Abtreibungen: Der Kampf gegen §219a

Frauennetzwerk Elmshorn fordert Straffreiheit für Ärzte, die sachlich informieren

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17. August 2018, 15:47 Uhr

Dieser Fall ging im November 2017 durch alle Medien: Die Gießener Ärztin Kristina Hänel wurde verurteilt, weil sie auf ihrer Internetseite darüber informierte, dass sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt.

Diese Entscheidung beruht auf dem Paragraphen 219a des Strafgesetzbuchs. Dessen Abschaffung fordert jetzt das Frauennetzwerk Elmshorn. „Dieser Paragraph verhindert immer häufiger eine sachliche Information zu möglichen Schwangerschaftsabbrüchen“, erklärt Elmshorns Gleichstellungsbeauftragte Heidi Basting. „Ärzte werden für die Verbreitung sachlicher Informationen kriminalisiert, Frauen haben es immer schwerer, Zugang zu diesen Informationen zu bekommen.“ Das Thema werde so zunehmend tabuisiert, betroffene Frauen würden gesellschaftlich isoliert und in ihrer Notlage allein gelassen.

Sozialpädagogin Jutta Orzegowski bietet im Elmshorner Frauentreff die sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatung an, die vor einer Abtreibung verpflichtend ist. Etwa 135 solcher Beratungen werden jährlich in der Einrichtung durchgeführt. Orzegowski weiß: „Keine Frau trifft diese Entscheidung leichtsinnig. Die meisten haben große Schuldgefühle und schon einige Zeit mit sich gehadert, bis sie zu uns gekommen sind.“ Deshalb benötigten die Frauen in der Beratungsstelle schnell Informationen darüber, wer den Eingriff vornehmen kann.

Straffrei bleibt das nur bis zu zwölf Wochen nach der Empfängnis. Doch selbst die Beratungsstellen kommen nicht mehr einfach an diese Informationen heran. „Wir können nur über Ärzte und Kliniken informieren, die wir kennen“, sagt Karina Sahling vom Frauentreff. „Immer mehr Ärzte und Kliniken streichen aus Furcht vor Kriminalisierung den Hinweis von ihrer Internetseite.“ Die Städte Hamburg und Berlin stellen jetzt entsprechende Listen online zur Verfügung. Für Basting kann das nur eine Notlösung sein: „Paragraph 219a muss weg.“ Seite 3

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