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Klimadeich in Dagebüll : Eine Schlammwüste wird jetzt zum Klimadeich

vom
Aus der Redaktion des Nordfriesland Tageblatt

In Dagebüll wird derzeit ein Schutzdeich für das Küstenschutz-Projekt errichtet – im Sommer sind Führungen geplant.

shz.de von
erstellt am 09.Mai.2017 | 18:18 Uhr

Sattes Marschgrün ist einer schlammigen Mondlandschaft gewichen. Der touristische Kernbereich Dagebülls rund um die ehemalige Badestelle ist zur Großbaustelle geworden. Die Schaufeln von mächtigen Kränen nagen sich in den Untergrund und schütten an anderer Stelle Material auf. Der Bau des zweiten Klimadeiches bringt Einschränkungen für den Tourismus mit sich, ist aber auch auf dem besten Weg, sich zur Attraktion für Urlauber und Einheimische zu entwickeln. Viele Schaulustige lockte es in den vergangenen sonnigen Tagen an den Bauzaun. „Im Sommer wird es sogar Baustellenführungen geben“, kündigt Lutz Pfitzner vom Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) an. Doch bevor es an den Klimadeich geht, muss derzeit südlich des Fähranlegers ein anderer Deich gebaut werden.

Und zwar der Kajedeich, der derzeit direkt an der Meereskante auf eine Höhe von 3,20 Metern über Normal Null aufgebaut wird. „Das ist ausreichend für sommerliche Sturmfluten. Der Kajedeich soll die Baustelle, die dort arbeitenden Menschen und auch die Maschinen vor dem Meer schützen“, sagt Lutz Pfitzner. Aufgeschüttet wird er aus dem Material des Altdeiches. Der Schutzdeich soll so schnell wie möglich fertig gestellt sein. Da an ihm nur während des Niedrigwassers gebaut werden kann, sind die Bagger derzeit auch nachts aktiv – und laut.

Dass die Bauarbeiten zügig voran schreiten, hoffen die LKN-Verantwortlichen, dass schon bald tideunabhängig gebaut werden kann, die abendlichen und nächtlichen Ruhezeiten für Urlauber und Einheimische also bald wieder eingehalten werden können. Sobald der Kajedeich steht wird das Deckwerk, die Betonplatten und auch der Altdeich komplett abgetragen. Dann beginnt der Aufbau des Klimadeiches – aus 75  000 Kubikmetern Sand, 4000 Kubikmetern Schotter und 45  000 Kubikmetern Kleieboden, der größtenteils aus der Entnahme Lütt Hus drei Kilometer nordöstlich der Baustelle stammt. Stabilisiert wird das Bauwerk mit einer Deichkrone von 7,95 Metern – 35 Zentimeter höher als die des bisherigen Deiches – durch Geogitter.

Wann rollen die ersten Lkw mit Sand in Richtung Dagebüll? „Genau können wir das derzeit nicht sagen. Denn wir müssen zunächst eine Straße in das Baufeld hinein bauen, das war so nicht geplant“, sagt Lutz Pfitzner. Dennoch sei der Bau voll im Plan.

Der neue Deich wird zum Meer hin deutlich flacher abfallen und dadurch zwölf Meter weiter in die Nordsee geschoben werden. Seine breite Deichkrone bietet eine Ausbaureserve, durch die der Deich ohne großen Aufwand weiter erhöht werden kann. Damit wird Dagebülls neuer Deich dem aktuellen Klimaprofil entsprechen und dadurch auch bei dem erwarteten Anstieg des Meeresspiegels das Hinterland sicher schützen. Diese Nachhaltigkeit gibt dem Klimadeich seinen Namen.

Fertig gestellt wird der Deich noch in diesem Jahr. Dann heißt es warten – je nach Höhe 60 bis zu 400 Tage, bis sich der Klimadeich gesetzt hat. Erst dann kann mit der touristischen Aufwertung – dem Bau der neuen Badestelle und der beleuchtenden Deich-Promenade – begonnen werden. Dafür sollen rund drei Millionen Euro investiert werden, der Deichbau selbst kostet rund elf Millionen Euro. In diesem Sommer kann in Dagebüll aber erstmal Küstenschutz live erlebt werden. Gäste aus allen Bundesländern und auch Einheimische können in den kommenden Monaten in Dagebüll aber erstmal Küstenschutz live miterleben.  

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