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Elmshorn/Barmstedt : 7000 Kilometer für den guten Zweck

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Fred Freyermuth nimmt an der Rallye Dresden-Dakar-Banjul teil. Abgelaufene Verbandskästen für Hilfsaktion in Westafrika gesucht.

Elmshorn/Barmstedt | Es wird eine 7000 Kilometer lange Fahrt ins Ungewisse. Doch Fred Freyermuth (51), Werkleiter der Stadtwerke Barmstedt, nimmt bereits zum zweiten Mal an der vier Wochen dauernden Autorallye von Dresden nach Afrika teil. Sein Ziel ist Banjul, die Hauptstadt des westafrikanischen Staates Gambia. Begleitet wird er dabei von seinem Sohn Nico (19) und 50 weiteren Fahrzeugen, die vor Ort für lokale Hilfsprojekte versteigert werden sollen. Der Erlös kommt ortsansässigen Schulen, Krankenhäusern und weiteren Hilfsprojekten zugute.

Die Charity-Rallye wird vom Verein „Breitengrad“ aus Dresden durchgeführt, der regelmäßig ältere Autos zur Versteigerung nach Afrika überführt und dieses Jahr sein zehnjähriges Tourjubiläum feiern kann.

Freyermuth wird in einem von den Elmshorner Stadtwerken gespendeten Iveco-Montagewagen fahren. Das ausgemusterte, zehn Jahre alte Fahrzeug mit rund 100.000 Kilometer auf dem Tacho würde hier kaum mehr als Schrottwert haben, erklärt der Elmshorner Werkleiter Sören Schuhknecht. In Gambia würde es dagegen noch einen guten Zweck erfüllen und einen vielfachen Preis bei der Versteigerung erzielen. „Erstens kennt man dort keinen TÜV und zweitens stellt ein Fahrzeug, insbesondere ein Transporter, für viele Einheimische eine Existenzgrundlage dar. Entweder dient er als Taxi oder als Basis für ein Fuhrunternehmen und kann eine mehrköpfige Familie ernähren“, ergänzt Freyermuth. 5000 bis 6000 Euro würden bei der Versteigerung – die fröhlichen Volksfestcharakter haben – für den Iveco sicher gezahlt, vermuten die beiden Werkleiter.

„Eigenheim“ in Mauretanien – aus dem Auto heraus fotografiert von Fred Freyermuth auf seiner Afrika-Rallye 2010. (Foto:Privat)
„Eigenheim“ in Mauretanien – aus dem Auto heraus fotografiert von Fred Freyermuth auf seiner Afrika-Rallye 2010. (Foto:Privat)
 

So wird der Transporter jetzt völlig ausgeräumt, dann werden zwei schmale Bretter als Basis für die Hochbettmatratzen eingebaut. „Wir werden im Wagen übernachten“, meint Freyermuth. Das sei praktisch und spare Geld. Tagsüber heißt es dann Kilometerfressen. Von Dresden aus starten die 50 Fahrzeuge am 25. Februar – entweder in kleinen Gruppen oder allein – Richtung Frankreich, durchqueren Spanien und treffen sich am ersten Kontrollpunkt in Gibraltar. Von hier aus werden die Autos nach Marokko übersetzen und im Konvoi abseits fester Pisten Westsahara und Mauretanien durchfahren. In einem „Roadbook“ sei die genaue Streckenführung vorgegeben, erklärt Freyermuth. Bei Tagestemperaturen um die 40 Grad (nachts kühlt es auf Null Grad ab) wird es vor allem in Mauretanien „speziell“. Das von Wirtschaftskrisen und Dürreperioden gebeutelte Land wird wahrscheinlich nur unter Militärbegleitung durchquert werden können. Das ist wohl auch sicherer, denn Freyermuth hat schlechte Erinnerungen an seinen letzten Besuch in der Hauptstadt Nouakchott, wo der Konvoi von der Bevölkerung mit Steinen beworfen wurde. Doch das sei bislang auch sein einziges schlechtes Erlebnis gewesen, meint er.

Fred Freyermuth mit seiner Startnummer 0696 freut sich über den von den Elmshorner Stadtwerken gespendeten Iveco-Transporter, der ihm von Werkleiter Sören Schuhknecht übergeben wird.  (Foto: Robbe)
Fred Freyermuth mit seiner Startnummer 0696 freut sich über den von den Elmshorner Stadtwerken gespendeten Iveco-Transporter, der ihm von Werkleiter Sören Schuhknecht übergeben wird. (Foto: Robbe)
 

Klar habe er sich auch schon mal im Wüstensand festgefahren, geplatzte Reifen repariert, der Auspuff sei bei einem heftigen Aufsetzer weggeflogen oder der Kühlschlauch geplatzt – aber darüber geht der ausgebildete Rettungssanitäter, der seine Technikkenntnisse als „rudimentär“ bezeichnet, locker weg. Meistens hätte er vor Ort Werkstätten gefunden, deren Mitarbeiter „extrem erfindungsreich“ seien. Mit Englisch und Händen und Füßen sei er gut durchgekommen.

Ab dem Senegal ist es dann nur noch ein Katzensprung bis nach Banjul, der Hauptstadt von Gambia. Die Freyermuths wollen sich auch Zeit für Sightseeing und eigene Erkundungsfahrten nehmen. „Mit den anderen Rallyeteilnehmern sind wir alle per Handy vernetzt, und die abendlichen Treffpunkte erreichen wir mittels GPS-Koordinaten. So kann man am Lagerfeuer erzählen, was man tagsüber entdeckt und erlebt hat.“

Für die Essenszubereitung hat das Team „Stadtwerker“ mit der Startnummer 0696 einen kleinen Campingkocher mit. Lebensmittel werden vor Ort gekauft und an Kleidung brauche Freyermuth „nur einen Kamm“, erzählt er grinsend. In der Tat besteht sein Gepäck nur aus einem kleinen Koffer mit Kleidung, einigen Medikamenten und Handy. „Obwohl dieses Jahr deutlich mehr Platz im Iveco vorhanden ist, wird der Großteil der Ladefläche hoffentlich mit Hilfsmitteln für die Bevölkerung Gambias beladen sein“, meint Freyermuth. Er bittet alle Leser dieser Zeitung, möglichst bis zum 23. Februar abgelaufene Verbandskästen bei den Kundenzentren der Stadtwerke in Elmshorn und Barmstedt abzugeben, denn diese seien trotz des Verfallsdatums im Krankenhaus noch gut nutzbar. „Gerne nehmen wir auch gut erhaltene Krücken mit“, ergänzt Sören Schuhknecht. Insgesamt wird Freyermuth fast seinen gesamten Jahresurlaub für diese Tour investieren. Benzinkosten, Visum, Impfungen und Rückflug werden von den Teilnehmern getragen. Nach vier Wochen kann Simone Freyermuth dann Mann und Sohn hoffentlich heil und gesund wieder in die Arme schließen.

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