20 Jahre Projekte und Bautätigkeit

Stephan Bandlow leitet die kommunale Seite

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28. Juni 2018, 17:09 Uhr

Mit Umstellungen und Umzügen kennt Stephan Bandlow (48) sich aus. In seiner jetzt 22-jährigen Dienstzeit als Chef der Rettungsleitstelle im Kreis Pinneberg wechselt er am Freitag, 6. Juli, wenn der Neubau der Kooperativen Regionalleitstelle West offiziell in Betrieb geht, zum dritten Mal den Arbeitsplatz.

Aufgewachsen im Kreis Plön, kam Bandlow nach seiner Ausbildung zum Werbekaufmann als Zivildienstleistender erstmals mit der Notfallrettung in Berührung. Er blieb nach den 18 Pflichtmonaten und bildete sich zum Rettungsassistenten fort. „Die Arbeit mit Menschen hat mir mehr Spaß gemacht als die in der Werbung“, sagt er heute.

Im Alter von nur 23 Jahren wechselte er in Waiblingen bei Stuttgart vom Rettungswagen auf den Platz eines Leitstellendisponenten. Zu Jahresbeginn 1996 zog er zurück in den hohen Norden und übernahm die Chefstelle der Pinneberger Rettungsleitstelle. Die Voraussetzungen brachte er mit, weil er neben der rettungsdienstlichen Ausbildung in der Freiwilligen Feuerwehr bereits Führungsqualifikationen erworben hatte.

Die Leitstelle hatte ihren Sitz damals noch im Erdgeschoss der Kreisverwaltung an der Straße Drosteipark in Pinneberg. Zwölf Mitarbeiter konnten dort im Schichtbetrieb maximal drei Arbeitsplätze besetzen. Ein überschaubares Feld, das zwei Jahre später erstmals für Aufsehen sorgte. Die Notrufnummer 112, die im Ortsnetz der Städte Elmshorn, Pinneberg, Wedel, Quickborn und Uetersen bis dahin auf den städtischen Feuerwachen aufliefen, wurden auf den Kreis umgeschaltet. Dazu wurde erstmals ein Leitrechner (EDV) in Betrieb genommen.

Ohne den Kollegen Computer wäre es auch nicht möglich gewesen, am 23. August 2000, den Spatenstich für die bundesweit erste Integrierte Regionalleitstelle (IRLS) auf dem Elmshorner Krankenhaus-Gelände an der Agnes-Karll-Allee zu machen. Vom 3. Dezember 2001 an wurden hier Notrufe über die 112 aus den Kreisen Pinneberg, Steinburg und Dithmarschen angenommen. Nur fünf Jahre später begann die Planung, die Polizei mit ins Haus zu holen um aus der Integrierten eine Kooperative Regionalleitstelle zu machen. Dafür wurde 2010 angebaut. Die Polizei-Leitstelle ist seit der Inbetriebnahme der KRLS zusätzlich für den Kreis Segeberg zuständig. „Wir – von allen Seiten – möchten das nicht mehr missen“, sagt Bandlow über die Zusammenarbeit von kommunaler und polizeilicher Seite.

Es war und ist eine „ziemlich rastlose Zeit“, wie der mit seiner Lebensgefährtin und einer Tochter in Klein Offenseth-Sparrieshoop lebende Leitstellen-Chef bilanziert. Neben der regen Bautätigkeit waren die Umstellung der Alarmierung auf den digitalen Standard vor zwei Jahren sowie die Umstellung des gesamten Funkverkehrs auf Digitalbetrieb weitere große Aufgaben. Zudem ist er nicht allein auf die eigene Scholle fixiert. Der 48-Jährige gehört zu den Gründungsmitgliedern des Fachverbands Leitstellen vor vier Jahren. Nebenbei studiert er mittlerweile Rescue Management an der Medical School Hamburg – hauptsächlich an den Wochenenden.

Die jetzt neu bezogenen Arbeitsplätze für seine 44 Kollegen sieht er als große Anerkennung für deren Arbeit. „Egal an welche Herausforderungen ich denke, es haben immer alle an einem Strang gezogen“, sagt er und hat dabei etwa die flächendeckenden Großschadenslagen wie bei den Sturmtiefs „Christian“ oder „Xavier“ im Blick. Von daher fällt es ihm leicht zu sagen: „Es macht mir Spaß, wie am ersten Tag.“ Nur die Bautätigkeiten, die dürften jetzt gern ein Ende haben.

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