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Elmshorn „Treffpunkt Auszeit am See“ macht dicht

Von Joachim Krosta | 23.07.2014, 10:00 Uhr

Zu viel Wunschdenken, zu wenig Betriebsamkeit – Lokal im Steindammpark schließt Ende August. Jetzt läuft die Suche nach einem neuem Pächter.

Die Gastro-Szene der Stadt ist bald um eine Location ärmer. Der „Treffpunkt Auszeit am See“ im Elmshorner Steindammpark wird Ende August den Betrieb einstellen. „Das ist traurig“, sagt Geschäftsführer Detlef Witthinrich. Doch ändern könne er an dem Entschluss nichts mehr.

Das im Jahr 2010 als integratives Unternehmen (behinderte und nicht-behinderte Menschen arbeiten gemeinsam) aufgestellte Lokal habe in den bisherigen vier Jahren inhaltlich zwar funktioniert, wirtschaftlich gerechnet habe sich der Betrieb keineswegs, erklärt Witthinrich. Der als Tochtergesellschaft des Vereins „Brücke Elmshorn“ gegründete Betrieb werde sich aus der Gastronomie zurückziehen.

Der Verein „Brücke Elmshorn“ – als Eigentümer der Immobilie – zieht als Träger deshalb die Reißleine, um nicht noch größeren finanziellen Schaden zu nehmen. Leidtragende sind wieder einmal Menschen mit gesundheitlichem Handicap. Drei der sieben bisher Beschäftigten im Café am See suchen nun erneut einen Job – für sie war die Arbeit im Steindammpark eine Brücke ins normale Leben.

Was war passiert? Der „Treffpunkt Auszeit am See“ war als Projekt ausgelegt, behinderte und nicht-behinderte Arbeitnehmer in der Gastronomie zu integrieren. Die betriebswirtschaftlichen Annahmen aus den Zeiten der Geschäftsplanung und Eröffnung im Jahre 2010 haben sich allerdings nicht erfüllt. Die Erträge konnten die Kosten nicht finanzieren. Während bei schönem Wetter kaum ein Plätzchen im Haus oder auf der Terrasse davor frei war, blieb der Ansturm bei schlechtem Wetter aus. In den wenigen Sommermonaten für den Winter vorarbeiten – das war nicht umsetzbar gewesen. Aufgrund tief-roter Zahlen zieht die Betreibergesellschaft nun einen Schlussstrich.

Man müsse das Projekt nach dem Scheitern nicht in der Luft zerreißen, so Witthinrich. Zwar hätten Kritiker stets am Konzept gezweifelt, doch die Wahrheit sei eine andere. „Wie müssen uns keineswegs verstecken“, sagt Witthinrich im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Leistung der Mitarbeiter habe gezeigt, dass das integrative System inhaltlich funktioniere. Auch der Tariflohn war leistungsgerecht. Problematisch jedoch seien die Flexibilität bei Arbeitszeiten gewesen und die mangelnde Zahl an Gästen – hier habe man sich verschätzt.

Auch wenn das Projekt neben Geld auch Schweiß und Tränen gekostet hat und noch kosten werde, so habe sich gezeigt, dass der Betrieb eines Lokals mit Gastronomie und Veranstaltungen möglich sei. Und: „Mit uns hat sich der Steindammpark positiv verändert“, sagt Witthinrich.

Was kommt nach dem Aus? „Wir hatten fest vor, die Gastronomie ab dem Sommer neu zu verpachten“, sagt Witthinrich. Bereits seit Frühjahr habe man nach einem Nachfolger Ausschau gehalten. Allerdings mussten die Aktivitäten eingestellt werden. Grund sind Erbangelegenheiten. Die Stadt Elmshorn hatte den Park überlassen bekommen. Allerdings mit der Auflage, dort keine kommerziellen Einrichtungen zu errichten. Die „Auszeit am See“ war als Mieter des kleinen Seegrundstückes eine Ausnahme. Doch für einen neuen Pächter fehlt die vertragliche Grundlage. Erst mit Jahreswechsel 2014/1015 besteht diese Möglichkeit.

„Wir werden die Verhandlungen jetzt wieder neu aufnehmen“, so Witthinrich. Gebäude und Lage seien von Interesse. Das haben die ersten Bewerber gezeigt. Allerdings gibt es eine Aufgabe zu lösen.

Was wird aus dem Personal? Alle Kollegen hätten sich in den Jahren am See sehr wohl gefühlt. „Sie waren glücklich mit ihrer Arbeit und vor allem die Kollegen mit Handicap haben Mut gefunden, sich Seite an Seite mit Nicht-Behinderten im Lokal zu beweisen“, so Witthinrich. Aber, so leid es ihm auch tut: „Die Mitarbeiter können nicht weiter beschäftigt werden“, so Witthinrich. Es sei traurig, nach vier Jahren jetzt so handeln zu müssen, aber es gehe nicht anders. Drei der sieben Beschäftigten des Lokals suchen noch einen Job. Für den Rest seien Lösungen gefunden.

Time to say goodbye – trotz aller positiven Auswirkungen auf den Park muss sich die Brücke Elmshorn von Kritikern den Vorwurf gefallen lassen, dass das Projekt „eher eine integrative Super-Vision der Brücke war“, erzählen Wirte aus Elmshorn. Die Finanzierbarkeit einer 750 000 Euro teuren Immobilie durch Frühstück, Mittag und Kuchen ohne Abendgeschäft wäre von vornherein infrage zu stellen gewesen.

Was auch immer ab 2015 kommen wird: „Wir werden unsere Aufgabe bis zum Ende wahrnehmen und für unsere Gäste bis Ende August zuverlässig da sein“, sagt Witthinrich. Spätestens im Hebst möchte er einen Nachfolger präsentieren.

Sommerprogramm im Treffpunkt Auszeit am See: Sonnabend, 9. August, 20 Uhr: Irish Folk mit dem „Whistle-Folk-Duo“. Sonnabend, 23. August, 20 Uhr: Acoustic Rock, Pop und Blues mit dem Duo „Rock on Wood“. Donnerstag, 28. August, 18 Uhr: Kabarett mit „Oma F.R.I.E.D.A.“ alias Jutta Lindner. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.