Kleintierbrücke Elmshorn : Abriss ja – Neubau vielleicht

Die Kleintierbrücke am Gerlingweg ist marode und wird abgerissen werden. Über einen Neubau wird nochmals  diskutiert werden.
Die Kleintierbrücke am Gerlingweg ist marode und wird abgerissen werden. Über einen Neubau wird nochmals diskutiert werden.

Debatte im Rathaus: Die ökologische Notwendigkeit wird bezweifelt. Die Planungsfehler bleiben ungestraft.

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02. Juli 2014, 17:00 Uhr

Elmshorn | Gerade einmal neun Jahre alt und schon Schrott. Die so genannte Kleintierbrücke am Gerlingweg ist fertig, verkommen, verfault. Kein frischer Anstrich kann die Holzkonstruktion mehr helfen. Die marode Querung wird abgerissen. Darauf einigten sich aktuell die Kommunalpolitiker des zuständigen Ausschusses für kommunale Dienstleister. Ob Elmshorn sich an gleicher Stelle eine neue Brücke leisten kann und möchte, bleibt zunächst offen. Das Thema soll Verwaltung und Politik noch weiterhin beschäftigen.

Das vorläufige Ende einer monatelangen Wortschlacht um den Zankapfel ging jedoch nicht ohne eine letztes Gefecht ab. Peter Hölzel (Bündnis 90/Die Grünen) verteidigte vehement den Erhalt der Querung: „Der Name Kleintierbrücke ist ein falscher Name und spiegelt in keinster Weise den ökologischen Wert der Querung wider.“ Auch Großtiere wie Rehe nutzen das Bauwerk und die Biotope zwischen Innenstadt und Randbezirk zum wechseln. Schuld an dem jetzigen desaströsen Zustand der Brücke habe allein die Stadtverwaltung. Nachdem die Brücke mit ehrenamtlichen Helfern errichtet wurde und die Stadt das Bauwerk ins Eigentum übernahm, habe die Verwaltung in eklatanter Art und Weise die Pflege der Hölzer vernachlässigt. Nun sieht sie nur noch den Ausweg der Verschrottung. „Elmshorn, die Abrissstadt“, sagte Hölzel in der Sitzung.

„Krötenbrücke, Hasenspange, Kleintierbrücke – sämtliche mir bekannten Bezeichnungen der Brücke sind völlig unangemessen“, konterte Edgar Konetzny (CDU). Weder Fröschen, Hasen noch erwähnte Rehe würden die Querung je betreten. Vielleicht ein paar Schnecken und Heuschrecken. Völlig utopisch sei auch der monetäre Aufwand einer Sanierung geschweige denn eines Neubaus. „Wir reden von 240.000 Euro plus Planungskosten für einen Neubau und können uns aktuell noch nicht einmal 500 Euro für biologisch abbaubare Hundekotbeutel leisten“, argumentierte Konetzny. „Abriss, ersatzlos streichen“, so die Forderung des CDU-Mannes.

Ähnlich rigoros wollte Uwe Hildebrandt (FDP) das Thema Kleintierbrücke beenden. „Abbau, kein Neubau. Wir können das Geld besser verwenden“, sagte der Liberale.

Hans-Joachim Seiffert (SPD) hatte sich mit seiner Fraktion bereits im Vorwege für den Erhalt einer Querung ausgesprochen. Zwar habe die jetzige Konstruktion keine Zukunft, dennoch spreche man sich für einen Neubau aus. „Ein Biotop-Verbund durch die Stadt ist sinnvoll.“

Sinnvoll oder nicht sinnvoll – die Brücke müsse weg. Für Matthias Pitzer (Bündnis 90/Die Grünen) war klar, dass bereits beim Bau der Brücke alles nur Erdenkliche falsch gemacht wurde und für den schnellen Verfall des Bauwerks sorgte. Von „eklatanten Planungsfehlern“ sprach der Architekt. Falsches Holz, falsche Konstruktion, falsche Statik. „Natürlich können wir die ehrenamtlichen Errichter nicht für ihre Fehler verantwortlich machen, aber zumindest die beteiligten Ingenieure müssten in die Verantwortung genommen werden“, sagte Pitzer. Über Verursacher, Schuldigen oder Regress müsse man nicht diskutieren, nahm Bürgermeister Hatje Stellung. Diese Suche sei nicht zielführend. Man müsse nach vorn schauen, nicht zurück. „Was wollen Sie also? Was ist Ihnen wichtig?“, fragte er sodann die Kommunalpolitiker.

Bücke, oder keine Brücke – Die Antwort kam prompt: Die Kleintierbrücke unverzüglich abreißen, Fundamente bleiben erhalten – für den Fall, dass man sich später doch noch auf die ökologische Notwendigkeit einer Querung einigen könne.

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