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Elmshorn : A7-Ausbau: Die Unternehmer sind besorgt

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Probleme bei der Ansiedlung in Elmshorn. Die Firmen denken jetzt sogar über Lager südlich des Elbtunnels nach.

shz.de von
erstellt am 15.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Elmshorn | Wie sehr die Menschen in Schleswig-Holstein vom Verkehr auf der Autobahn 7 abhängig sind, war kürzlich wieder einmal mehr als deutlich zu spüren: 23 Kilometer Stau auf der A7 und auf der A23 bis nach Elmshorn. Ursache war ein Unfall an der Anschlussstelle Stellingen. Und weil lange Staus auf den beiden Autobahnen wegen der Verbreiterung der A7 und des Deckels über der Schnellstraße bald für einige Jahre zum Normalfall werden könnten, denken einige Firmenchefs ganz offensichtlich darüber nach, Lager südlich des Elbtunnels einzurichten. Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje befürchtet zudem aufgrund der Baumaßnahmen Schwierigkeiten, in naher Zukunft neue Firmen in Elmshorn anzusiedeln.

Von diesem Jahr bis voraussichtlich 2023 wird in irgendeiner Form zwischen der Landesgrenze und dem Elbtunnel gebuddelt. Elmshorns Bürgermeister rechnet mit einem Verkehrskollaps, Harald Schroers, Geschäftsführer der Wirtschafts- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg (WEP), nennt die Maßnahme ein „großes Ärgernis“ und Ken Blöcker, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Westküste erwartet „enorme Belastungen“.

„Ich habe von mehreren Unternehmern gehört, dass sie die Einrichtung von Lagern südlich des Elbtunnels planen, um den Staus zu entgehen“, sagt Volker Hatje. Die jahrelangen Bauarbeiten seien eindeutig ein Nachteil für Schleswig-Holstein und damit für Elmshorn. Es werde deshalb „immer schwieriger Unternehmen anzusiedeln“, so der Bürgermeister.

Einer von denen, die auf die befürchteten Verkehrsbehinderungen reagiert haben, ist Köllnflocken-Chef Hans Heinrich Driftmann. „Wir haben im Bundesgebiet mehrere Lager oder Flächen in großen Lagern gemietet“, sagt er. Bei Just-in-time-Lieferungen könne das Unternehmen sonst nicht schnell genug reagieren. Zudem sei eine Lösung gesucht worden, dem bislang beauftragten Logistikpersonal gegenüber loyal zu bleiben, auch wenn diese Lösung Geld koste. Produziert werde weiterhin in Elmshorn. „Es ist unsere Unternehmenspolitik, den Standort Elmshorn nicht zu gefährden und alles zu tun, was Schleswig-Holstein und Elmshorn nützt“, sagt Driftmann. Nun hofft er, dass die Einschränkungen aufgrund des Autobahnbaus möglichst gering ausfallen werden.

Unternehmer warten auf die Auswirkungen der Bauarbeiten

WEP-Chef Schroers hat ebenfalls von Überlegungen einiger Firmenchefs gehört, sich nach Lagerflächen südlich des Elbtunnels umzusehen. Er geht davon aus, dass die meisten Unternehmer erst einmal abwarten wie stark die Auswirkungen der Bauarbeiten sein werden. „Immerhin haben wir hinterher eine besser ausgebaute Autobahn, die wir alle haben wollten“, gibt Schroers zu bedenken. Ähnlich pragmatisch beurteilt Paul Raab, Leiter der Elmshorner IHK-Zweigstelle die Lage. „Wir stehen zu der Maßnahme, müssen deshalb Einschränkungen hinnehmen und versuchen konstruktiv dazu beizutragen, dass die Auswirkungen so gering wie möglich werden“, sagt er.

Deshalb hat die IHK gemeinsam mit der Pinneberger Kreisverwaltung einige Vorschläge erarbeitet: Unter anderem soll der Ferienverkehr aus und nach Dänemark auf die Ausweichstrecke Autobahn 1 / Autobahn 21 hingewiesen werden. Eine App mit Verkehrslageinformationen über die Bauarbeiten ist bereits verfügbar. Abschleppfahrzeuge sollen an allen staugefährdeten Stellen von A7 und A23 vorgehalten werden, um liegen gebliebene Fahrzeuge schnell von der Autobahn entfernen zu können. Die A1 soll bei Hamburg-Öjendorf so schnell wie möglich wieder dreispurig befahrbar sein. Bauarbeiten auf Ausweichstrecken, beispielsweise der Kieler Straße in Hamburg, müssten unbedingt vermieden werden. Außerdem plädieren IHK und Kreisverwaltung, für Lkw-Betreiber aus der Unterelberegion für die Dauer der Baumaßnahmen generell Sonntagsfahrerlaubnisse zu erteilen.

Letzteres sei zwar generell sinnvoll, so Ken Blöcker vom Unternehmensverband Unterelbe-Westküste. Doch wenn die Kunden sonntags nicht geöffnet hätten, nütze es nichts, wenn Lieferanten vom Sonntagsfahrverbot befreit seien.

Blöcker weiß von Firmenchefs, die einen Stopp der Bauarbeiten an der A7 fordern, bis die A20 fertig gebaut ist. „Das halte ich für unrealistisch“, sagt er. Es müsse aber alles getan werden, damit die Unternehmen möglichst gut durch die Zeit der Bauarbeiten kämen.

Denn dass es schlimm wird, daran hat Blöcker keinen Zweifel: „Wir müssen uns vor Augen halten, dass der Zustand, den wir jetzt haben, verglichen mit dem, den wir bekommen, noch gut ist.“ Und bereits jetzt sind Staus auf den beiden Autobahnen im Kreis eher der Normalfall.

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