zur Navigation springen

Auf gute Nachbarschaft : 250 Jahre Drostei in Pinneberg und 40 Jahre Kunstverein Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ausstellungseröffnung anlässlich der Jubiläen.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2017 | 13:00 Uhr

Elmshorn | Ist das Kunst oder kann das weg? Es ist Zeit, polemisch zu werden. Auch wenn alle Beteiligten aus Kultur, Politik und Finanzsektor in ihren Reden, die musikalisch von Johann Jakob Nissen untermalt worden sind, am Sonntagmorgen bei der großen Ausstellungseröffnung „Bei Nachbarn – Norddeutscher Realismus in Kolding“ in der Sparkasse und im Torhaus Elmshorn diese Posse vermeiden wollten, als oberflächlich und inflationär abtaten, drängte sie sich doch weit in den Vordergrund und kam immer wieder zur Sprache. Und bei dieser Frage geht es in keinerlei Hinsicht um die Bedeutung der Werke der ausstellenden Künstler Margreet Boonstra, Meike Lipp, André Krigar, Frauke Gloyer, Frank Suplie, Tobias Duwe, Nikolaus Störtenbecker und Erhard Göttlicher.

Die Künstlergeneration, die sich als Norddeutsche Realisten betitelt, lebt für die Natur, für Malen, das sich aus dieser ergibt. Licht- und Wetterverhältnisse, Farbverläufe diverser Landschaften, dunkle Häuserfassaden und einsame Schiffe sind nur einige ihrer Motive und ihrer Motivationen. Die Werke strotzen geradezu vor Lebendigkeit, vor Eindrücklichkeit, jeder Pinselstrich zieht sich erkennbar durch vermengte Ölfarben, sanft und grob – bunt, plastisch und eindrucksvoll. Aber wo liegt denn nun eigentlich der Knackpunkt? Große Kunst sind diese Werke allemal.

Die Frage liegt also keines- falls in der Kunst als solcher begründet, sondern sie beginnt mit ihrer Verteidigung. Thomas Gädeke, der die Gäste in die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Norddeutschen Realismus einführte, sieht dessen Kunst und Ansehen vernachlässigt. Vernachlässigt von großen Ausstellungsräumen, der überregionalen medialen Berichterstattung – immer würde es nur um den offiziellen Trend gehen und niemand schenke den norddeutschen Realisten Gehör und Blick. Hingegen seien die umgedrehten und zum Mahnmal ernannten Busse aus Syrien in Dresden von der Öffentlichkeit als Kunst erhoben worden. Unverständlich für Gädeke; das sei nur eine mediale Aufmerksamkeit, aber doch keine Kunst und er beklagt sich zeitgleich über den Kubismus, der andere Kunstformen kategorisch ablehnte, lobt aber die Kunst, die unter massiven Auftragsdruck von Fürsten und Kaisern entstanden ist.

Ja was denn nun? Kunst, keine Kunst, gute Kunst, schlechte Kunst? Das kann einen schon verwirren, denn die Kunst hat dies doch gar nicht nötig, sie sollte für sich selbst sprechen. Paradoxerweise fordert Gädeke genau dasselbe: „Die Kunst wird abwesend, je mehr man über sie spricht.“ Und die Kunst der norddeutschen Realisten spricht für sich: Das Bild „Kolding, Hafen, Nacht“ von Tobias Duwe zeigt beispielsweise ein Hafenszenario bei Regenstimmung, dunkle Blautöne, reflektierende Lichter auf dem Wasserspiegel, verschwommene Häuserfassaden. Man sehnt sich geradezu nach der einsamen Stille am Wasser, einer dunklen Nacht. Genau das fordert Gädeke von der Kunst: Sie soll Eindrücke beim Betrachter hinterlassen, nicht nur reine Dekoration oder mediale Aufmerksamkeitshascherei sein.

Doch können die Busse in Dresden nicht ebenso wirken? Auf eine ganz andere Art und Weise, aber auch sie hinterlassen Eindruck. Gut oder schlecht sei jetzt dahingestellt. Und so sind wir wieder beim Ausgangspunkt: Ist das Kunst oder kann das weg? Genau das muss jeder für sich selbst entscheiden – und trotz ihres inflationären Gebrauchs ist diese Frage durchaus legitim. Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort, aber eins ist sicher: Die norddeutschen Realisten haben mit ihren „immer wiederkehrenden Motiven unterschiedlichster Facetten und Perspektiven“, wie Christel Storm, Vorsitzende des Elmshorner Kunstvereins, in ihrer Begrüßung ansprach, keine Not, sich zu verteidigen. Sie sind mit ihren zahlreich abgebildeten Naturgewalten, Impressionen, mit ihrer haptischen gestalterischen Manier beeindruckend. B eeindruckend ist ihre künstlerische Bescheidenheit, die Nähe zum Nachbarn, egal ob Stadt, Land oder reine Natur. Unter diesem Motto der Nachbarschaft werden, durch die finanzielle Förderung der Sparkasse Elmshorn, zahlreiche Werke naturalistischer Aussagekraft anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der Drostei in Pinneberg und des 40-jährigen Bestehens des Elmshorner Kunstvereins in der Drostei, dem Torhaus und der Galerie der Sparkasse Elmshorn zu sehen und zu bewundern und die Nachbarschaft der beiden Kulturszenen bildlich und künstlerisch zu erfassen sein.

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen