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Barmstedt Unterstützung für den Stadtführer

Von Elisabeth Meyer | 06.12.2012, 01:14 Uhr

Bisher hat Claudia Kollschen vor allem literaturwissenschaftliche Texte veröffentlicht.

Und Kurzgeschichten, für die sie jüngst mehrere Preise gewonnen hat. Anfang des Jahres hat sich die 37-jährige Barmstedterin auf ein neues Projekt eingelassen: ein Buch über die Geschichte ihrer Heimatstadt zu schreiben. "Mein erstes Sachbuch", sagt sie, eher bescheiden als stolz.

Das 80 Seiten starke Werk mit dem Titel "Barmstedt - Ausflugsziel und Erholungsort" hat Kollschen zusammen mit Stadthistoriker Peter Steenbuck verfasst: Er hat es layoutet und die Bilder beigesteuert. "Wir haben uns gut ergänzt", sagt Kollschen. "Was ihm nicht so gut liegt, kann ich." Schreiben, erklärt Steenbuck, der seine Vorträge immer frei hält, könne er tatsächlich nicht besonders gut. "Vor acht Jahren habe ich mein Buch ,Zeitsprünge herausgegeben. Da habe ich mich mit jedem Satz so gequält, dass ich mir gesagt habe: Nie wieder!" Daher habe er auf die Fragen vieler Barmstedter, ob er nicht wieder ein Buch schreiben wolle, dankend abgewunken - und war dankbar, als er in Kollschen eine engagierte Mitstreiterin fand.

Beide kennen sich von früher und sind sogar über ein paar Ecken miteinander verwandt. Vor 14 Jahren hatte Kollschen - die ihr Abitur in Elmshorn gemacht hat und mit einem Elmshorner verheiratet ist - ihrer Heimatstadt allerdings den Rücken gekehrt, um in Hannover Deutsche Literaturwissenschaften und Soziologie zu studieren. 2010 kehrte die Autorin, bei der sich auch in ihrer Freizeit "alles ums Schreiben und Erzählen dreht", zurück. Und "weil mich Barmstedts Geschichte einfach interessiert", begann sie im vergangenen Jahr, Steenbuck bei seinen Stadtführungen zu begleiten.

Aus den gemeinsamen Rundgängen entstand nicht nur das neue Buch: Kollschen nimmt Steenbuck mittlerweile auch Führungen ab, wenn er keine Zeit hat oder eine Gruppe zu groß ist. "Wenn Sie 50 Leute haben, können Sie das allein nicht bewältigen", sagt der 77-Jährige. Zu zweit könnten sie die Gruppe "auch mal teilen".

Auswendig gelernt hat Kollschen ihr Wissen über Barmstedt nicht. "Ich bin so oft bei Peter mitgelaufen, dass es hängengeblieben ist." Um das Buch zu schreiben, das Barmstedts touristische Entwicklung ab 1890 abbildet, hat sie seit Februar Steenbucks Archiv durchstöbert, das mehrere tausend Bilder, Broschüren, Zeitungsberichte und weitere historische Dokumente umfasst. "Dabei habe ich viele hoffentlich noch unbekannte Anekdoten aufgegriffen, und auch einige Zitate eingestreut", sagt Kollschen. Schließlich solle das Buch "lebendig und kein trockener Schinken" sein.

Steenbuck freut sich über die Unterstützung. Er leitet pro Jahr 15 bis 20 Führungen und hält außerdem diverse Vorträge. "Ich werde oft gefragt, wer das mal übernimmt, wenn ich aufhöre." In welchem Umfang Kollschen das machen wird, wird sich zeigen. Aber noch, betont Steenbuck, sei es eh nicht so weit. "Ans Aufhören denke ich nicht."