Arbeitsschutz fängt am Werkstor an

Arbeitssicherheit ist für Peter Nagel mehr als eine Selbstverständlichkeit - sie ist ihm in 'Fleisch und Blut' übergegangen. Foto: Ruff
Arbeitssicherheit ist für Peter Nagel mehr als eine Selbstverständlichkeit - sie ist ihm in "Fleisch und Blut" übergegangen. Foto: Ruff

Sicherheit der Mitarbeiter steht für Unternehmen im Industriepark Brunsbüttel an erster Stelle

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20. Mai 2011, 08:20 Uhr

Brunsbüttel | Schon am Werkstor zum Industriepark in Brunsbüttel wird schnell klar: Sicherheit hat höchste Priorität. Auf einer großen Tafel, für jeden sichtbar, stehen die unfallfreien Tage. Gestern waren es 54, doch es gibt auch weitaus längere Zeiträume ohne Unfall mit Arbeitsausfall. In einem Werk des Unternehmens Lanxess, eines weltweit tätigen Spezialchemie-Konzerns, der auf dem Gelände unter anderem Zusatzstoffe für Autoreifen herstellt, ist es seit mehr als 21 Jahren zu keinem dieser Arbeitsunfälle gekommen.

Das Sicherheitskonzept fängt schon vor dem Betreten des Werksgeländes an. Jeder Besucher, egal ob Gast, Anlieferer oder Mitarbeiter einer Fremdfirma, erhält eine kurze Einweisung mit Verhaltensregeln für den Notfall, ein Heft mit Sicherheits-Anweisungen sowie ein Kärtchen mit den wichtigsten Notfallnummern; zudem wird ein 20-minütiger Sicherheitsfilm gezeigt. Es folgt ein Kurztest mit Verständnisfragen - erst danach können Besucher einen Fuß auf das Firmengelände setzen.

Für die Mitarbeiter ist Arbeitssicherheit eine Selbstverständlichkeit. Trotzdem stehen auch bei Lanxess regelmäßige Schulungen auf dem Programm. Das Ergebnis: Auf der Tafel im Erdgeschoss steht eine große Null, die Zahl der Betriebsunfälle in diesem Jahr. "Wir machen eine sehr intensive Sicherheitsarbeit", sagt Betriebsleiter Dr. Markus Oberthür. Dabei kann es auch schon mal einen Experimentalvortrag mit echter Explosion kurz nach der Mittagspause geben. "Wir wollen Abwechslung reinbringen. Nichts ist so schlimm, wie wenn die Schutzmaßnahmen lästige Routine werden." Jeder Mitarbeiter muss jährlich einen Sicherheitskursus besuchen. Ein kleiner Aufkleber am Helm, ähnlich einer TÜV-Plakette, zeigt, wann der Mitarbeiter wieder "antreten" muss. Nicht ohne Grund konnte Lanxess im vergangenen Jahr die Zahl der Arbeitsunfälle an seinen zehn deutschen Standorten mit rund 7600 Mitarbeitern auf einen neuen Rekordwert senken. 33 Unfälle mit Ausfalltagen gab es 2010, im Jahr zuvor waren es noch 42 und 2004 sogar 62. "Unser Werk ist seit dem 4. Februar 2009 unfallfrei", sagt Markus Oberthür, "und das soll möglichst auch lange so bleiben."

Je nach Bereich sind entsprechende Bekleidung sowie Helm, Gehörschutz, Schutzbrille, Sicherheitsschuhe und Handschuhe zu tragen - dass der Helm nicht locker unterm Arm klemmt oder die Brille hochgeschoben auf dem Kopf sitzt, ist für alle Mitarbeiter selbstverständlich. "Es soll aber nicht nur ein Verständnis dafür geschaffen werden - das soll in Fleisch und Blut übergehen", sagt Oberthür.

Auf die Einhaltung der Vorschriften achten alle - ob Schicht- oder Betriebsleiter, Chemikanten, Fahrer oder Lagerist. Aber Peter Nagel hat ein besonders wachsames Auge darauf. Der Bereichsmeister in der Verpackung ist bei Lanxess zusätzlich als Sicherheitsmeister für den Arbeitsschutz verantwortlich. Weitreichende Unfälle wie austretende Gase oder Brände sind sehr selten. "Der typische Arbeitsunfall ist ein verstauchter Knöchel, weil ein Kollege ausgerutscht ist", sagt Nagel. Aber selbst dafür gibt es Warnhinweise wie beispielsweise die ständige Aufforderung an den Treppen, unbedingt den Handlauf zu nutzen.

Sollte es dennoch einmal zu einem größeren Notfall kommen, gilt immer: "Personenrettung geht vor Materialschutz." Denn auch wenn ein Arbeits unfall immer einen Kostenfaktor darstellt, steht bei Lanxess so wie im gesamten Industriepark die Gesundheit der Mitarbeiter über allem.

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