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Elmshorner Hafenspange : Auf die Klappe, fertig, los!

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Brückenschlag ist vollbracht: Die Hafenspange samt Käpten-Jürs-Brücke ist eingeweiht worden. Den ersten „Härtetest“ hatte die Klappbrücke wenige Minuten nach der Eröffnung – mehr als 2500 Schüler liefen über Elmshorns neues Wahrzeichen.

shz.de von
erstellt am 07.Sep.2013 | 06:00 Uhr

Die Elmshorner haben gefeiert – und sie hatten einen Grund dazu. Mit einem kleinen Volksfest nahmen sie die Hafenspange, die Käpten-Jürs-Brücke und den Hafenplatz in Beschlag. Wo von heute an bis zu 14 000 Fahrzeuge täglich die Krückau queren werden, flanierten gestern Tausende von Elmshornern, um das 14,3 Millionen Euro teure Projekt zu begutachten und bei herrlichem September-Wetter einen Spaziergang an und über ihren Fluss zu genießen.

An diesem „ganz besonderen und wichtigen Tag für Elmshorn“, so Bürgermeisterin Brigitte Fronzek, war eigens der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig an die Krückau gekommen. Gemeinsam mit der Verwaltungschefin eröffnete er mit fünf Glockenschlägen die neue Verkehrsader der Stadt. Mit dem sogenannten Glasen, dem Schlagen des Wachhabenden an der Schiffsglocke, wird eigentlich für alle an Bord hörbar die Zeit angesagt – und Albig und Fronzek läuteten so Elmshorns Zukunft ein.

„Unsere Zukunft nimmt die Brücke in Besitz“, sagte denn auch Albig in seiner Rede, bevor er mehr als 2500 Schülerinnen und Schüler zum landesweiten Auftakt für den Laufabzeichenwettbewerb auf einen Rundkurs über die Brücke schickte. „Die Zukunft bewegt sich, Elmshorn bewegt sich“, sagte Albig. Die Elmshorner hätten ein stolzes Zeichen gesetzt und das passe gut zu einer Stadt, die selbstbewusst ist.

„Elmshorn hat die Nase vorn; sie werten ihre Heimatstadt auf “, sagte der Ministerpräsident. Mit der Hafenspange könne die Stadt sich weiter verändern. Und wenn die Elmshorner weiterhin kraftvoll wie Kapitän Jürs sagen „wir packen es an“, so Albig zu den vielen Zuhörern auf der Brücke, „dann warten die besten Jahre Elmshorns noch auf sie.“

Berühmt wie die Flying-P-Liner der Hamburger Reederei F. Laeisz waren auch ihre Kapitäne – wie Jürgen Jürs aus Elmshorn. Er war in jedem Hafen der Kontinente derart bekannt, dass jeder Polizist vor ihm salutierte. Jürs musste weder sich noch der Welt beweisen, was er konnte, hatte er schon als 29-Jähriger die „Pirna“ um Kap Hoorn geknüppelt. Und jetzt – mehr als 60 Jahre nach seinem Tod – wird sein Name erneut um die Welt getragen. Als „Kaepten Juers Bridge“ führt Elmshorns Klappbrücke den Segler nun in der internationalen, englischsprachigen Funkkennung.

Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahn hat der Stadt Elmshorn in der vergangenen Woche Namen und Frequenz zugeteilt. Auf 156,450 Megahertz ist die Elmshorner Brückenleitstelle ab sofort rund um die Uhr per Funk erreichbar.

Die Stadt richtete dafür eigens eine Sende- und Empfangsanlage auf dem Stadtwerkegelände ein. Die installierte Antenne ist zwölf Meter hoch und hat eine gedrosselte Ausgangsleistung von 0,7 Watt (nominell 25 Watt). Das reicht, um in einem Umkreis von fünf Kilometern Schiffsanfragen zu beantworten – ungedrosselt bis Helgoland. Die Koordinaten der neuen Anlage sind: Nord 53 Grad, 44 Minuten, 55 Sekunden; Ost 9 Grad, 38 Minuten und 58 Sekunden.

Die Bediener der Klappbrücke brauchen übrigens dafür spezielle Befähigungsnachweise. Sportbootführerschein und Sprechfunkzeugnis sind Pflicht. 19 Personen wurden dafür bei den Stadtwerken in den vergangenen anderthalb Jahren ausgebildet. Warum Führerschein und Funkabnahme? Das ist gesetzlich geregelt. Denn: Neben dem Öffnen und Schließen der Brücke beaufsichtigen die Bediener der Hafenspange eine öffentliche Straße.

„Die Brückenwärter müssen sich mit allen Lichtzeichen, Flaggen und schiffstypischen Verhalten sowie akustischen Signalen auskennen“, sagt Detlef Wittmüß. Er ist Leiter des Hamburger Wasser- und Schifffahrtsamtes und erklärt: „Der Bediener der Klappbrücke soll schließlich richtig und vorausschauend einschätzen, was er macht.“ Dafür bedarf es des Bootspatents sowie der Prüfung zum Betrieb und Bedienung von Seefunkanlagen.

Einer dieser neuen Brückenwärter ist Patrick Graudegus. Er hat sich ein halbes Jahr durch Lehrgänge und Prüfungen gequält. Knoten, Anlegemanöver und Kursberechnungen, Vorfahrtsregeln, Flaggen und Lichtzeichen – die nautische Ausbildung, sie muss jetzt tip top sitzen. Wie auch die Regeln beim Funken aus dem Effeff zu beherrschen sind. „Funksprache und Funkdisziplin sind hier extrem wichtig“, so Graudegus.

„Etwas aufgeregt vor der ersten Öffnung ist man schon“, sagt der 35-Jährige. Doch Angst habe er keine vor „so ein wenig Technik“. Von der Netzwarte auf dem Stadtwerkegelände aus werden Graudegus und Kollegen zukünftig Brücke und Lichtzeichen für Schiffs- und Straßenverkehr bedienen. Mit etlichen Kameras überwachen und beobachten sie den Brückenbereich auf der Straße und auf dem Wasser. Per Handy oder über das Funksystem können Schiffsführer mit der Warte Kontakt aufnehmen – sich beim Brückenwärter der „Kaepten Juers Bridge“ anmelden. Erst dann klappt’s mit der Durchfahrt.
 

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