Schadenersatzforderung : Ärger mit Elmshorner Autovermietung

Thorben Kruse fürchtete, zahlen zu müssen.
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Thorben Kruse fürchtete, zahlen zu müssen.

Nachdem Thorben Kruse ein Auto gemietet hat, soll er für einen Schaden zahlen, den er nicht verursacht hat.

shz.de von
19. Januar 2018, 17:00 Uhr

Elmshorn | Für Thorben Kruse war es eine böse Überraschung: Nachdem er kurz vor Weihnachten bei der Elmshorner Filiale des Autovermieters „Sixt“ einen Kastenwagen für den Umzug seines Bruders gemietet hatte, landete eine Forderung in Höhe von 576 Euro in seinem E-Mail-Postfach. Der Grund: Kruse sollte einen Bruch der Außenspiegel-Halterung verursacht haben. „Dabei war der Schaden vorher schon da“, erklärt der 26-jährige Uetersener. „Das habe ich schon bei der Übergabe festgestellt.“ 

Wie bei einer Autovermietung üblich, hatte Kruse gemeinsam mit dem Sixt-Mitarbeiter den Fiat Ducato auf Schäden untersucht. Insgesamt 19 Altschäden waren für das Auto bereits im Protokoll vermerkt, darunter auch ein Schaden am Außenspiegel. Kruse ging davon aus, dass es sich dabei um das abgebrochene Stück Plastik an der Halterung handelte. „Das war nicht zu übersehen – obwohl es an dem Morgen noch ziemlich dunkel war“, sagt Kruse. Im Protokoll wurden also keine weiteren Schäden vermerkt, Kruse und sein Bruder fuhren nach Tornesch und wieder zurück, gaben das Auto zurück.

Aber dann kam die Rechnung von Sixt. Kruse war relativ schnell klar, dass hier ein Missverständnis vorliegen musste. „Im mitgeschickten Protokoll waren am Außenspiegel nur Kratzer vermerkt. Offensichtlich war der Bruch noch überhaupt nicht im Protokoll aufgenommen gewesen.“ Kruse erklärte bei Sixt den Vorgang – erfolglos. Am 11. Januar bekam er erneut Post, in der Mail stand, trotz einer erneuten Prüfung des Vorgangs müsse man die Beschädigung weiterhin Kruses Anmietung zuordnen. „Der Schaden wurde am Ende Ihrer Mietzeit durch die Rückgabestation festgestellt und dokumentiert.“ Natürlich wisse man, dass nicht jedes Schadenereignis vom Mieter aktiv wahrgenommen oder persönlich verursacht worden sei. Aber der Rücknahmeprozess erfolge an allen Sixt-Stationen einheitlich. „Die erneute Rücksprache mit der Station hat keine Auffälligkeiten bei der Erfassung dieses Schadens ergeben.“

Kruse wandte sich an einen Anwalt. Der machte ihm aber wenig Hoffnung. „Er sagte mir, er habe schon viele vergleichbare Geschichten erlebt“, erzählt Kruse. „Dadurch, dass ich das Übergabeprotokoll unterschrieben habe, gäbe es kaum Chancen, einen solchen Fall zu gewinnen.“ Kruse hatte sich schon fast damit abgefunden, die Reparatur bezahlen zu müssen.

Dann kam die Wende: Auf Rückfrage von shz.de fragte Sixt noch einmal bei der Elmshorner Station nach. Plötzlich erklärte ein Pressesprecher, es habe sich alles um ein Missverständnis gehandelt. Schon bei der Übergabe sei dem Sixt-Mitarbeiter der Schaden aufgefallen, er sei aber wie Kruse davon ausgegangen, dass der Schaden bereits vermerkt sei. Sixt habe bereits am 27. Dezember versucht, Kruse auf seinen Wunsch hin zurückzurufen und den Fall mit ihm zu besprechen. Nachdem Kruse nicht erreichbar gewesen war, habe er fälschlicherweise eine Schadenersatzforderung erhalten. „Sixt bedauert sehr, dass es im Anmietprozess zu dem Missverständnis gekommen ist, und wird Herrn Kruse auch noch direkt dazu kontaktieren“, heißt es in dem Schreiben. Warum dann im Schreiben vom 11. Januar steht, trotz Prüfung des Vorgangs müsste Kruse zahlen, bleibt ungeklärt.

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