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Multinationale Fußball-Mannschaft : Ein Verein, ein Team, sechs Nationen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Botschafter gegen Rassismus und für Fairplay: Die Mannschaft Husumer SV III ist Tabellenführer im Integrationscup.

shz.de von
erstellt am 04.Dez.2017 | 18:56 Uhr

Der Husumer SV III führt die Tabelle des Sparda-Integrationscup an. „Darauf haben wir nie hingearbeitet, das ist einfach passiert“, sagt Trainer Felix Carl (37). „Das wir diese Tabelle anführen, haben wir mehr durch Zufall erfahren über einen Freund.“ Unter dem Motto „Ein Ball – viele Gesichter“ nehmen mehr als 1000 Frauen- und Herrenmannschaften am Integrations-Wettbewerb des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands teil. Dabei geht es nicht um die Tore und Punkte in der jeweiligen Spielklasse, sondern um Integrationspunkte. Die Mannschaften erhalten zwei Punkte für jede unterschiedliche Nationalität, die auf dem Spielberichtsbogen notiert ist.

Der Husumer SV III hat diese Tabelle bei den Herren bis zum Ende der Saison am 12. November angeführt. Mit einem Quotienten von zwölf. Dieser wird ermittelt, indem alle gesammelten Punkte durch die Anzahl der absolvierten Spiele dividiert werden. Damit stehen im Husumer Team im Schnitt sechs Nationalitäten auf dem Platz: Irak, Syrien, Eritrea, Afghanistan, Jemen und Deutschland. „Das bei uns so viele Nationen gemeinsam spielen, empfinden wir als normal. Das spricht für Husum und den Verein.“ Für Carl und seinen Co-Trainer Kevin Clausen (38) steht die Platzierung weniger im Fokus als die Botschaft: „Das ist gelebte Integration.“

Das gerade Husum eine Tabelle von 800 Herrenmannschaften anführe, sei schon etwas Besonderes. „Eigentlich würde man das doch von größeren Städten mit höherem Migrantenanteil wie etwa Neumünster erwarten.“ Dabei ist es zudem die erste Saison der im März 2016 gegründeten Mannschaft im Ligabetrieb. Sie spielen in der Kreisklasse B. Begonnen hat das Husumer Team als reine Integrationsmannschaft – erst mit 15, zeitweise mit 30 Spielern. Gerade zu Anfang sei das Zusammenspiel nicht immer leicht gewesen. „Bei Integration denken viele nur an die Eingliederung in die deutsche Gesellschaft und ihre Kultur. Aber dass die Spieler verschiedener Nationen auch untereinander anecken aufgrund ihrer Kultur oder Religion, wird häufig vergessen“, so Felix Carl. Deshalb hätten die Trainer von vornherein vorgelebt, dass Religionsunterschiede in ihrem Team keine Rolle spielen und aktive Mitarbeit gefördert und gefordert. Auch die Themen Emanzipation und Respekt seien wichtige Eckpunkte.

2016 nahm die Mannschaft an Freundschaftsspielen und Wettbewerben teil. „Wir haben zusammen Fußball gespielt, trainiert und auch außerhalb des Platzes Zeit verbracht“, schildert Clausen. „Das war eine wichtige Phase, in der sich das Team geformt hat.“ Aktuell stehen rund 20 Mann zwischen 19 und 45 Jahren im Kader. Ein Wendepunkt sei der Einstieg der Mannschaft in den Liga-Betrieb gewesen. Damit seien sie auch offiziell Teil des Vereins geworden. „Wir haben es den Spielern überlassen, ob sie das wollen. Und sie wollten Vereinsmitglieder werden, mit allem was dazugehört“, so Carl. Jetzt helfen die Spieler von Husum III bei der zweiten Mannschaft aus und jeder neue Spieler kann auch bei der Herren III einsteigen. „Fußball ist die schönste Nebensache der Welt. Es ist ein Medium, um sich im Job zu integrieren oder die Sprache zu lernen“, sagt Felix Carl. Für wenige Spieler, bei denen es außerhalb des Platzes nicht so rosig aussehe, rücke zwar der sportliche Erfolg in den Fokus und werde dann zu ernst genommen. „Aber das ist die Ausnahme, mittlerweile sieht die Mannschaft auch Niederlagen entspannter“, ergänzt Kevin Clausen.

Die Spieler seien Botschafter gegen Rassismus und für Fairplay. „Unsere gegnerischen Teams begegnen uns mit Respekt und wir ihnen“, schildert Clausen. „Auf dem Fußballplatz sind alle gleich.“ Dennoch hätten sie auch Anfeindungen erlebt, allerdings aus dem Zuschauerraum.

Beim Qualifikationsspiel in der Flensburger Fördehalle für das Finale des Integrationscups in Malente ist damit nicht zu rechnen. Im Finale spielen fünf Damen- und acht Herrenmannschaften um ein Preisgeld von 25 000 Euro.

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