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Einen Plan B gibt es nicht : Eine Familie aus Schenefeld kämpft gegen den Blutkrebs

vom
Aus der Redaktion des Schenefelder Tageblatts

Familie Rüpcke aus Schenefeld hofft auf einen Spender für die leukämiekranke Tochter Paula.

Schenefeld | Die ganze Familie sitzt gemeinsam am Tisch, isst Kuchen, lacht und macht Scherze. Was nach Alltag klingt und aussieht, ist für Familie Rüpcke in Schenefeld ein besonderes Erlebnis. Denn auf ein Mitglied mussten die Eltern und Geschwister lange verzichten. Paula (16) hat sich am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) mehrerer Chemotherapien unterzogen. Nur wenige Tage durfte sie nun aus dem Krankenhaus, um sich in ihrer gewohnten Umgebung auszuruhen. Die Schülerin hat Blutkrebs. Nur eine Stammzellen-Spende kann ihr Leben retten.

Jetzt sitzt sie am Tisch, nimmt sich ein Stück Erdbeerkuchen und lächelt etwas schüchtern, während sie beginnt zu erzählen. Von der Krankheit, die ihr Leben auf den Kopf gestellt hat. Die langen dunklen Haare hat sie durch die Chemotherapie verloren. „Das war schrecklich“, sagt die 16-Jährige. „Ich habe Rotz und Wasser geheult.“ Auf die Haare müsse sie nun eben vorerst verzichten. „Aber es wird mir Leben geschenkt.“ Für ihr Alter wirkt die Schenefelderin unglaublich gefasst und bereits sehr erwachsen. Sie habe gelernt, die Krankheit anzunehmen. „Meine Freunde und Familie nehmen mir die Angst und geben mir Normalität.“ Die Familie rechnet fest damit, dass rechtzeitig ein Spender gefunden wird.

Paula hatte sich seitdem sie sechs Jahre alt war bei der Schenefelder Feuerwehr engagiert. Ihre Kollegen haben deshalb gemeinsam mit der DKMS und der Schirmherrschaft von Bürgermeisterin Christiane Küchenhof eine Typisierungsaktion organisiert. Wer sich als möglicher Spender registrieren lassen will, kann am Sonnabend, 6.  Mai, in die Feuerwache Schenefeld kommen. Ob die Schülerin mit so viel positivem Zuspruch gerechnet hat? „Nein, das ist der Wahnsinn.“ Ein Lächeln huscht über ihre Lippen. Die Reaktion ist großartig.“ Auch die Familie sei gerührt von soviel Anteilnahme.

An den Tag der Diagnose erinnert sich Paula noch genau. Am 13. Februar ging sie zu ihrer Ärztin, weil eine Mandelentzündung partout nicht abklingen wollte – trotz mehrerer Behandlungen mit Antibiotika. An diesem Morgen waren auch die Lymphknoten am Hals geschwollen. „Die Ärztin guckte mich so komisch an. Da hat mich schon ein merkwürdiges Gefühl beschlichen, dass etwas nicht in Ordnung ist“, erinnert sich die 16-Jährige. Die Medizinerin war in der Tat misstrauisch, ordnete ein großes Blutbild an. „Das stellte sich als katastrophal heraus“, beschreibt Mutter Cathrin Rüpcke (51). Die Ärztin hätte Paula sofort weiter ins Klinikum nach Pinneberg geschickt. Dort wurde sie zwar aufgenommen. Als sich nach den ersten Untersuchungen die schlimme Diagnose abzeichnete, wurde die Schülerin jedoch erneut weiter zum UKE überwiesen. Dort folgte die Diagnose: akute Leukämie. „Für alle war das ein Schock. Die Familie ist zusammengekommen und wir haben alle geweint“, schildert Cathrin Rüpcke. Da kein Bett an dem Abend frei war, verbrachten Mutter und Tochter die Nacht in der Notaufnahme. Geschlafen hätten sie nicht viel. Zu viele Gedanken schwirrten im Kopf herum.

Paula (Zweite v. l.) bekommt Unterstützung von ihren Geschwistern Tom (v. l.), Svenja und Hans-Jörn Rüpcke.

Paula (Zweite v. l.) bekommt Unterstützung von ihren Geschwistern Tom (v. l.), Svenja und Hans-Jörn Rüpcke.

Foto: Tanja Plock
 

Im Grunde hätte Paula aber Glück gehabt, sagt Cathrin Rüpcke rückblickend. Wäre die Leukämie nicht rechtzeitig erkannt worden, hätte sie nur noch wenige weitere Tage ohne Behandlung überlebt. Sie sei dem Tod insofern vorerst von der Schippe gesprungen.

Am nächsten Tag begann Paulas erste Chemotherapie. Mehrere Therapieblöcke folgten. Die Haare fielen aus. Sie nahm zehn Kilogramm ab. Zeitweise musste sie künstlich ernährt werden, ihre Schleimhäute waren beeinträchtigt. Die letzte Chemo habe sie aber gut verkraftet. Menschenmengen muss sie vermeiden, da ihr Immunsystem extrem schwach ist. Drei Durchgänge hat Paula nun hinter sich. Ein oder zwei Chemotherapien werden folgen – das hängt davon ab, ob und wann ein Spender gefunden wird. Aber die Familie ist zuversichtlich, dass dies auch gelingt. Einen Plan B hat sie nicht.

Die Typisierungsaktion findet am Sonnabend, 6. Mai, in der Feuerwache Schenefeld im Kiebitzweg 24 statt. Von 11 bis 17 Uhr werden den Besuchern Blut- und Speichelproben entnommen, die in die Kartei der DKMS aufgenommen werden. Die Typisierung ist kostenlos, Spenden aber möglich. Die DKMS hat ein Spendenkonto bei der Sparkasse Hamburg eröffnet. Jede Spende kostet die DKMS 40 Euro. Wer helfen will, kann unter dem Verwendungszweck „Paula“ an IBAN DE97 2005 0550 1217 1492 42 spenden.
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erstellt am 29.Apr.2017 | 12:00 Uhr

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