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Kirchenkonzert in Uetersen : Ein Klang-Erlebnis auf hohem Niveau

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Aus der Redaktion der Uetersener Nachrichten

„Con tutti i cori“ wurde in der Klosterkirche von 200 Besuchern begleitet. Chorgesang von der Empore aus.

shz.de von
erstellt am 07.Jun.2016 | 12:30 Uhr

Uetersen | Luthers Einfluss auf die Kirchenmusik ist nicht zu unterschätzen. Das wurde während des Konzertes „Con tutti i cori“ – mit allen Chören, am Sonntag in der Klosterkirche, einmal mehr deutlich.

Die inhaltsstarken Kirchenlieder des Reformators führten zum Sinneswandel auch in der katholischen Kirche, die nunmehr einen klareren und verständlichen Kompositionsstil verlangte. Das Zeitalter der „Venizianischen Mehrchörigkeit“ war geboren. Von Venedig aus breitete sich der neue Kompositionsstil wie ein Lauffeuer in großer Geschwindigkeit in ganz Europa aus. Mehr und mehr gewannen in der Epoche der „Spätrenaissance“, hinführend zum Barock, die Solopassagen an Selbstständigkeit. Die Arie als musikalische Ausdrucksform entstand, neue Instrumente wurden „geboren“. Und der Chor nahm mehr und mehr die Rolle der Gemeinde ein. Die neue Dramaturgie innerhalb der Kompositionen war revolutionär.

Der Wettstreit der Chöre war nur eines dieser Stilmittel, welcher insbesondere in kirchlichen Räumen mit gegenüberliegenden Emporen möglich werden konnte. Der klare, neue Kompositionsstil von Giovanni Gebrieli, Heinrich Schütz, Hans Leo Hassler, Matthias Weckmann und anderer Musikschöpfer konnte während des gut zweistündigen Konzerts brillant in Szene gesetzt werden.

Rund 200 Besucher verfolgten das musikalische Erlebnis, in dem neben zwei Chören, bestehend aus Kantoren, Organisten und Chorleitern des Kirchenkreises Hamburg-West/Südholstein, das Barockorchester Elbipolis und Solisten mitwirkten. Die beiden Chöre hatten sich auf den gegenüberliegenden Emporen des Gotteshauses aufgestellt, das Orchester und die Solisten gestalteten das Konzert vom Altarraum aus. So entstand das Raum-Klangerlebnis, das die Komponisten des 16. und 17. Jahrhunderts mit ihren mehrchörigen Werken vorgegeben hatten.

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Foto: Plath
 

Bisweilen wurde es 16-stimmig, wobei die Instrumente, die Solisten und die Chöre miteinander (und gegeneinander) zu wetteifern schienen. Für dieses kirchenmusikalische Projekt unter der Gesamtleitung von Torsten Johann waren die drei Kreiskantoren, Gudrun Flieger, Eberhard Kneifel und Stefan Scharff, verantwortlich. Das Thema Mehrchörigkeit wird innerhalb des Kirchenkreises im Herbst noch einmal aufgegriffen. „RaumKlang“ unter dem Aspekt der Musik von Venedig bis Leipzig soll am 8. und 9. Oktober für weiteres Interesse sorgen. Dann in den Kirchen von Ottensen.

In Uetersen geht es an der Klosterkirche musikalisch bis zum Sommer wie folgt weiter: Am 3. Juli gestalten Kantorei und Kantor Kneifel gemeinsam mit dem Elbipolis-Barockorchester die Krönungsmesse von Mozart sowie die Berliner Messe von Arvo Pärt. 14 Tage später (am 17. Juli) findet das Jubiläumskonzert von „Adonai“ statt, dem Gospelchor der Kirchengemeinde, der ebenfalls unter dem Dirigat des Uetersener Kreiskantors steht.

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