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Barmstedt Neue Besitzer im Schlickum-Werk

Von Sören Christian Reimer | 21.08.2010, 08:12 Uhr

Es ist ein Blickfang auf dem Weg von Heede in die Barmstedter Innenstadt - das ehemalige Schlickum-We rke am Rande der Krückau.

Das Gebäude hat eine lange Geschichte und stand seit 2001 leer, bis Fritz Lay und seine Frau Angela Lantow-Petersen sich entschlossen, Grundstück und Bauwerk zu erwerben. "Wir haben uns direkt in das Objekt verliebt und es genommen", berichtet Lantow-Petersen und ergänzt schmunzelnd: "Hätten wir gewusst, wie viel Arbeit wir zu investieren haben, weiß ich nicht, ob wir uns nochmal so entscheiden würden."

Als Lay und Lantow-Petersen Anfang 2009 mit den Sanierungsarbeiten beginnen, ist von dem Glanz der alten Industrieanlage nicht mehr viel zu spüren. "Die Hallen waren verlassen, heruntergekommen und Bauschutt lag herum. Jugendliche nutzten sie zum Ärger der Nachbarn wohl auch als Party-Ort", erzählt die 46-Jährige. Nach knapp eineinhalb Jahren hat sich vieles verändert: Im rechten Flügel wurden neue Zwischendecken eingezogen, die Träger gestrichen, Zimmer um Zimmer aufgebaut und eingerichtet. Auch eine Dachterrasse ist im Entstehen begriffen. Das Erdgeschoss dient dem Paar vor allem als Showroom für antike und reproduzierte Badobjekte - darunter etwa die Dusche Edwards VII. Eine Besichtigung dieser nicht-öffentlichen Ausstellung ist für Kunden nach vorheriger Terminabsprache möglich. Im Obergeschoss haben sich die Eheleute häuslich eingerichtet, nur einige Träger und Überbleibsel der Wachswannen lassen erkennen, dass hier mal produzierendes Gewerbe angesiedelt war. Abgesehen von der alten Fabrikhalle und Bad-Einrichtungen restauriert Lay zudem alte Tischkicker und Oldtimer. Außerdem gehört ihm in Hamburg ein Sterne-Restaurant und ein Hotel. Die Umbauarbeiten bedeuten für den Hotelier und die studierte Betriebswirtin viel zusätzlichen Aufwand, den ihnen auch Handwerker nicht einfach abnehmen können, weiß der Geschäftsinhaber zu berichten: "Wir wollen die Räumlichkeiten individuell gestalten, da muss man dabei sein." Doch der Stress lohnt sich: "Es ist ein tolles Gefühl zu wissen, dass wir große Teile selbst gemacht haben", so Lantow-Petersen.

Auch mit Barmstedt zeigen sich die beiden sehr zufrieden. Nach Jahrzehnten in Großstädten genießt der 57-Jährige die Ruhe auf dem Land und die Möglichkeit, schnell mit dem Rad in die Natur zu entfliehen. Seine Gattin schätzt die persönliche Atmosphäre in der Schuhmacherstadt. Etwas verwundert zeigen sich die beiden allerdings über allzu neugierige Barmstedter: "So manch ein Spaziergänger kommt aufs Grundstück und drückt sich an unserem Fenster die Nase platt, obwohl wir doch extra Schilder aufgestellt haben. Das ist schon sehr gewöhnungsbedürftig", erzählt die 46-Jährige.

Ausruhen wollen sich die Bauherren noch nicht, ein ganzer Flügel wartet noch darauf, ausgebaut und eingerichtet zu werden, vor Ende 2011 sei nicht mit der Fertigstellung zu rechnen. Nach Abschluss der Arbeiten sollen etwa 2 200 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung stehen. Viel Platz, mit dem die beiden noch nicht genau wissen, was geschehen soll: "Wir haben einige Ideen, doch noch ist gar nichts entschieden. Vielleicht etwas Gastronomisches", so Lay.