Ex-Verleger : Volker Koch verstorben: Ein ganzes Arbeitsleben für die Elmshorner Nachrichten

Ein ganzes Arbeitsleben für die Elmshorner Nachrichten: Volker Koch war 41 Jahre lang Verlagsleiter und bestimmte die Geschicke der Tageszeitung und der Druckerei.
Ein ganzes Arbeitsleben für die Elmshorner Nachrichten: Volker Koch war 41 Jahre lang Verlagsleiter und bestimmte die Geschicke der Tageszeitung und der Druckerei.

Er wurde 81 Jahre alt. Die Familie, Freunde und Weggefährten trauern um Volker Koch, der mehr als 40 Jahre Verlagsleiter bei der Zeitung in Elmshorn tätig war.

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23. Januar 2021, 07:30 Uhr

Elmshorn | Die EN kommen nach Hause, ziehen wieder ins altehrwürdige Gebäude an der Schulstraße. „Diese Nachricht hätte meinen Bruder ganz sicher gefreut“, sagt Hartwig Koch. Erreicht hat sie Volker Koch, den legendären Verlagsleiter der Elmshorner Nachrichten, nicht mehr.

Er ist gestorben. Am Sonnabend, dem 16. Januar, genau an dem Tag, an dem die EN ihre Rückkehr öffentlich machten. Koch ist 81 Jahre alt geworden. Er hinterlässt seine Frau, vier Kinder und fünf Enkelkinder.

Im Seniorenheim gelebt

Zuletzt lebte er im Seniorenheim in der Marktpassage. Nur einen Steinwurf entfernt, beim Eis-Italiener in der Kö, hat er oft in seinem Rollstuhl gesessen, Freunde und Bekannte gegrüßt, mit seiner Frau einen Kaffee getrunken. Das Geschehen in Elmshorn hat ihn bis zuletzt interessiert.

Mit 24 Jahren Verlagsleiter

Volker Koch: Das war ein Leben für die EN, mit der EN. Ein Leben für seine Stadt Elmshorn. Mit seiner Stadt Elmshorn. 1963, da war er gerade mal 24 Jahre alt, übernahm den Posten des Verlagsleiters von seiner Mutter. Er hat ihn mehr als 40 Jahre lang ausgefüllt, bis zum letzten Tag, bis zum Ruhestand 2004.

Auch nach dem Verkauf der EN blieb er an Bord

Koch hat den Zeitungsverlag und die angeschlossene Druckerei wie ein Kapitän auf seiner Brücke gesteuert, oft durch ruhiges Fahrwasser, manchmal durch aufgewühltes. Auch als er 1971 die Zeitung an den Axel Springer Verlag verkaufte, blieb er am Ruder. „Das war seine Bedingung für den Verkauf“, erinnert sich Dierk Wulf, als langjähriger Chefredakteur einer der wichtigsten Weggefährten. Aus der Arbeit wurde über die Jahre Freundschaft.

Volker Koch war ein sehr guter Chef. Zuvorkommend, großzügig, auch seinen Mitarbeitern gegenüber. Dierk Wulf, ehemaliger Chefredakteur

Wulf hatte Koch gemeinsam mit Carmen Brennfleck noch Ende 2020 im Pflegeheim besucht.

Die rechte und die linke Hand des Chefs

Carmen Brennfleck, auch so eine treue EN-Seele. „Ich war die rechte und die linke Hand vom Chef", erzählt die ehemalige Direktionsassistentin, die im alten EN-Haus von vielen Kollegen nur Dolly genannt wurde. Unzählige Male hat sie mit Koch auch bis spät nachts in dessen Büro im ersten Obergeschoss gesessen, wenn der Etat fertig gemacht werden musste.

Er war ein sehr freundlicher Mensch, die Atmosphäre war unter ihm immer familiär. Carmen Brennfleck

Kein Wunder: Die Verleger-Familie Koch war mehr als 100 Jahre für die Tageszeitung verantwortlich. Auch nach dem Verkauf an Springer blieb die EN-Familie zusammen. Heute gehört die Tageszeitung zum A. Beig-Verlag in Pinneberg.

Seine Dolly brauchte Koch, denn mit dem PC-Zeitalter stand er ein bisschen auf Kriegsfuß. Um 10.30 Uhr brachte sie ihm immer ein Glas Milch in sein Büro. Seine Tür stand immer offen. Koch ließ es sich über all die Jahre nicht nehmen, den Lösungsspruch für das EN-Weihnachtsrätsel selbst zu entwerfen. Daran denkt Brennfleck gern zurück.

Das EN-Dreiergespann

Volker Koch, Dierk Wulf und Hartwig Koch, mehr als 30 Jahre lang EN-Anzeigenchef, waren über Jahrzehnte das untrennbare Dreiergespann des Verlages. „Mein Bruder war im Gegensatz zu mir eher ein ruhiger Vertreter“, sagt Hartwig Koch, selbst schon 80 Jahre alt.

Das Repräsentieren lag ihm

Ruhig ja, aber stadtbekannt. Das Repräsentieren, das mochte Volker Koch. Das lag ihm, erinnert sich sein Bruder an die alten Zeiten zurück. Der EN-Chef war eine Persönlichkeit in Elmshorn.

Ein Filmteam besuchte Volker Koch (links) bei der EN. Das Bild stammt aus den 70ern.
EN-Archiv
Ein Filmteam besuchte Volker Koch (links) bei der EN. Das Bild stammt aus den 70ern.

Von der Pike auf gelernt

Das Zeitungsgeschäft hatte Volker Koch von der Pike auf gelernt, aber eben nicht als Kaufmann. „Er hatte in Neumünster und Coburg volontiert und seinen Meister als Schriftsetzer gemacht“, sagt Hartwig Koch. Erfolgreich als Kaufmann war er trotzdem.

Die EN waren damals die kleinste Zeitung im Axel Springer Verlag. Aber mein Bruder hat immer erzählt, dass wir beim Umsatz pro Kopf die besten im Unternehmen sind. Darauf war er stolz. Hartwig Koch, Bruder und Ex-Anzeigenchef

Keine Frage, Volker Koch war ein Fachmann, ein Zeitungsmacher vom alten Schlag.

Akkordeon aus dem Kofferraum geholt

Wulf denkt gern an die privaten Feiern zurück, an den Moment, wenn Volker Koch aus dem Kofferraum seines Wagen das Akkordeon holte. „Dann hat er aufgespielt und wir haben alle ausgelassen gesungen.“ An ein anderes Hobby seines Ex-Chefs und Freundes kann sich der Ex-Chefredakteur nicht erinnern. „Er hatte doch seine EN.“

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