13 Monate Freiheit

wüste baja california mexiko
1 von 4

Jan Hörster aus Horst fuhr mit dem Fahrrad auf der Panamericana von Alaska nach Argentinien

shz.de von
09. Februar 2018, 16:40 Uhr

20161 Kilometer mit dem Fahrrad – diese außerordentliche Leistung vollbrachte der heute 25-jährige Jan Hörster während seiner knapp 13-monatigen Tour von Alaska nach Argentinien. Fast immer entlang der Panamericana, der längsten durchführenden Straße der Welt.

Hörster, der in Horst aufgewachsen ist und heute in Itzehoe lebt, startete seine Tour im Mai 2016 mit dem Flug nach Anchorage in Alaska. „Es waren keine sportlichen Aspekte, die mich zu dieser Fahrt geführt haben, sondern ausschließlich die Reiselust auf dem Fahrrad. Ich wollte die Freiheit des Erlebens genießen, Natur und Menschen kennenlernen“, sagt der gelernte Industriemechaniker, der das nötige Geld für die Tour während seiner Ausbildung angespart hatte.

Auf seinem robusten 26-Zoll-Rad mit breiten Reifen und 14-Gang-Nabenschaltung machte Hörster sich auf den abenteuerlichen Weg. Immer mit dabei Zelt, Verpflegung, geeignete Kleidung sowie Kamera und Stativ.

Von Anchorage aus fuhr er zunächst nach Norden in Richtung Fairbanks, um den Denali National Park zu erkunden. Begegnungen mit Bären und Elchen blieben dabei nicht aus. Nicht nur wilde Tiere, auch Landsleute traf er dort. „Ich begegnete einem Ehepaar aus Elmshorn, das mit dem Wohnmobil unterwegs war„, sagt Hörster.

„Bei den Übernachtungen in der freien Natur musste ich die Essensachen und Zahnpasta in einem Sack mit einem Seil in Bäume hochziehen und so vor den Bären schützen“, berichtet Hörster. Mulmig wurde ihm, als er auf seiner Weiterfahrt durch Kanada einem Grizzly begegnete, der gerade einmal fünf Meter von ihm entfernt am Straßenrand war. An der Küste Kanadas erfreute sich der Radtourist am Anblick von Orcas und Buckelwalen.

Über Vancouver Island, Seattle, San Francisco führte die Route nach Los Angeles und dann an die mexikanische Grenze, die er bei Tijuana überquerte. „Ich wurde von vielen Menschen gewarnt, allein weiterzufahren, da die Verbrechensrate in Mexiko und überhaupt in den südamerikanischem Ländern groß ist. Doch ich habe überall nur total positive Erfahrungen gemacht, auch wenn die unterschiedlichen Lebensverhältnisse schon einen Kulturschock für mich bedeuteten“, erklärt Hörster.

In Mexiko wartete die nächste große Herausforderung auf den jungen Mann - die Baja California. Drei Wochen dauerte es, bis er die Wüste durchquert hatte. Am Tag mit über 40 Grad Celsius, in den Nächten mit Skorpionen und Spinnen als Gäste rund um das Zelt. Rund zwei Monate hielt sich Hörster in Mexiko auf, besuchte Sehenswürdigkeiten wie die Kultur-Stätten der Ureinwohner und durchquerte die Sierra Madre auf 2000 bis 2500 Metern Höhe. Ein "Abstecher“ zu Weihnachten 2016 nach Belice mit dem dazugehörigen Karibikgefühl durfte auch nicht fehlen. Zu Silvester war er bereits in Guatemala. El Salvador, Honduras, Nicaragua, Costa Rica, Panama und Ecuador waren die weiteren Stationen der Reise.

In Peru angekommen, musste Jan Hörster vom Fahrrad in das Flugzeug umsteigen. „Aufgrund der herrschenden Unwetter war meine geplante Wegstrecke unpassierbar geworden. Erdrutsche und Überschwemmungen ließen es nicht zu, dass ich per Rad weiterkam. So musste er von Chiclayo nach Cusco fliegen, um von dort aus seine Tour durch die Anden fortzusetzen. Bis auf über 4000 Meter Höhe führte die Fahrt. Damit aber nicht genug. Hörster ließ es sich in Bolivien nicht nehmen, mit einem Bergführer auf einen 6000er zu steigen.Ganz auf den Gipfel habe ich es nicht geschafft, dazu war ich da oben zu kaputt", sagt er.
Über Paraguay, Brasilien und Uruguay führte die gewählte Strecke schließlich nach Argentinien, wo er im Juni 2017 in Buenos Aires nach 383 Tagen das Flugzeug in Richtung Heimat bestieg. Im Gepäck sein Rad, das ihn nicht im Stich gelassen hatte, über 15 000 Fotos und Erinnerungen an viele Menschen, die ihm begegneten. „Gerade der Kontakt zu den Einheimischen war für mich das Wertvollste auf dieser Reise. Ich wurde überall freundlich aufgenommen, durfte bei Gastfamilien übernachten, bekam Unterschlupf in Werkstätten und Schulen“, berichtet Hörster. Dabei habe ihm auch die Tatsache geholfen, dass er als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in Rethwisch und Horst bei den dortigen Kameraden auf offene Türen stieß. „Ich durfte sogar an einer Oldtimer-Parade in Kanada teilnehmen, in der Uniform eines dortigen Feuerwehrmannes“, freut sich Hörster.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen