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Elmshorn : Antikriegs-Schauspiel beim „Theater der Ehemaligen der EBS“

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

„Die letzte Station“ - Ensemble tritt in der Elsa-Brändström-Schule und beim Kirchentag auf.

shz.de von
erstellt am 12.Mär.2015 | 16:00 Uhr

Elmshorn | Es ist schwere Kost, die sich die Akteure des „Theater der Ehemaligen der EBS“ verordnet haben. Mit dem Schauspiel „Die letzte Station“ von Erich Maria Remarque bringen die Laienschauspieler ein weniger bekanntes, aber nicht minder beeindruckendes und erschütterndes Anti-Kriegs-Stück des Autoren von „Im Westen nichts Neues“ auf die Bühne.

In „Die letzte Station“ wird dargestellt, was sich in den letzten Kriegstagen 1945 in einem teilweise zerstörten Berliner Mietshaus abspielt. Anna Walter (dargestellt von Nadine Albert-Konetzny) lebt resigniert und apathisch in ihrer Wohnung, verlässt nicht einmal mehr bei Luftangriffen ihr Zimmer. Jäh wird sie aus ihrer Lethargie herausgerissen, als der entflohene KZ-Häftling Ross (Wahagn Ajdinjan) bei ihr auftaucht. Sie überlässt ihm nach kurzem Zögern die Offiziersuniform ihres Mannes, damit er sich wegen seiner Kleidung nicht verrät. In die zunehmend brisante Stimmung – in der Wohnung treffen sich nämlich regimetreue Nachbarn, SS-Männer sowie ein weiterer Häftling – trifft die Radiomeldung „Hitler ist tot“. Das Blatt scheint sich zu wenden. Doch es geht mit umgekehrten Vorzeichen genauso gefährlich weiter. Russische „Befreier“ sehen in Ross wegen seiner Uniform einen Nazi und verschleppen ihn. Der vor Kriegsende höchst gefährliche Oberscharführer kommt als Zivilist – aber nicht minder gefährlich – zurück in die Wohnung und prophezeit: „In wenigen Monaten sind wir alle wieder da.“ Wie wird also der 1. Mai 1945 im Hause von Anna Walter für alle Beteiligten enden? „Wir zeigen das Theaterstück in der Originalfassung“, berichtet Regisseurin Jutta Ivens. Diese sei nach der Uraufführung 1956 nur selten zur Aufführung gekommen. Damals habe der Autor Erich Maria Remarque die Proben persönlich begleitet, da es ihm wichtig war, die Akteure in seinem Sinne agieren zu lassen und keine Streichung brisanter Aussagen sowie die abgeschwächte Darstellung unliebsamer Personen zuzulassen.

„Wir haben uns sehr viel Mühe gegeben sowohl das Bühnenbild als auch die SS-Leute und Russen mit zeitgemäßen Utensilien auszustatten“, erklärt Requisiteur Ralph Schrammeck, doch der Aufwand habe sich gelohnt, da das Stück noch mehr an erschreckend realer Authentizität gewonnen habe.

Mehr als 40 Probentermine waren nötig, um „Die letzte Station“ aufführungsreif zu gestalten. „Vor allem die Hauptakteure Nadine Albert-Konetzny und Wahagn Ajdinjan, die in fast allen Szenen dran sind, haben einen Großteil ihrer Freizeit für die Proben hergegeben, meint Ralph Schrammeck anerkennend.

Elmshorn: Freitag, 27. März, 20 Uhr sowie Sonnabend, 28. März, 20 Uhr in der Aula der Elsa-Brändström-Schule, Zum Krückaupark. Der Eintritt ist frei. Es gibt keine Sitzplatzkarten! Stuttgart: Während des Kirchentages spielt die Theatergruppe der Ehemaligen der EBS am Sonnabend, 6. Juni, um 11 Uhr sowie um 16.30 Uhr im Theaterhaus Stuttgart.

 Für ihn persönlich war das Stück Anlass, sich intensiver als bisher mit der Geschichte von Eltern und Großeltern zu befassen und sich in die damalige Kriegssituation hineinzuempfinden. „70 Jahre nach Kriegsende läuft die Zeit langsam ab, wo es noch möglich ist, diese Erlebnisse aus erster Hand geschildert zu bekommen“, meint er. „Gerade die Rollen als Nazis oder einmarschierende Russen sind für uns, die wir Krieg glücklicherweise nie selbst erlebt haben, eine echte Herausforderung. “ Unter diesem Aspekt hoffen die Akteure der Theatergruppe, neben ihrem Stammpublikum auch viele Oberstufenschüler als Zuschauer gewinnen zu können, damit die Geschehnisse dieser schlimmen Zeit in Erinnerung bleiben und sich nicht wiederholen.

Das sehen auch die Verantwortlichen des Kirchentages in Stuttgart so. Sie geben den Elmshornern zum wiederholten Male Gelegenheit, ihr Stück im Juni vor großem Publikum zu zeigen und stellen – eingedenk der hohen Besucherzahlen bei den Auftritten der Akteure – statt Open-Air-Bühne sogar ein „festes“ Theaterhaus zur Verfügung.

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