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Ein Artikel der Redaktion

Mangelware in Corona-Krise „So viel Gebäck kann niemand essen”: Weltgrößter Produzent über den Hype um Hefe

Von cop | 09.04.2020, 14:45 Uhr

Die riesige Nachfrage habe auch den Hefe-Weltmarktführer Lesaffre überrascht. Die Kapazitäten seien beschränkt – das liege aber nicht an der Rohstoffverfügbarkeit.

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Osterzeit ist Hefezopfzeit. Überall stehen Hausfrauen und -männer dann in den Küchen und produzieren das fluffig-süße Gebäck für den Ostertisch.

Doch seit der Corona-Krise ist Hefe Mangelware – so wie Klopapier, Handseife und Desinfektionsmittel. Das bekommt auch die Asmussen GmbH in Elmshorn zu spüren, die als Tochterunternehmen des Weltmarktführers – der Lesaffre Gruppe – Hefe produziert.

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„Wir bekommen häufig Anfragen von Privatleuten“, berichtet Arne Wöhlk, Betriebsleiter der Firma Asmussen. Doch Asmussen produziert in Elmshorn überhaupt nicht Hefe in den handelsüblichen 42-Gramm-Würfeln. Hier wird Hefe in Größen von 500-Gramm-Blöcken für Bäckereien bis hin zu 25-Tonnen-Chargen für die Industrie produziert. „Mit solchen Mengen könnten Privathaushalte nichts anfangen“, sagt Wöhlk.

Bäckereien geben Hefe ab

Asmussen habe gut zu tun – aber nicht mehr und nicht weniger als vor Beginn der Corona-Pandemie. Dabei gebe es schon einige Veränderungen in der Nachfrage: „Betriebe, die sich zum Beispiel auf diese Burger-Brötchen für Restaurants spezialisiert haben, haben jetzt einen geringeren Bedarf“, sagt Wöhlk.

Gleichzeitig steige mit der Osterzeit bei Bäckereien die Menge an benötigter Hefe.

„Viele Bäckereien gehen inzwischen dazu über, von ihren Hefeblöcken etwas abzuschneiden und nach Gewicht an die Endkunden zu verkaufen.“
Arne Wöhlk

Für Asmussen halte sich die Nachfrage deshalb die Waage.

Produktion hochgefahren

Am Sitz der Lesaffre Gruppe in Kehl in Baden-Württemberg merken sie die Nachfrage an Hefe dagegen durchaus. Hier produziert das Tochterunternehmen Fala die 42-Gramm-Würfel – obwohl auch hier die Produktion für das backende Gewerbe den größeren Anteil ausmacht. Seit die Nachfrage nach Hefe bei Privatkunden so extrem nach oben gegangen ist, hat das Unternehmen die Produktion an den kleinen Hefewürfeln deutlich hochgefahren, berichtet Einkaufsleiter Jochen Wörner.

Doch die Kapazitäten seien beschränkt. „Nicht durch die Produktion der Hefe, sondern durch die Verpackungslogistik“, sagt Wörner. Weder die Rohstoffverfügbarkeit noch die Fermentationsleistung stellen ein Problem dar, macht auch der Deutsche Verband der Hefeindustrie klar.

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Bei den kleinen Würfeln ist das Verhältnis von Oberfläche und Volumen jedoch denkbar schlecht, es werden, gemessen an der Größe des Produkts, überdurchschnittlich viele Verarbeitungsschritte benötigt, die die Maschinen durchführen müssen. Die Nachfrage, die derzeit doppelt bis dreifach so hoch ist wie üblich, könne da unmöglich im ausreichenden Maß bedient werden.

Problem sind die Hamsterkäufe

Das eigentliche Problem sind also – wieder einmal – die Hamsterkäufe. „Brot ist nach wie vor das Grundnahrungsmittel Nummer eins“, sagt Markus Weck, Geschäftsführer des Deutschen Verbandes der Hefeindustrie. „Verbraucher nehmen die aktuelle Situation zum Anlass, um wieder vermehrt selbst zu kochen und zu backen.“

Den Verband hätten bereits Nachrichten erreicht, dass Kunden ganze Kartons Würfelhefe kaufen, sobald diese in die Regale eingeräumt werden.

„Wenn so wenig umsichtig konsumiert wird, ist es klar, dass Hefe als Mangelware erscheint.“
Markus Weck

Die Kunden könnten aber sicher sein, dass die Hefeindustrie weiterhin die Supermärkte regelmäßig mit Hefe versorge: Hamstern sei nicht notwendig.

Überrascht von der Nachfrage

Jochen Wörner wurde von der großen Nachfrage überrascht. Es sei ganz normal, dass die Leuten in Krisenzeiten mehr Hefe kauften, insbesondere, wenn sie öfter zuhause seien und mehr Zeit zum Backen hätten. Dazu komme noch die Osterzeit, in der die Nachfrage sowieso immer höher sei.

„Aber mit diesen Größenordnungen haben wir nicht gerechnet. Ich befürchte, dass vieles am Ende in der Tonne landet. So viel Gebäck kann niemand essen“, sagt der Lesaffre-Einkaufsleiter.