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Kampf gegen dunkle Ecken : Angst-Orte in Elmshorn: Die Politik verspricht Hilfe

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nach einer riesigen Diskussion in den sozialen Netzwerken der Elmshorner Nachrichten wird nun auch die Politik aktiv. Die Parteien wollen Geld für Lampen und andere Maßnahmen zur Verfügung stellen.

Elmshorn | Noch nie hat ein Thema auf der Facebook-Seite der Elmshorner Nachrichten so viel Aufmerksamkeit erregt, wie Patricia Capursos Kampf gegen Angst-Orte. Und auch die Politik kommt nicht mehr daran vorbei. Vertreter von SPD, CDU, Grünen und FDP erklärten auf EN-Anfrage, in den Ausschüssen und Haushaltsberatungen das Problem „dunkle Ecken“ ansprechen zu wollen. Allerdings: Große Sprünge könne sich die Stadt im kommenden Jahr nicht leisten. „Wir rechnen damit, dass im Haushaltsentwurf für das Jahr 2016 ein Minus von fünf Millionen Euro stehen wird“, erklärt Immo Neufeldt von der CDU-Fraktion. „Natürlich wollen wir dafür sorgen, die Stadt so sicher wie möglich zu gestalten. Aber wir müssen alle Entscheidungen auch daran messen, was in der Schatztruhe vorhanden ist.“ Kleinere Maßnahmen, wie das Austauschen von Leuchtmitteln, seien aber immer möglich.

Dörte Köhne-Seiffert von der SPD-Fraktion sieht die Situation ähnlich. „Wir werden uns verstärkt mit dem Thema auseinander setzen und auch in der Verwaltung nach möglichen Schwachstellen fragen.“ Sie sieht das Engagement von Patricia Capurso sehr positiv. „Es ist immer gut, wenn Bürger Schwachstellen aufzeigen, damit wir sie aufgreifen können.“ Capurso freut sich, dass die Stadt bereits reagiert hat und das Gebüsch am Steindammpark zwischen Parkdeck und Bahngleisen zurückgeschnitten hat. „Ich hätte nie gedacht, dass das so große Wellen schlägt.“ Sie werde immer öfter von Menschen angesprochen, die sich auch für ein sichereres Elmshorn einsetzen wollten.

Patricia Capurso ist begeistert von den Reaktionen auf ihren Kampf gegen die Angst-Orte in Elmshorn. Der Bauhof der Stadt hat innerhalb weniger Tage das dichte Gebüsch am Steindammpark zurückgeschnitten, in dem sich häufig dunkle Gestalten versteckt hatten. Und bei Facebook erregt das Thema auf der Seite der Elmshorner Nachrichten mehr Aufmerksamkeit als irgend eine andere Problematik. „Finde das sowas von toll!“, kommentiert eine Nutzerin. Ein anderer kritisiert, die Präsenz der Polizei fehle im Steindammpark. Als er sein Auto im Parkdeck abgestellt habe, sei bereits eine Scheibe eingeschlagen worden, dazu kämen Schlägereien, Überfälle und die Belästigung von Frauen. „Warum nicht im Bereich des Parkhauses Kamerasysteme einrichten, wie am Bahnhof. Und Frauen schützen durch die Präsenz der Polizei.“

Patricia Capurso sagt, sie hätte nie gedacht, dass das Thema so große Wellen schlagen würde. Sie werde immer öfter von Menschen angesprochen, die sie unterstützen wollten oder die selber schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. Dabei werden neben dem Steindammpark auch andere Angst-Orte genannt, wie zum Beispiel der Krückau-Park. Das erschreckendste Beispiel kommt von einer Schülerin, die dort vor drei Wochen in ein Gebüsch gezogen worden sei. „Ein anderes Mädchen, aus der sechsten Klasse, hat das gesehen und lautstark auf sich aufmerksam gemacht. Daraufhin ist der Täter geflüchtet.“

Stadtrat Dirk Moritz begrüßt die Initiative der jungen Frau. „Ich finde ihre Initiative klasse und würde mich gerne mit ihr über das Thema austauschen. Sie hat meine volle Unterstützung und meine Anerkennung.“ Dass es gerade im Steindammpark häufig Situationen gebe, die „ein subjektives Sicherheitsbedürfnis auslösen“ habe er schon gehört. Moritz würde den Steindammpark gerne mehr beleben. „Im Zusammenhang mit dem Stadtumbau West könnte man auch in der dunklen Jahreszeit mehr Attraktionen schaffen. Denkbar wäre auch, Mitarbeiter eines kommunalen Ordnungsdienstes durch den Park gehen zu lassen.“ Unbedingt will Moritz das Thema Licht angehen. Bislang herrscht gerade am häufig erwähnten Parkdeck ein sehr schummriges Licht.

Abhilfe könnte schnell kommen

Der Austausch von Leuchtmitteln wäre eine relativ kleine Maßnahme, die sich Elmshorns Kommunalpolitiker auch bereits für das kommende Jahr vorstellen könnten. Die Vertreter aller Fraktionen stehen dem Vorstoß von Patricia Capurso positiv gegenüber und kündigen auf EN-Anfrage an, das Thema auch in den Ausschüssen und bei der Haushaltsplanung für 2016 diskutieren zu wollen. Dabei geht es vor allem um die fehlende oder schlechte Beleuchtung, die viel Geld kostet„Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, wo wir das für den Haushalt 2016 noch berücksichtigen könnten“, sagt  Dörte Köhne-Seiffert  von der SPD. Sie schlägt vor, dass sich die Politik mit dem Thema „Angst-Orte“ verstärkt auseinandersetzt und auch in der Verwaltung nach möglichen Schwachstellen fragt. Kleinere Investitionen könnten  durch Verschiebungen aus anderen Bereichen in den Haushalt aufgenommen werden.

Auch Jens Petersen von der FDP-Fraktion sagt, die Haushaltslage der Stadt sei katastrophal. „Es will wohl überlegt sein, in was wir investieren. Wir müssen schauen, wieviele Menschen wirklich betroffen sind, sollten mit der Polizei sprechen und können dann auf jeden Fall darüber diskutieren.“

Um sich ein Bild von der tatsächlichen Lage im Steindammpark und an anderen Angst-Orten zu machen, hält Dirk Moritz Gutachten für wenig zielführend. „Politiker, die diese Wege abends selber wenig nutzen, können sich nur schwer vorstellen, wie sich die Situation für andere anfühlt. Wir müssen mit denen reden, die selber betroffen sind.“

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erstellt am 29.Okt.2015 | 10:00 Uhr

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