Interview: Onlinehandel : „Ambiente gehört einfach dazu“

Professor Lars Binckebanck.
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Professor Lars Binckebanck.

Marketing-Experte der Nordakademie spricht im Interview über Möglichkeiten lokaler Händler im Internet und den Standort Elmshorn.

shz.de von
14. Juni 2014, 15:00 Uhr

Elmshorn | Lars Binckebanck ist Professor für Marketing und International Management im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften der Nordakademie in Elmshorn. Im EN-Interview erklärt er, was das Internet den Elmshorner Einzelhandel bringen kann und wie er die Innenstadt als Wirtschaftsstandort sieht.

Professor Binckebanck, welche Einzelhändler können von einer guten Webseite profitieren?
Binckebanck: Grundsätzlich können das alle. Das Technische ist dabei heute ein Kinderspiel. Die Wichtigkeit einer professionellen Erscheinung ist dabei jedoch nicht zu unterschätzen. Ich bin sicher, dass es wenig Sinn macht, beispielsweise ein Snickers über das Internet zu verkaufen. Hätten Sie mich allerdings vor fünf Jahren gefragt, ob man Schuhe über das Internet verkaufen kann, hätte ich auch Nein gesagt. Dann kam Zalando. . .

Welche Online-Modelle können einem lokalen Einzelhändler denn Vorteile bringen?
Da gibt es viele Modelle. Alle haben ja erstmal den Vorteil, dass eine Präsenz des Geschäfts sieben Tage die Woche 24 Stunden lang verfügbar ist.

Welche Dinge sind für eine Webseite wichtig?
Wichtig sind eine moderne Optik und eine vernünftige Anwendbarkeit. Das kann heute jeder Dienstleister machen. Zwei Dinge sind zudem ganz wesentlich: Suchmaschinenmarketing und Suchmaschinenoptimierung. Auch das Einbinden sozialer Medien kann sinnvoll sein. Aber: Wenn man das nicht wirklich professionell machen will, dann sollte man nicht investieren. Ganz ohne Online-Präsenz geht es wohl nicht mehr, aber ich bezweifele, dass man damit als lokaler Händler seinen Umsatz signifikant steigern kann. Die positiven Möglichkeiten werden überschätzt. Gerade wenn man eine lokale Zielgruppe hat, halte ich großen Aufwand im Internet für nicht zielführend. Den ganz großen Hebel sehe ich da nicht.

Welche Handelsunternehmen können in der Elmshorner Innenstadt erfolgreich sein?
Der Mix macht’s. Erfahrungsgemäß fungieren große Ketten als Magneten, wie beispielsweise H&M. Davon können dann auch andere Händler in der Innenstadt profitieren. Deshalb wäre ein großes Geschäft wie etwa Mediamarkt oder Saturn im alten C&A für die Stadt sehr gut gewesen. Mehr Gastronomie und Kneipen würden der Innenstadt ebenfalls gut tun – Ambiente gehört einfach dazu. Aber was Elmshorn betrifft, da bin ich eigentlich positiv. Es passiert ja etwas, wenn man sich etwa das Areal Vormstegen betrachtet oder wenn man weiß, dass es einen neuen Bahnhof geben wird.

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