Ein Artikel der Redaktion

Hochwasser Barmstedt kämpft gegen die Fluten

Von Elisabeth Meyer | 23.12.2014, 10:00 Uhr

Bauhofmitarbeiter sperren Wege ab und säubern Zuläufe. Auch das Seniorenheim bereitet sich auf steigende Pegel vor

Die Wiesen in der Umgebung gleichen Seenplatten, die Wanderwege entlang der Krückau riesigen Flüssen: Nach tagelangen Regenfällen herrscht in Barmstedt Land unter. Der Bauhof war am Dienstag den ganzen Tag über damit beschäftigt, Wege abzusperren und die Gullys freizuhalten oder zu säubern, wie Fachamtsmitarbeiter Peter Knaak auf Anfrage unserer Zeitung berichtete. „Da werden Massen von Sand, Schlamm und Müll angespült. Das verstopft natürlich alles.“ Alle zwölf verfügbaren Bauhofmitarbeiter seien im Einsatz, „und trotzdem kommen wir gegen die Wassermassen kaum an“.

Das Hauptproblem sei, dass es immer weiterregne, sagte Knaak. „Und wenn man was abpumpt, stellt sich die Frage: Wo soll man mit dem Wasser hin? Es ist ja überall nass.“ Aus dem Oberlauf der Krückau fließe ständig Wasser nach, es könne aber nicht schnell genug weiterfließen, so dass es sich in Barmstedt staue. „Wir sind hier sozusagen das Rückhaltebecken.“ Mit der Folge, dass die Wege und Felder entlang der Krückau komplett überflutet seien. „Auch die Kleingärten und die Umlandgemeinden sind komplett abgesoffen“, sagte Knaak.

Sorgen bereitete das steigende Wasser der Stadt auch in Bezug auf das kommunale Seniorenheim, das an der Marktstraße neben der Feuerwehr liegt. „Es steht zu befürchten, dass es dort hereinläuft, wenn es so weitergeht“, sagte Knaak. Geschäftsführer Christoph Merker erklärte, noch seien alle Parkplätze und befestigten Wege rund um das Haus trocken. „Aber das Wasser hat die Grünflächen an der Krückau, die an unser Heim grenzen, schon erheblich überschritten, und auch die tief liegenden Flächen im Sinnesgarten sind überschwemmt. Wir haben deshalb mit der Stadt und der Feuerwehr darüber beraten, was zu tun ist, wenn es noch weiter steigt.“ Eine Möglichkeit sei, die Türen mit Sandsäcken zu sichern. „Das Haus liegt zum Glück etwas höher, und einen Keller haben wir ja  nicht“, so Merker. Zudem seien die Mitarbeiter rund um die Uhr im Haus „und gucken immer, wie die Lage ist, so dass wir sofort handeln könnten“. Er sei aber optimistisch, „dass das Wasser vernünftig abläuft und es nicht zum Schlimmsten kommt“.

Barmstedts Feuerwehr hat am Dienstag keine Hochwassereinsätze verzeichnet. „An der Großendorfer Straße steht das Wasser zwar bis zu den Häusern, aber vollgelaufen ist noch nichts“, sagte Wehrführer Uwe Schinkel. Die örtliche Polizei vermeldete ebenfalls: alles ruhig. „Einsätze wegen des Dauerregens hatten wir nicht“, sagte Stationsleiter Peter Kroll.

Ein Anwohner des Amalie-Schoppe-Wegs wundert sich darüber, dass das Wehr nicht früher geöffnet wurde. „Denn dass wir viel Regen bekommen, war ja schon Tage zuvor bekannt.“ Zudem scheine der neue Entwässerungskanal des Abwasserzweckverbands nicht viel zu bringen. „Wurde der nicht gebaut, damit die Wiesen besser ablaufen? So wie es aussieht, funktioniert das wohl nicht. Am kleinen Wehr am Freibad kräuselt sich das Wasser, und ein vernünftiger Ablauf ist nicht zu erkennen.“ Zum Glück sei die Krückau noch nicht an seinem Haus, „aber vielleicht besorge ich mir schon einmal Sandsäcke“. An der Messstelle von Siegfried Seidler, der an der Großendorfer Straße wohnt, hatte das Wasser in der Krückau um 14 Uhr fast den Höchststand vom 8. Dezember 2007 überschritten. „Es war innerhalb von drei Stunden um circa 15 Zentimeter gestiegen. Und morgen wird es vermutlich den Höchststand überschreiten“, sagte er am Dienstag.