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Elmshorner „Jodler“ : Anonyme, digitale Klokritzelei

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Früher schrieben Schüler und Studenten geheime Liebespost auf Toilettenwände - heute läuft dies digital über eine App.

Elmshorn | Die Studentenzeit ist wohl eine der turbulentesten überhaupt. Von der Party zum Hörsaal, vom Drittversuch zur Bibliothek und überall auf dem Campus sammeln sich tausende Studenten, die den neusten universitären Tratsch und Klatsch austauschen. Blöd ist oft nur, dass man nicht jedem Kommilitonen seinen Liebeskummer oder die Prüfungsangst anvertrauen mag, trotzdem aber auf der Suche nach studentischem Rat ist.

Aber wie für fast alles in der heutigen Welt, hat sich auch dafür eine digitale Lösung finden können. Diese heißt „Jodel“ und ist eine App, in der sich Studenten virtuell austauschen können.

Das Prinzip ist folgendes: Die App ist standortgebunden, sprich einmal runtergeladen, zeigt sie einem alle Tratsch und Klatsch-Kommentare aus der Region an, so auch in Elmshorn. Und da tummelt sich so einiges. Denn jeder Nutzer hat die Möglichkeit einen Kommentar zu einem x-beliebigen Thema zu verfassen und hochzuladen. Diese Kommentare nennen sich „Jodel“ und werden ausschließlich anonym veröffentlicht, der Verfasser tritt nur unter dem allgemeingültigen Namen „OJ“ auf.

Dabei ist dem Inhalt dieser Kommentare keine Grenze gesetzt. Viele „Jodler“ suchen Rat in Liebesfragen, andere haben ihr Skript zu „Grundlagen der BWL“ verschlampt und brauchen ein Neues, andere möchten sich abends noch verabreden, andere streiten sich über den Elmshorner Stadtslogan und andere geben Tipps für Rabatte im Einzelhandel. Was früher noch über Schmierereien an Klowänden funktionierte, läuft heute also digital. Die Elmshorner Studenten- und Jugendszene ist virtuell vernetzt. Aber auch über die Grenzen von Elmshorn hinaus funktioniert „Jodel“. Ist man in Hamburg, werden einem die Kommentare der Hamburger angezeigt, über die „Heimatfunktion“ kann man aber mit dem modernen Elmshorner Buschfunk verbunden bleiben.

Natürlich mischen sich in all die Ratschläge, Fragen und Klausurendebatten aber auch ab und an mal Kommentare, die rassistisch, gewaltverherrlichend oder sexistisch sind. Damit so etwas nicht passiert, kann sich das System selbst zensieren. Die Nutzer haben nämlich die Möglichkeit einen Beitrag „down- oder upzuvoten“. Wenn ein Beitrag fünf mal ein Minus kriegt, verschwindet er automatisch aus der App, zusätzlich sorgen Moderatoren dafür, dass der Ton zwischen den Nutzern angemessen bleibt. Wer sich ordentlich verhält, gute Beiträge schreibt wird mit Punkten belohnt, die sich „Karma“ nennen; verhält man sich daneben gibt es wieder „schlechtes Karma“. Und so sprechen die Elmshorner Studenten, Schüler oder auch jung gebliebene Erwachsene anonym und digital um den neusten Klatsch und Tratsch aus der Region. Manche “Jodel“ besagen allerdings, dass aus der App schon richtige Freundschaften entwachsen sind.

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