Elmshorn : Aktionstag der Künstler und Kunsthandwerker

Carola Ruge entwirft und näht Kleider für Frauen ab 40.
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Carola Ruge entwirft und näht Kleider für Frauen ab 40.

Mit Leidenschaft und Muße im Elmshorner Kranhaus. Termine jetzt alle zwei Monate.

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12. Mai 2015, 16:00 Uhr

Elmshorn | Sachte Klavierklänge und ein bisschen sphärischer Gesang schweben durch den Raum mit den grob verputzten Backsteinwänden. Rechts vor der kleinen Bühne steht eine Garderobe, an der Kleider hängen, im Raum verteilt ein paar Möbel. Vitrinen an den Wänden und Arrangements auf dem großen Tisch in der Mitte dienen als Ausstellungsflächen, im Bühnenhintergrund werden Fotos von Gemälden auf eine Leinwand projiziert. Im Kranhaus ist Aktionstag der Künstler und Kunsthandwerker.

Carola Ruge aus Elmshorn ist zum zweiten Mal dabei. Sie präsentiert Mode für Frauen ab 40. Schlicht, figurbetont, bequem und schick sollen ihre Kleider sein, erklärt sie: „Für die Frauen, die sich nicht einengen lassen wollen von der Mode.“ Ruge entwirft und näht ihre Kleider selbst. Als Schneiderin ist sie Autodidaktin, gelernt hat sie Diabetes-Beraterin. In diesem Beruf arbeitet sie noch halb, parallel baut sie mit ihren Kleidern ein zweites Standbein auf. Den Anstoß dazu gab ihr fünfzigster Geburtstag vor einigen Jahren: „Irgendwas muss ich noch machen“, beschloss sie seinerzeit. Im Kranhaus ist sie am Sonnabend zum zweiten Mal dabei, ein Kleid hat sie schon „fast verkauft“. Aber das mit dem Umsatz „sehe ich gelassen“, sagt Ruge. Sie will sich Zeit lassen und die Reaktionen auf ihre Kleider erkunden.

Verkaufen? Das wäre schön“, Edzard Kröger hat die Ausstellungen von Künstlern und Kunsthandwerkern im Kranhaus angeschoben. Er restauriert und fertigt Möbel in Horst, Möbel sind auch das Schwerpunkt-Thema der ersten Ausstellung im Kranhaus in diesem Jahr. „Die Idee ist, Leute fürs Kranhaus zu interessieren“, beschreibt Kröger seine Motivation.

Im vergangenen Jahr waren die Künstler im Sommerhalbjahr an jedem Sonnabend im Kranhaus, jetzt haben sie ihr Konzept umgestellt: „mehr Leute, weniger Termine“, beschreibt Kröger die neue Linie. Alle zwei Monate laden die Künstler zum Aktionstag, bei größeren Veranstaltungen im Kranhaus sind sie ebenfalls dabei. Ein paar Vitrinen und Möbel dienen als ständige Ausstellung, Wandobjekte von Anne Römer hängen ebenfalls immer. „Über den Tellerrand gucken ist auch ein Mehrwert“, findet Edzard Kröger.

Anne Römer nennt ihre ineinander verschachtelten und aufeinander gestapelten Kuben „Upcycling-Skulpturen“: Sie bestehen aus Tischlerei-Abfällen und Sperrmüll. Mit ihrem E-Piano und Gesang untermalt sie außerdem die Aktionstage der Künstler; Jazz-Design heißt ihr Label, Musik und Wandobjekte gehören bei ihr immer zusammen. Auf der kleinen Bühne steht neben ihrem Keyboard eins ihrer Werke.

Römer ist von Anfang an dabei: „Ich mag das Kranhaus total gerne“, sagt sie und lobt die „super Gemeinschaft“ der Künstler. Der feste Kreis der Teilnehmer und Interessenten besteht aus rund einem Dutzend Leuten, berichtet Organisator Kröger.

Die treffen sich einmal im Monat und sprechen die Themen und Termine für ihre Aktionstage im Kranhaus ab. Wer mag, soll mitmachen, sagt Kröger: „Wir laden alle ein, die mit Leidenschaft ihrem Gewerk nachgehen.“ Dazu gehören zum Beispiel Suzie Bohm aus dem „kleinen roten Haus“ in Kiebitzreihe mit ihren Radierungen, Frauke Nahnsen mit Gemälden, Maren Röttgers mit Leinenstoffen oder Barbara Hast mit Porzellan. „Je bunter, desto besser“, findet Anne Römer. Edzard Kröger gibt als Motto vor: „Alles bewirkt irgendwie etwas.“

Die nächsten Aktionstage der Künstler und Kunsthandwerker im Kranhaus an der Schlossstraße: 11. Juli und 12. September, jeweils sonnabends von 10 bis 14 Uhr.
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