Ein Artikel der Redaktion

Westerhorn Ein Stück Geschichte in Gefahr

Von caw | 27.07.2013, 05:59 Uhr

Bahnhof Dauenhof: Rücken bald die Abrissbagger an? / Vergebliche Suche nach neuem Eigentümer

Dem Bahnhof Dauenhof droht der Abriss. Noch in diesem Jahr könnte das markante Gebäude in Westerhorn aus dem Dorfbild verschwinden. Der Trakt steht seit Jahren leer. Seit langem ist die Deutsche Bahn als Besitzer vergeblich auf der Suche nach einem neuen Eigentümer. Nun droht der Verfall, daher sollen die Abrissbagger anrücken. Das Amt Hörnerkirchen sieht keinen Grund zum Einlenken. "Wir haben derzeit keine Pläne, das Gebäude zu erwerben oder zu sanieren", sagt der Leitende Verwaltungsbeamte Michael Lantau.

Die Gemeinde Westerhorn wird das Thema während ihrer nächsten Sitzung auf die Tagesordnung der Gemeindevertretung setzen, um mögliche Schritte zur Rettung des Gebäudes zu besprechen. Derzeit sieht es aber eher so aus, als wenn der Abriss wie geplant über die Bühne gehen wird.

Nicht jeder sieht dem Verschwinden des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes so gelassen entgegen. Als ehemaliger Anwohner des Bahnhofes weist Guido Schümann auf die Bedeutung "dieses geschichtsträchtigen Objektes" hin. Der Bahnhof Dauenhof sei "ein beredtes Zeugnis des Eisenbahnbaus und der Erschließung der ländlichen Wirtschaftsräume in Schleswig-Holstein". Der älteste Gebäudeteil sei bereits 1847 errichtet worden, als Holstein zwar Mitglied im Deutschen Bund war, aber noch dänisch regiert wurde. Der großzügige Erweiterungsbau sei 1901 zu Zeiten von Kaiser Wilhelm II. erfolgt.

Westerhorn ist zurzeit die letzte Haltestelle im Bereich des Hamburger Verkehrsverbundes. Ein Blick auf den Bahnhofs-Parkplatz reicht aus, um zu erkennen, welche Bedeutung Dauenhof für die Bevölkerung des Amtes Hörnerkirchen hat. Die Haltestelle wird von den Abriss planungen allerdings auch unberührt bleiben. Lediglich dem historischen Gebäudetrakt droht das Aus. Wie übrigens schon einmal. "1994, zum 150-jährigen Bestehen der Eisenbahnstrecke Altona-Kiel, gab es ähnliche Pläne", erinnert sich Schümann, der heute in Itzehoe lebt. Letztlich habe die Bahn damals aber eingelenkt, nachdem sich eine Bürgerinitiative zum Erhalt des Gebäudes geründet hatte. "Seinerzeit befand sich der Bahnhof meines Wissens nach in einem soliden baulichen Zustand", merkt Schümann an.

Abgerissen werden soll nur der eigentliche Bahnhof. Der Gebäudeteil, der die Bahntechnik beherbergt, bleibe stehen, betont Verwaltungschef Lantau. Erst seit Juni wisse das Amt Hörnerkirchen überhaupt von den Abrissplänen der Bahn. Ende des Monats habe ein Vor-Ort-Gespräch mit Vertretern der Bahn stattgefunden. Mit dem Bahnhof würde auch das Bahnwärterhäuschen am Bahnübergang in der Westerhorner Ortsmitte verschwinden. Kleine Kuriosität am Rande: Autofahrer, die oft sehr lange vor den geschlossenen Bahnschranken warten müssen, denken zumeist, der benachbarte Bahnwärter sei für das Auf und Ab der Schranken verantwortlich. Das stimmt aber nicht. Der Westerhorner Bahnwärter kümmert sich nur noch um einen Bahnübergang in der Nachbarschaft.