Ade, Elmshorner Schifffahrt

 Kölln flockenchef Hans Heinrich Driftmann (l.) verabschiedet  am 21. November 2000'Klostersande'-Kapitän Günter Holtz.   Foto: Sven Rohr (3)
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Kölln flockenchef Hans Heinrich Driftmann (l.) verabschiedet am 21. November 2000"Klostersande"-Kapitän Günter Holtz. Foto: Sven Rohr (3)

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23. November 2010, 06:36 Uhr

Elmshorn | Ein denkwürdiger Tag in der Geschichte der Krückaustadt: Vor zehn Jahren, genau am 21. November 2000, ist vorerst für immer der Elmshorner Hafen geschlossen worden - zumindest für die kommerzielle Berufsschifffahrt. Damals verließ um 11.30 Uhr das Binnenschiff "Klostersande" ein letztes Mal seinen Heimathafen. Noch unter der Flagge der Köllnflockenwerke machten Schipper Günter Holtz und Bootsmann Rolf Surrow die Leinen los, um den "Getreidedampfer" nach Wewelsfleth zur Werft zu bringen. Ein Abschied für immer, denn das Flaggschiff der einstigen blau-weißen Flotte von Peter Kölln ging in den Besitz einer Glückstädter Firma über. Die Kölln-Schiffe "Kornblume", "Kornähre" und "Korngarbe" waren da schon längst verschrottet.

Mit dem 21. November 2000 endete eine lange, ausschlaggebende Epoche der Stadtgeschichte: Elmshorn hörte mit diesem Tage auf, eine wirkliche Hafenstadt zu sein. Die "Klostersande" war das letzte Schiff, das regelmäßig den Hafen mit Fracht anlief. Und Schipper Gunter Holtz war der letzte seines Berufsstandes mit Heimathafen Elmshorn. Er ging in Rente. Seitdem herrscht absolute Ruhe am Kai - von wenigen Besuchern mit ihren Freizeitbooten und dem Ewer "Gloria" einmal abgesehen.

Jahrhunderte lang war die Krückau die Lebensader des Ortes, und nicht zuletzt mit dem Bau des heutigen Hafens vor 135 Jahren nahm Elmshorn einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. 1910 war der Elmshorner Hafen der drittgrößte Getreideumschlagplatz des damaligen Deutschen Reiches, die Stadt war Heimathafen von mehr als 100 Binnenschiffen.

Den Gipfel der Entwicklung symbolisiert eigentlich die "Klostersande": Sie wurde 1968 für die Köllnflockenwerke gebaut und war extra auf die Erfordernisse des Unternehmens, aber auch auf die Bedingungen der Krückau zugeschnitten. 32 Jahre lang brachte sie auf ihren 1676 Reisen Getreide von Hamburg, aber auch aus der Elmshorner Partnerstadt Wittenberge, zu den Köllnflockenwerken.

Die "Klostersande" litt allerdings wie alle anderen Schiffe auch unter der stetig zunehmenden Verschlickung der Krückau und des Hafens. Statt der möglichen 442 Tonnen Getreide konnte sie letztlich nur noch 200 transportieren. Der Fluss gab den Tiefgang von zwei Metern bei voller Ladung nicht mehr her.

Zuletzt fuhr die "Klostersande" beim Transport ein jährliches Defizit von mehr als 150 000 Mark ein. Und bereits bei ihrer letzten Fahrt auf der Au vor zehn Jahren musste Schipper Holtz seine Jahrzehnte lange Erfahrung voll ausschöpfen, um das Schiff sogar ohne Fracht (Tiefgang 1,20 Meter) unbeschadet auf die Elbe zu bringen.

Seit dem Abschied von der "Klostersande" und der Berufsschifffahrt vor genau zehn Jahren verschlickt die Krückau stetig weiter. Der leere Hafen wird sogar von Freizeitschippern gemieden. Die "Klostersande" indes gibt es noch. Sie liegt im Harburger Hafen "und wartet nach wie vor auf einen Käufer", wie der jetzige Besitzer, der Spediteur Heinrich Schmalstieg, berichtet. Das 55,09 Meter lange und 6,62 Meter breite, fahrbereite Schiff mit 300-PS -Maschine soll 180 000 Euro kosten - einschließlich Skizzen zum Umbau für eine neue Nutzung als Restaurant- oder Wohnschiff. Im Gespräch war die "Klostersande" auch immer mal wieder als Museums- oder Ausstellungsschiff zum Beispiel für die Hafen- und Krückaugeschichte. Dafür, so Schmalstieg, gelte "ein Sonderpreis". So oder so könnten Schiffe wie die "Klostersande" den Hafen sicherlich beleben - zumindest optisch und kulturell.

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