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Die Kirche sorgt für Irritation Persische Predigt in St. Nikolai

Von Daniela Lottmann | 15.03.2016, 16:00 Uhr

Gelungene Premiere: Die Persische Predigt in St. Nikolai regt zum Wechsel der Perspektive an.

Vor etwa neun Jahren war Sadeghi aus dem Iran nach Deutschland gekommen. Nicht unbedingt freiwillig. Flüchtling will ihn seine Predigtpartnerin Dušková heute aber nicht mehr nennen, eher jemand mit Fluchterfahrung. Heute lässt sich Sadeghi zum Prädikant ausbilden und engagiert sich in der Flüchtlingsarbeit. Auch Dušková hat in ihrer Arbeit vor allem mit ihnen zu tun. Als Flüchtlingspastorin organisiert und unterstützt sie die Arbeit mit Geflüchteten in mehreren Kirchengemeinden.

Die Idee zu einem solchen Gottesdienst entstand bei der gemeinsamen Arbeit an einem Materialheft zum Thema Flucht. Sadeghi hatte dafür eine Predigt verfasst, die er nun in Elmshorn in seiner Muttersprache Persisch halten konnte – mit großem Effekt. Denn durch die fremde Sprache spürte die Kirchengemeinde nun am eigenen Leib, wie es ist, eine Sprache nicht zu verstehen. Nur einzelne Wörter ließen sich wiedererkennen. „Evangelium“ und „Amen“ ließen sich erahnen. Erst wenn Sadeghi stoppte und Dušková die deutsche Übersetzung vorlas, ergaben die Laute für die deutschsprachigen Gemeindemitglieder einen Sinn.

In der Predigt erzählte der Prädikant in Ausbildung von einem jungen iranischen Paar, das aufgrund ihres christlichen Glaubens in ihrem Heimatland in Gefahr geriet und nach Deutschland floh. Eine wahre Geschichte, wie Dušková nach der Predigt verriet. Das beschriebene Paar war sogar in Elmshorn anwesend und lies im selben Gottesdienst ihren, in Deutschland geborenen, Sohn taufen.

Irritation und Perspektivenwechsel sind wirkungsvolle Mittel, mit denen Dušková und Sadeghi bei dem Gottesdienst in der Nikolaikirche deutschen, sowie auch persischen Gottesdienstbesuchern gerecht wurden. „Das Gefühl der Geborgenheit in der Welt brauchen Menschen, die fliehen, genauso wie Menschen, die nie ihre Heimat verlassen mussten“, übersetzte Dušková die Worte aus der Predigt von Ali Reza Sadeghi.