Am Ende bleiben ein paar Kisten

Sie sind auf der Suche nach verborgenen Schätzen und Schnäppchen: Besucher einer Zwangsversteigerung in Elmshorn.
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Sie sind auf der Suche nach verborgenen Schätzen und Schnäppchen: Besucher einer Zwangsversteigerung in Elmshorn.

Versteigerungen sind ein Weg, um letzte Habseligkeiten in Bares zu verwandeln / Besuch eines Auktionstermins in Elmshorn

shz.de von
30. April 2018, 16:00 Uhr

Der Mensch ist ein Jäger und Sammler. Da wundert es nicht, dass Auktionen eine starke Anziehungskraft gerade auf Männer haben. In Elmshorn konnte man sich davon am Donnerstag in einer Garage selbst ein Bild machen. Obergerichtsvollzieher Hans-Jürgen Weimann hatte zu einer Zwangsversteigerung in die Margarethenstraße 23 geladen. Rund 30 Männer, die meisten zwischen 50 und 70 Jahren, waren der Bekanntmachung, die in unserer Zeitung abgedruckt war, gefolgt und machten sich auf, um pünktlich um 10 Uhr beim Auktionsstart dabei zu sein, um bloß keine Chance auf ein wertvolles oder besonderes Schnäppchen zu verpassen.

Binnen kürzester Zeit wechselten die wertvollsten Dinge, wie originalverpackte Campingstühle und Feldbetten (300 Euro), ein Hochdruckreiniger (rund 150 Euro), eine Standuhr, Waschmaschine und allerlei Werkzeuge den Besitzer.

Aber von Schmuck, Kunst oder anderen Schätzen war weit und breit nichts zu sehen. Auch die angebotenen, prall gefüllten Koffer und Taschen enttäuschten die Bieter. In den duzenden Pappkartons, die bis zur Decke gestapelt waren, befand sich nur alter Ramsch und bestenfalls durchschnittliche Trödelware. Entsprechend zurückhaltenden waren die Bieter. „Das ist bestimmt ein ganz berühmter Maler und das Bild ist Millionen wert“, scherzte ein Bieter, als ein vergilbtes kitschiges Ölbild aus den 1950er-Jahren, Motiv „Hirte mit Schafen“, unter den Hammer kam. Für Schnäppchenjäger und Auktionseinsteiger war die Veranstaltung eine gute Übung. Denn die aufgerufenen Startpreise lagen meist bei einem Euro und die Zuschläge erfolgten – bis auf wenige Ausnahmen – zwischen fünf und 30 Euro. „Man weiß halt nie so genau, was auf Zwangsversteigerungen angeboten wird“, so der Bieter, der den Zuschlag für die neuen Feldbetten und Outdoorstühle erhalten hatte. Und er fügt hinzu: „Ich bin Handwerker, mich interessieren in erster Linie Werkzeuge und Maschinen. Ich habe aber auch schon Zentner von hochwertigen Schrauben ersteigert.“

Ob sich die Versteigerung am Donnerstag für den Obergerichtsvollzieher und Gläubiger gelohnt hat, ist fraglich. Der Ertrag dürfte die 2 000-Euro-Marke sicher nicht überschritten haben. Dabei wird Obergerichtsvollzieher Weimann, der im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Dienstjubiläum gefeiert hat, schon so manche Kostbarkeit versteigert haben. Schließlich ist er im Auftrag von Finanzämtern, Behörden, Banken, Konkurs- und Nachlassverwaltern aktiv und führt nach erfolgreichen Pfändungen regelmäßig Versteigerungen im Kreisgebiet durch, damit die Gläubiger zumindest ein paar Euro ihrer Forderung bekommen. Auch wenn in solchen Fällen bei öffentlichen Versteigerungen alles „unter den Hammer kommt“, was Geld in die Kasse bringt, erwirtschaftet Weimann nicht immer große Überschüsse.

Auktionsbesucher hoffen, dass sie für kleines Geld wertvolle Antiquitäten, Kunst, Porzellan, Unterhaltungselektronik, Autos, Motorräder und Hausrat bis hin zu Schmuck und edlen Uhren ergattern können. Wen das Auktionsfieber gepackt hat, der bleibt oft bei der Stange. Aber auch wer noch nie bei einer Versteigerung dabei war, braucht keine Scheu zu haben. Vor Versteigerungen erklärt der Auktionator den einfachen Ablauf. Mitbieten kann wirklich Jeder, sofern er Bargeld dabei hat.

Dass in 50 Jahren viel passieren kann, beweisen die vielen Geschichten, die Weimann zu erzählen hat. Denn ein Besuch Weimanns bedeutet immer, dass offene Rechnungen nicht bezahlt worden sind, Schulden sich gehäuft haben und nun die Schulden eingetrieben werden müssen. Weimann sieht das allerdings gelassen. Die ausstehenden Summen, die er bei den Schuldnern einfordern muss, variieren dabei von kleinen Kleckerbeträgen bis zu Millionensummen. Und auch die Schuldner sind so unterschiedlich, wie sie nur sein können. Denn Schulden seien nicht nur ein Problem von Arbeitslosen, selbst gegen Richter musste Weimann schon Vollstreckungsurteile ausführen.

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