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Elmshorn : Anke Spoorendonk besichtigte die Knechtsche Hallen

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Kranhaus: Viel Lob von der Ministerin.

Elmshorn | „Hier sind die Anfänge der Industrialisierung“, schwärmte Anke Spoorendonk, in Schleswig-Holstein Ministerin für Kultur: „Wir müssen diese Geschichte erzählen.“ Darum wäre es in ihren Augen bitter, wenn die Knechtschen Hallen einer „gesichtslosen Einkaufsmeile“ weichen müssten. In Spoorendonks Ressort fällt auch der Denkmalschutz, und der habe „nicht nur mit Reetdach und Fachwerk zu tun“, stellte die gelernte Geschichtslehrerin bei ihrem Besuch in Elmshorn klar.

Am Donnerstag kam sie in die Stadt, um sich das Kranhaus samt darin sitzender Initiative anzugucken. „Wir sind im Grunde schon die Keimzelle für ein neues Quartier“, sagte Jens Jähne bei der Vorstellung der Aktivitäten. Jähne ist Vorsitzender des Freundeskreises Knechtsche Hallen Keimzelle Kranhaus, eines Vereins, der die ehemaligen Teppich-Lagerhallen kulturell, künstlerisch und kommunikativ nutzen will. Die Hallen sind in Privatbesitz, darauf hat der Freundeskreis keinen Zugriff, aber seit gut einem Jahr belebt der Kreis sehr erfolgreich das nebenan gelegene Kranhaus mit Repair Café, Urban Gardening, Kunsthandwerk, Konzerten und vielem mehr. „Was später in den Knechtschen Hallen passieren soll, das passiert hier, im Kranhaus“, erklärte Jähne. Allerdings sollen in den vergleichsweise riesigen Knechtschen Hallen noch Lofts im Obergeschoss, Büros und Gastronomie dazukommen.

„Bewundernswert“ fand die Ministerin das bürgerliche Engagement im Kranhaus. Sie hofft, dass daraus mehr politische Beteiligung erwächst. Die Elmshorner Akteure scheinen dazu bereit: „Wir haben das gleiche Ziel“, betonte Bürgermeister Volker Hatje. Die anschließende Führung durch die Knechtschen Hallen übernahm Matthias Pitzer, Architekt, Beisitzer im Freundeskreis-Vorstand und Stadtverordneter der Grünen.

Das ehemalige Teppich-Zentrallager wurde im ältesten Teil 1913/14 gebaut, steht seit 2007 leer und ist zwei Bränden zum Trotz noch in gutem Zustand. Pitzer verwies auf ein Gutachten, demzufolge eine Herrichtung der Hallen realistisch sei; große Unbekannte ist noch die Gründung, aber zumindest beim Langhaus, dass sich an der Schlossstraße entlang zieht, sind wahrscheinlich keine Pfähle unter dem Fundament, was für eine Sanierung günstig wäre.

Der Rundgang, begleitet von knirschendem Glas unter den Schuhsohlen, führte durch riesige Räume in mehreren Ebenen. Die Knechtschen Hallen sind nicht tot, Graffitis zeugen von reger illegaler Nutzung; Freundeskreis-Chef Jähne erläuterte, dass die Hallen in der Sprayer-Szene überregional bekannt seien.

Jens Jähne vom Freundeskreis Knechtsche Hallen (l.) erläuterte Kulturministerin Anke Spoorendonk (1. Reihe Mitte) die Arbeit des Vereins. (Foto: Roolfs)
Jens Jähne vom Freundeskreis Knechtsche Hallen (l.) erläuterte Kulturministerin Anke Spoorendonk (1. Reihe Mitte) die Arbeit des Vereins. (Foto: Roolfs)
 

„Wenn wir das Gebäude bekommen, werden wir es als erstes sichern müssen“, erklärte Bürgermeister Hatje. Zurzeit läuft das Regenwasser in den Keller, das müsse unterbunden werden. „Junge Menschen und auch wir wollen Geschichte zum Anfassen“, sagte die ehemalige Geschichtslehrerin Spoorendonk nach der Runde durch die Hallen. Die Idee, sie zu erhalten, fand sie „sehr attraktiv“ und wollte „überlegen, wie wir das begleiten können“. Jens Jähnes Versuchsballon, dort ein Landesmuseum einzurichten, griff sie lieber nicht auf: Elmshorn habe ein Industriemuseum, das solle zuerst angesprochen werden.

Die vielfältigen Aktivitäten im Kranhaus beeindruckten sie sichtlich. Vor allem die Vernetzung hatte es ihr angetan: „Man weiß vor Ort viel zu wenig voneinander“, hatte sie immer wieder beobachtet. Im Kranhaus begegnen sich Leute, die sich sonst nicht begegnen, das bestätigte Volker Hatje, der als gebürtiger Elmshorner dort immer wieder Bekannte aus seiner Kindheit und Jugend trifft, die er aus den Augen verloren hatte: „Dafür brauchst du Raum, du brauchst Freiraum“.

Hatje und Spoorendonk betrachteten das enorme Tempo im Kranhaus aber auch mit leiser Sorge: „Man darf sich nicht verzetteln“, mahnte die Ministerin. Und während der Vorsitzende Jens Jähne den Freundeskreis als Baum mit verlässlichen Partnern mit kräftigen Wurzeln beschrieb, zweifelte der Bürgermeister an diesem Vergleich: „Das ist kein gewachsener Baum.“ Aber er betonte auch: „Die Idee ist in der Bevölkerung angekommen.“ Und Anke Spoorendonk glaubt offenbar auch an den Erfolg des Freundeskreises, sie versprach: „In zehn Jahren komme ich mit meinem Rollator wieder.“

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erstellt am 15.Aug.2015 | 10:00 Uhr

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