Geschichten und alte Fotos : 100 Jahre Torhaus in Elmshorn: Von der Fabrik zum Kulturhaus

Ortshistoriker Hinrich Köhnke (links) und Bürgermeister Volker Hatje im Gespräch mit Besucherinnen.
Ortshistoriker Hinrich Köhnke (links) und Bürgermeister Volker Hatje im Gespräch mit Besucherinnen.

Zum Jubiläum kamen zahlreiche Gratulanten, um sich über die Geschichte des Gebäudes zu informieren.

shz.de von
25. Juni 2018, 14:30 Uhr

Elmshorn | „Wer sich da plötzlich so anschließt“, Birgit Hamburg strahlte. Eigentlich wollte die ehemalige Mitarbeiterin des Stadtarchivs zusammen mit dem Journalisten Ernst-Gerhardt Scholz nur eine Fotoausstellung organisieren. Aber am Samstag stand sie dann zwischen den Vertretern vieler Organisationen, Elmshorns Bürgermeister Volker Hatje hielt eine Rede, die Liedertafel sang, viele Besucher kamen, guckten sich die alten Fotos an, klönten und tauschten Erinnerungen aus.

Gekommen waren sie, um den 100. Geburtstag des Elmshorner Torhauses zu feiern. Es ist weder das größte noch das schönste oder älteste Gebäude in Elmshorn, aber viele verbinden mit dem dreistöckigen Haus Erinnerungen. Alt-Elmshorner Bernhard Daunus erinnerte sich an das Hochwasser von 1962: Die Fläche südlich des Torhauses war überschwemmt und als Junge erlebte er die Gegend als Abenteuerspielplatz. „Da war die Stadtbücherei drin“, sagte Christiane Bruhn, die als Vorsitzende des Freiwilligen-Forums ein Büro im zweiten Stock des Torhauses nutzt. „Da waren bunte Bilder in den Fenstern“, das wusste die Landtagsabgeordnete Beate Raudies noch aus ihrer Jugend.

Die Elmshorner Geschwister Marianne Bornholdt und Bernhard Daunus betrachten alte Fotografien.
Jann Roolfs
Die Elmshorner Geschwister Marianne Bornholdt und Bernhard Daunus betrachten alte Fotografien.
 

Für Bürgermeister Volker Hatje ist „der Erhalt dieses Gebäudes das erste Beispiel bürgerlichen Engagements“ in Elmshorn. Ende der 1970er Jahre drohte der Abriss, aber viele Elmshorner setzten sich für das Torhaus ein. Es wurde saniert und blieb erhalten. 1996 und 2011 musste die Stadt nochmals Geld für die Stabilisierung des Hauses ausgeben; die Krückau hatte die Grundmauern angenagt.

Gebaut wurde es von den Erben des Lederfabrikanten Johann Hinrich Strecker im Jahr 1918. Mit 120 Mitarbeitern war die Firma eine der größten Lederfabriken der Stadt; aber nach dem verlorenen Krieg ging es bergab mit der auf Militärbedarf spezialisierten Firma, 1925 übernahm die Stadt das Torhaus nach dem Konkurs. Sie brachte dort Obdachlose unter. Von 1938 bis 1977 hatte außerdem die Stadtbücherei dort ihren Sitz.

230 Quadratmeter Nutzfläche

Heute nutzen der Kunstverein, das Freiwilligen-Forum und der Verkehrs- und Bürgerverein die 230 Quadratmeter umfassende Nutzfläche im Torhaus. Stargard-Stube und Liedertafel waren vorübergehend drin. Alle Nutzer, ehemalige und aktuelle, waren zur Geburtstagsparty gekommen; und alle hatten mindestens einen Kuchen mitgebracht. Das Backwerk wurde am Sonnabend verschenkt. „Wir haben natürlich auch gebacken“, erklärte Rita Schliemann vom städtischen Kulturamt, bei dem die organisatorischen Fäden für die Feier zusammenliefen. Der Gang durch den westlichen Teil des Torhauses war schon immer öffentlich. An seine Geschichte erinnerte Ortshistoriker Hinrich Köhnke in seinem Vortrag: Dort verlief über mehrere Jahrhunderte der alte Kirchensteig, ein hölzerner Weg durch die matschigen Krückauniederungen. Er machte es jahrhundertelang den Bewohnern von Vormstegen – daher der Name – und anderer Stadtteile möglich, zur Kirche zu kommen.

An die aktuellere Geschichte erinnerte der Kunstverein: Er hatte ein Wimmelbild vom Torhaus neu aufgelegt, das 1979, im Zuge der Rettungsaktion, mehrere Elmshorner Künstler gestaltet hatten. Die Auflage des übergroßen Posters in Höhe von 100 Stück ging gut weg, erklärte die Vorsitzende Christel Storm. Junge Eltern hatten sie beim Betrachten des schwarz-weißen Bildes auf eine ganz neue Nutzung gebracht: „Das kann man toll ausmalen.“

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