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Gegen dunkle Ecken in Elmshorn : Angst-Orte: Patricia Capurso kämpft für mehr Sicherheit

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Vor einem Jahr wurde eine Frau am Steindammpark vergewaltigt. Seitdem haben viele Angst, doch es soll sich etwas ändern.

Elmshorn | Vor einem Jahr hat der Fall für Aufregung in Elmshorn gesorgt: Eine 24-jährige Frau war in einem Gebüsch zwischen Bahnsteig und Steindammpark von einem 32-Jährigen vergewaltigt worden, nachdem der Mann sie bereits im Zug belästigt hatte. Patricia Capurso glaubt, dass sexuelle Belästigung häufiger vorkommt, als es in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Die 25-Jährige hat in ihrem Freundeskreis von mehreren Fällen von Belästigung gehört – und zwar häufig auf eben jenem dicht bewachsenen Weg hinter dem Bahnhof, den viele Pendler nutzen. „Zur Polizei ist keiner gegangen, weil immer rechtzeitig Andere dazu gekommen sind. Aber viele fühlen sich in diesem Bereich unsicher.“

Deshalb steht sie jetzt mit Thomas Miller vom Flächenmanagement der Stadt Elmshorn an der Treppe, die zu den Gleisen hochführt. Capurso will, dass sich etwas ändert – aus diesem Grund hat sie die Sache selber in die Hand genommen und bei der Stadt angerufen. Sie ist sich sicher: Mehr Laternen und zurückgeschnittene Büsche würden schon viel ändern. „Es ist sehr dunkel hier und im Gebüsch sitzen oft Leute, auch Betrunkene. Kriminalität geschieht oft im Verborgenen.“

Ihr selber ist es schon passiert, dass im Dunkeln ein Mann direkt vor ihr aus dem Gebüsch gekommen und auf sie zugelaufen sei. „Zum Glück sind dann Andere dazugekommen und er ist weggelaufen. Aber komisch war das schon. Seitdem habe ich mich auf dem Weg zum Bahnhof immer unsicher gefühlt, vor allem im Dunkeln.“

Patricia Capurso schlägt Thomas Miller vom Flächenmanagement vor, die Büsche am Weg zurückzuschneiden, damit sich Leute im Dunkeln nicht mehr so einfach darin verstecken können. Außerdem sei es hilfreich, den Zaun, der vor der Abzweigung zur Gleis-Treppe endet, zu verlängern. „Wegen des Zauns müssen Sie sich an die Bahn wenden“, sagt Thomas Miller. „Aber bei den Büschen können wir problemlos etwas wegschneiden. Wir nehmen alles bis zum Graben weg – da ist es so feucht, da legt sich niemand freiwillig rein“, erklärt Miller. „Das läuft alles ganz unbürokratisch.“ Mittlerweile haben die Mitarbeiter des Bauhofs bereits die Büsche zwischen Parkdeck und Gleis-Zugang zurückgeschnitten. Verstecken kann sich zumindest an dieser Stelle jetzt niemand mehr.

Für Miller ist es das erste Mal seit langer Zeit, dass eine Bürgerin aus eigenem Antrieb anruft, um so genannte „Angst-Orte“ zu melden. „Vor sechs Jahren war der Steindammpark häufig im Fokus. Aber seit der Park umgebaut worden ist, kam eigentlich nichts mehr.“ Miller findet es gut, dass sich Bürger bei der Stadt melden. „Dafür sind wir schließlich da. Wenn wir nicht wissen, wo sich die Bürger unwohl fühlen, können wir auch nichts machen. Die Leute sollen einfach anrufen. Wenn wir die Möglichkeit und die Zeit haben, dann kümmern wir uns auch darum.“

Bei Dunkelheit ist es am Parkdeck am Steindammpark trotz der Laternen düster und einsam. Vor allem Frauen fühlen sich hier oft nicht sicher. (Foto: Schönstedt)
Bei Dunkelheit ist es am Parkdeck am Steindammpark trotz der Laternen düster und einsam. Vor allem Frauen fühlen sich hier oft nicht sicher. (Foto: Schönstedt)
 

Für Capurso war es selbstverständlich, sich selber um die Sache zu kümmern. Schon als Kind hat sie durch Anrufe beim Bürgermeister erreicht, dass eine Bushaltestelle verkehrssicherer aufgestellt wurde. Später, als Jugendliche, kämpfte Patricia Capurso mit Hilfe einer Unterschriftenliste erfolgreich für die Einrichtung einer Mädchen-Fußballmannschaft an ihrer Schule. „Ich mag es nicht, wenn die Leute immer nur auf die Stadt schimpfen, aber nicht bereit sind, selber etwas zu verändern“, sagt die engagierte junge Frau. Das Thema Angst-Räume ist sie zunächst über das soziale Netzwerk Facebook angegangen. „Ich wollte wissen, ob es in Elmshorn Gleichgesinnte gibt, oder ob nur ich diese dunklen Orte als Problem empfinde.“ Die Reaktionen seien dann „unglaublich“ gewesen. „Mein Handy hat gar nicht mehr aufgehört zu vibrieren, nachdem ich den Post abgesetzt hatte.“

Besorgte Eltern erzählten von unbeleuchteten Schulwegen, Anwohner von nicht mehr funktionierenden oder zugewachsenen Laternen. „Bei der alten Post Richtung Besenbekerstraße ist kaum Licht auf der Straße. Sehr unheimlich dort im Dunkeln“, schreibt eine Nutzerin. Eine andere kommentiert: „Die Lampen über dem Bauerweg-Tunnel, gerade bei der Treppe, funktionieren schon längere Zeit nicht mehr. Ein großer Sicherheitsmangel“. Für eine Dritte ist es „der absolute Horror“ wenn sie morgens zur Arbeit muss oder abends vom Spätdienst zurückkommt und ihre Wohnstraße komplett unbeleuchtet vorfindet – „ganz schrecklich und stockfinster“.

Daraufhin hat Patricia Capurso bei der Stadt angerufen und sich zu den Verantwortlichen durchstellen lassen. „Herr Miller war sehr freundlich und hatte direkt zwei Tage später für eine Ortsbegehung am Steindammpark Zeit“, erzählt sie. Für Laternen ist der Landschaftsgärtnermeister der Stadt allerdings nicht zuständig. Deshalb hat Capurso einige Tage später noch einmal zum Hörer gegriffen und bei der Stadt angerufen. „Für Meldungen von kaputten Lampen sind sie dort sehr dankbar, das zu reparieren ist auch kein Problem.Es könnte allerdings etwas dauern, weil nur zwei Mitarbeiter der Stadtwerke zuständig sind“, erzählt sie. „Nur mit neuen Laternen dauert es wohl noch ein bisschen. Das Haushaltsgeld für dieses Jahr ist schon ausgegeben. Aber die Stadt überprüft die angesprochenen Bereiche.“ Das könne aufgrund der Fianzierung bis zu zwei Jahre in Anspruch nehmen.

Bis dahin wird Patricia Capurso aber mit Sicherheit nicht abwarten und Däumchen drehen. Sie sammelt noch weitere Standorte von kaputten Lampen und will auch Bahn und Polizei kontaktieren.

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erstellt am 27.Okt.2015 | 10:00 Uhr

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