Fahrradfahrer kontrolliert : 69 Radfahrer verwarnt

Aktion der Elmshorner Polizei. Viele fuhren auf der falschen Straßenseite. Die meisten Übeltäter waren Erwachsene.

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08. Januar 2015, 14:09 Uhr

Elmshorn | Mittags um 12.30 Uhr am Kreisverkehr Langelohe: Zwei Jungen sind auf dem Heimweg von der Schule, einer auf dem Fahrrad, einer zu Fuß. Doch plötzlich ist Schluss mit Gemütlichkeit. An der Bushaltestelle vor der Berufsschule stehen zwei Polizisten. „Na, was habt Ihr falsch gemacht“, wollen die Beamten von den Jungen wissen. Erstaunte Blicke sind die Antwort. „Ihr seid auf der falschen Straßenseite gefahren“, so die Belehrung. „Aber nur ganz langsam“, kommt die zaghafte Entgegnung des Radfahrers. Nützt nichts. Er wird 20 Euro zahlen müssen.

So wie dem Schüler erging es Donnerstag insgesamt 69 Bürgern. Denn die Polizei nimmt derzeit, wie angekündigt, die Radfahrer besonders unter die Lupe. Vor allem wird kontrolliert, ob die Radwege auf der richtigen, der rechten Seite benutzt werden. „Es passieren einfach zu viele Unfälle, weil etliche Bürger den Radweg auf der falschen Straßenseite benutzen“, sagt Frank Hesse, Leiter der für die Kontrollaktion zuständigen Präsenzgruppe der Elmshorner Polizei. Die Gefahr, von Autofahrern übersehen zu werden, sei sehr groß. Im vergangenen Jahr ereigneten sich allein in Elmshorn 28 Unfälle, weil Radler die falsche Straßenseite benutzt hatten.

„Die falsche Fahrbahnbenutzung ist die Hauptunfallursache bei den von Radfahrern verursachten Verkehrsunfällen“, sagt auch Polizeisprecherin Sandra Mohr. Die Anzahl der getöteten und verletzten Radfahrer auf Schleswig-Holsteins Straßen steige seit Jahren. Annähernd 90 Prozent der Verkehrsunfälle mit getöteten und verletzten Radfahrern ereignen sich innerhalb geschlossener Ortschaften. „Wir sprechen die Leute immer wieder an und ermahnen sie. Doch manchmal muss es auch ein wenig wehtun, damit es ankommt“, meint Hesse.

Der jugendliche Radler und sein Begleiter zeigen sich einsichtig und ziehen bedröppelt von dannen. Doch schnell hellt sich ihre Laune auf. Denn die nächsten drei Radler, die den Polizisten auf der falschen Straßenseite entgegenkommen, sind Bekannte der beiden. Das Gejohle ist groß. Geteiltes Leid ist eben nur noch halbes Leid. Auch die drei Kumpel sind mit 20 Euro pro Nase dabei. Gemeinsam machen sich alle auf den Heimweg. Diesmal werden die Fahrräder geschoben.

„Das waren nette Jungs, die haben eingesehen, dass sie was falsch gemacht haben und dass das gefährlich ist“, meinen die Beamten. Die vier Radfahrer bleiben an dem Vormittag nicht die letzten Radfahrer, die in den kommenden Wochen 20 Euro Verwarnungsgeld zahlen müssen.

Kontrollorte waren von 7.15 bis 8.45 Uhr die Berliner Straße sowie von 12.15 bis 13.15 Uhr der Kreisel Langelohe. Hinzu kamen zwei Fahrradstreifen, die an wechselnden Orten im Einsatz waren.

Doch wer glaubt, es sind meist Jugendliche, die beim Radeln auf der linken Straßenseite erwischt werden, der irrt gewaltig. 69 Radfahrer wurden kontrolliert, sieben fuhren ohne Licht, 62 auf der falschen Straßenseite. Nur 22 der Verkehrssünder waren Kinder und Jugendliche. 46 Mal waren es Erwachsene, die sich falsch verhalten hatten. Der Großteil der Radfahrer, so Sandra Mohr, habe aber die Kontrollstellen ordnungsgemäß beleuchtet und auf der richtigen Straßenseite passiert. Die Elmshorner Polizei wird ihre Aktion in den kommenden Wochen fortsetzen.

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