Deich auftaucht – und das sind nicht wenige. Holtz steuert, guckt, grüßt, winkt, scherzt. Er ist in seinem Element. Die technischen Details des Schiffes – 55 Meter lang, 6,60 Meter breit, 442 Tonnen – erklärt Holtz seinem zweiten Kapitän, Klaus Hammer, nebenbei. Und, wichtig: „Die Klostersande war 1968 das modernste Binnenmotorschiff. Und das schönste.“ Die Fahrt entlang der Krückau – pure Nostalgie. „Hier hat mein Vater 1956 Ziegel geladen. Dort lag ich 1996 mal einen Monat im Eis fest. Da drüben lagen früher immer Fischerboote.“

9.38 Uhr. Die „Klostersande“ erreicht die Elbe, nimmt Fahrt auf, gut sieben Knoten. Als das Passagierschiff „Helgoländer“ mit flottem Tempo passiert, wippt die alte Dame tüchtig auf den Wellen. Holtz’ Augen strahlen vor Freude: „Mann, wie das schaukelt. Das hatte ich ja lange nicht mehr.“

9.51 Uhr. Premiere für Kapitän Hammer. Der darf jetzt zum ersten Mal ans Steuer. Mit der Fahrt nach Wittenberge erfüllt sich die neunköpfige Crew einen langgehegten Wunsch. Ein letztes Mal mit der „Klostersande“ auf große Fahrt gehen. Für sie wird ein Traum wahr.

11.20 Uhr. Das Wellkom Höft kommt in Sicht. Holtz lässt die Deutschlandflagge am Heck senken. Ein Seemannsgruß. „Darauf habe ich immer Wert gelegt“, betont er. Nicht umsonst ist die „Klostersande“ das kleinste Schiff, das hier mit Nationalhymne und Ansagetext gegrüßt wurde. „Ich habe da immer wieder festgemacht und den Jungs Müsli gebracht“, erzählt Holtz. Im Jahr 2000 machte er ein letztes Mal fest. „Zum Abschied schenkten sie mir ein Foto der „Klostersande“. Ehrensache.

12.01 Uhr. Die „Klostersande“ erreicht den Hamburger Hafen. Stolz zeigt die „Klostersande“ Flagge: Das traditionelle Elmshorner Wappen am Bug, dahinter – na klar – „Elmshorn. Supernormal“, aber auch, und diese Flagge ist historisch: „Elveshörn“. 40 Minuten dauert die Durchfahrt, dann liegen auch die Elbbrücken hinter dem Schiff. „Tschüß, Hamburg. Bis Montag.“

Nach langer Fahrt auf der Elbe erreicht die „Klostersande“ am Abend Lauenburg. Die Crew ist optimistisch, auch in den kommenden Tagen gut voranzukommen. Die Maschinen laufen, kleinere Macken konnten ausgemerzt, andere verkraftet werden – etwa, dass jegliche Toilettenspülung ohne Funktion ist, ein Pumpenausfall. Aber mit einem Eimer voll Wasser lässt sich auch das beheben. Diese Fahrt ist eben ein echtes Abenteuer.

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erstellt am 18.Mai.2017 | 16:00 Uhr

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