Tradition : 10.000 Besucher beim Pfingstochsenfest in Elmshorn

Florian Busch ist Bühnentechniker bei der Dittchenbühne, am Wochenende kümmert er sich um den Pfingstochsen.

Florian Busch ist Bühnentechniker bei der Dittchenbühne, am Wochenende kümmert er sich um den Pfingstochsen.

Außer dem gegrillten Tier lockten Flohmarkt und Bühnenprogramm zum traditionellen Fest.

shz.de von
22. Mai 2018, 12:00 Uhr

Elmshorn | „Lecker und zart“, lobt Rosi Henning das Tier. „Jetzt ist der noch zart“, findet auch ihr Mann Johannes und verrät, dass seine Familie immer früh an der Ausgabe steht, weil die ersten Stücke die besten seien. Hennings sind aus Hamburg nach Elmshorn gekommen, um ein klassisches Frühjahrsvergnügen zu genießen: den Pfingstochsen vom Spieß.

„Immer gut“ schmecke der bei der Dittchenbühne, urteilt Stammgast Rosi Henning. Dieser Pfingstausflug ist „Familientradition, seitdem ich denken kann“, erklärt ihre Tochter Sandra. Für Johannes Henning reicht die Tradition schon mehr als 50 Jahre zurück. Er fuhr damals nach Vossloch und später nach Bokelmühle, aber dann fand sich lange kein Veranstalter in der Region. Vor rund 15 Jahren belebte die Elmshorner Dittchenbühne die alte Sitte wieder, und seitdem kommen Hennings aus Hamburg zum Pfingstausflug nach Elmshorn. Ebenfalls Tradition: Nach dem Essen geht es nach Barmstedt, eine Runde Tretboot fahren auf dem Rantzauer See.

Mehr als 10000 Besucher bevölkern am Sonntag die Dittchenbühne und Umgebung. Größte Attraktion ist natürlich der Pfingstochse, der für zehn Euro pro Portion verkauft wird. Aber bei dem großen Fest wird noch viel mehr geboten: Alle Straßen rund um die Dittchenbühne in Elmshorns Nordosten haben sich in eine riesige Flohmarktmeile verwandelt. Parkbuchten, Carports, Auffahrten und Bürgersteige stehen voller Tapeziertische und Kleiderständer.

Die Straßen rund um die Dittchenbühne hatten sich in eine große Flohmarktmeile verwandelt, in Parkbuchten, Carports und Auffahrten stehen Tapeziertische und Kleiderständer.
Jann Roolfs

Die Straßen rund um die Dittchenbühne hatten sich in eine große Flohmarktmeile verwandelt, in Parkbuchten, Carports und Auffahrten stehen Tapeziertische und Kleiderständer.

 

Dazu kommt noch jede Menge Programm: Auf der Bühne spielt die Feuerwehrkapelle Seestermühe, später tritt dort die Jugendgruppe der Dittchenbühne mit einem Tanz auf. Der Shantychor Elvershörn singt, anschließend musizieren Justine Ma’Mun und Fabian Raifarth. Und wenn auf der Bühne gerade Stille herrscht, springt Erwin Krüger aus Tornesch mit seinem Leierkasten ein. Die Tombola des Kindergartens der Dittchenbühne lockt mit einem Rundflug über Elmshorn als Hauptgewinn.

Zu essen gibt es an vielen Ecken: Der Kindergarten der Dittchenbühne bietet Waffeln an, es gibt Kaffee und Kuchen, Bratwurst und Bier, im Flohmarkt steht ein Eiswagen, bei traumhaftem Wetter ein umlagerter Stand.

 

Wie es sich bei einem traditionellen Fest gehört, werden allenthalben Wiedersehen gefeiert: Familien und Freunde treffen sich, ehemalige Kindergartenkinder sehen ihre Erzieherinnen wieder.

Sascha Wodtke, 16, aus Elmshorn kümmert sich in diesem Jahr zum ersten Mal um einen Pfingstochsen. Eigentlich ist er als ehrenamtlicher Theatertechniker bei der Dittchenbühne engagiert, aber in der vergangenen Nacht hat er mit seinem Kollegen Florian Busch eine Sonderaufgabe erfüllt. Um 17 Uhr kam der Ochse an, wurde von den beiden mit viel Geduld und Draht auf dem riesigen Spieß befestigt und dann in den Gasgrill verfrachtet. Ab 19 Uhr bewachten die beiden jungen Männer das Tier: „alle halbe Stunde ’rausgehen und gucken, ob das Gas an ist“, erzählt Wodtke. „Wir mussten ’runterdrehen“, berichtet Busch, damit der große Braten „schön langsam bei 80 bis 90 Grad“ Kerntemperatur gart.

280 Kilo hängen vor dem Anschnitt am Spieß, 20 Prozent Knochen abgezogen bleiben davon gut 220 Kilo Fleisch für die Besucher, rechnet Schlachter Harald Klafack vor. Um Punkt elf zeigt er dem CDU-Bundestagsabgeordneten Michael von Abercron, wo er den Ochsen anschneiden soll. „Lecker, lecker“ lautet das Qualitätsurteil des Fachmanns. Eine Gewürzlake sorgt fürs Aroma. Was vom Braten runtertropft, wird aufgefangen und abgeschöpft für die Soße. Auch Dittchenbühnen-Chef Raimar Neufeldt ist begeistert: „So gut ist der nie gewesen!“

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