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Pinneberg Kliniken setzen auf die Babyklappe

Von Bernd Amsberg | 03.08.2011, 08:41 Uhr

Die Einrichtung in Pinneberg ist seit 2007 in Betrieb / Anlass war das Elmshorner Findelkind Paul / Bislang noch kein Baby abgegeben

Sie ist wieder in Vergessenheit geraten, doch es gibt sie noch, die Babyklappe am Klinikum Pinneberg. Und sie wird weiterhin betrieben, Tag und Nacht.

"Immer wieder kommt es vor, dass Frauen durch eine Schwangerschaft und deren Folgen in eine Notsituation kommen. Manche sind gezwungen, ihre Schwangerschaft und somit auch die Geburt ihres Kindes zu verbergen", heißt es auf den Internetseiten des Klinikums Pinneberg. Diesen Frauen will das Klinikum mit der Babyklappe helfen: "Wenn Sie Ihr Kind nicht normal in einem Krankenhaus zur Welt gebracht haben und auch keine anonyme Entbindung gewählt haben, sondern Ihr Kind alleine ohne Unterstützung geboren haben und keine Möglichkeit sehen, Ihr Kind aufziehen zu können, bieten wir Ihnen die Möglichkeit, Ihr Baby jederzeit anonym und straffrei in sichere und liebevolle Hände abzugeben."

Seit Mai 2007 hat der Kreis Pinneberg eine Babyklappe. Den Anstoß dafür gegeben hatte Paul, ein kleiner Junge, der in Elmshorn ausgesetzt worden war. Das Baby war am Abend des 11. November 2003 auf den Stufen eines Einfamilienhauses am Raaer Moor in Elmshorn gefunden worden. Seine Eltern hatten das Kind dort abgelegt, an der Tür geläutet und waren dann weggelaufen. Krankenschwestern tauften den Kleinen, der gesund und munter war, später auf den Namen Paul. Nach neuntägiger Fahndung stellte sich auch die Mutter von Paul. Das Kind wurde bei Pflegeeltern untergebracht.

Als Folge der Ereignisse um Paul forderte der Kreistag die Einrichtung einer Babyklappe im Kreis Pinneberg. Eigentlich sollte die Klappe bereits Ende 2003 eingerichtet werden. Doch es gab Differenzen mit dem Jugendamt. Den Kindern werde das Grundrecht auf Kenntnis ihrer Wurzeln genommen, hatte die Leiterin des Fachdienstes Soziale Dienste der Kreisverwaltung, Cornelia Lohmann-Niemann, den Babyklappen-Befürwortern entgegengehalten. "Das Recht auf Leben hat für uns einen höheren Stellenwert als das Recht zu wissen, von wem man abstammt", hatte Christina Quellmann, die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Kreistagsfraktion entgegnet.

Dennoch dauerte es noch bis 2007, bis die Klappe eingeweiht wurde. "Jedes Kind, das dadurch gerettet werden kann, rechtfertigt die Existenz einer Babyklappe", hatte Tom Martin, Gynäkologe und Oberarzt am Klinikum Pinneberg, damals gesagt. Die rund 12 000 Euro Investitionskosten übernahm der Kreis, die Betriebskosten übernehmen seitdem die Regio-Kliniken.

Die Babyklappe ist vom Fahlt aus ausgeschildert. Nach dem Öffnen der Klappe hat die Mutter 90 Sekunden Zeit, das Kind hineinzulegen und wieder zu verschwinden. Dann wird Alarm ausgelöst.

Bislang kam das jedoch noch nicht vor: "Es wurde noch kein Kind in die Babyklappe gelegt", sagt Sebastian Kimstädt, Sprecher der Regio-Kliniken. Dennoch haben verzweifelte Eltern auch weiterhin die Möglichkeit, notfalls ihr Kind am Klinikum Pinneberg abzugeben. "Wir werden die Babyklappe weiter betreiben", sagt Kimstädt.