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Wasserrohrbruch : Eiderstedt zehn Stunden ohne Wasser – Hauptleitung defekt

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Ein Autofahrer entdeckt das Wasser auf der Fahrbahn. Der nächtliche Reparatureinsatz an der Hauptleitung dauert viele Stunden.

Rantrum/Eiderstedt | In gewisser Hinsicht war es schon der „Supergau“: vielleicht ist es in der Planung bereits einmal durchgespielt worden, aber am Sonntagabend ab 20 Uhr wurde es bittere Realität – und das gleich über viele Stunden hinweg. Denn „nichts ging mehr“ auf ganz Eiderstedt – jedenfalls im Hinblick auf die Frischwasserversorgung.

Etliche tausend Haushalte  konnten weder Kaffee noch Tee kochen, die WC-Spülung ziehen, Babynahrung zubereiten oder einfach nur ein Bad nehmen. Betroffen war auch die Touristenhochburg  St. Peter-Ording. Betroffen waren in großer Zahl auch die ansässigen Landwirte, deren Tiere ohne Wasser waren und deren Melkroboter auf „Störung“ umsprangen und den Dienst versagten. Doch was war da genau passiert – was brachte die Telefone in der zentralen Leitstelle Nord zum Glühen – denn vermehrt gingen die besorgten Nachfragen dort ein. 

Alles fing mit einem „See“ an, der sich auf der Oberfläche der Rantrumer Straße gebildet hatte. Ein Autofahrer war der erste, der dies entdeckte und zum Handy griff. Ab da lief eine weitreichende Aktion an – und zwar unter immensem Zeitdruck: Ganz Eiderstedt bezieht sein Trinkwasser aus den sieben Brunnen des Wasserwerkes in Rantrum; ein Zwischenpumpwerk besteht in Garding.

Doch auch dieses funktioniert nur, wenn „Nachschub“ aus Rantrum ankommt. Und da kam nichts – über viele Stunden. Bagger und große Lkw rückten an; die Spezialfirma H. Iwers & Sohn GmbH & Co KG aus Süderstapel setzte ihre Notdienstmitarbeiter in Gang. Ein in Hattstedt stehender großer Bagger wurde angefordert und räumte zunächst die dicke Asphaltschicht ab.

Innerhalb der nächsten Stunden wurden große Mengen an Erdreich ausgehoben und abtransportiert; die Kreisstraße 55 zwischen der B5 und der Gemeinde Rantrum wurde voll gesperrt.

Immer wieder trafen besorgte Bürger an der Einsatzstelle ein. Einer von ihnen war Landwirt Wilfried Massow aus Oldenswort. „Mein Melkroboter läuft nicht“. berichtete er, „er ist rund um die Uhr in Betrieb und wegen der fehlenden Wasserzufuhr auf ,Störung‘ umgesprungen!“ Der mitgekommene Sohn Malte (13) schoss vor Ort mit dem Smartphone noch einige Erinnerungsfotos.

Um kurz nach 22 Uhr imponierte vor Ort eine mittlerweile riesige Grube mit einer Tiefe von rund fünf Metern; die Hauptleitung war nunmehr freigelegt. Aber noch bestand Druck auf dieser starken Hauptleitung. „Eine Operation am offenen Herzen“, manifestierte Nordfrieslands Kreiswehrführer Christian Albertsen vor Ort. Ihn beschäftigte eine ganz andere „große Sorge“: „Was ist, wenn es jetzt auf Eiderstedt brennt – wenn der Brandstifter wieder unterwegs ist?“ Denn nicht nur in den Haushalten, sondern auch in den Hydranten fehlt das Wasser.

Vor Ort arbeiteten auch die beiden Wasserwerker Uwe Lepinat und Bernd Paulsen von der Firma Iwers fieberhaft bei einsetzender Kälte und im eisigen Wasser – denn durch die leck geschlagene Stelle flossen große Wassermengen aus. Beide standen im eiskalten Wasser. Zwei starke Absaugpumpen  entnahmen die Wassermengen und beförderten sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf angrenzende Wiesen. Auch als die Wasserzufuhr dann komplett „abgeschaltet war, blieb der Druck bestehen. „Das dauert zwei Stunden, bis die Leitung leergelaufen ist“, berichteten die Mitarbeiter der Süderstapeler Fachfima, die auf derartige Einsätze spezialisiert ist und 110 Mitarbeiter beschäftigt.

Insgesamt sechs Fachkräfte waren vor Ort im Einsatz; die Schadenstelle wurde mit Halogenscheinwerfern ausgeleuchtet. Vor Ort nachgefragt: „Wodurch ist dieser immense Schaden entstanden?“ Dazu Uwe Lepinat: „Die gesamte Hauptleitung ist durch Erschütterungen abgesackt, dabei kam es zu einer starken Leckstelle.“

Die Erschütterungen rühren ganz sicher von den schweren Transportfahrzeugen her, die sich tagtäglich auf der K55 bewegen – Landwirte befahren sie mit ihren Traktoren und Erntefahrzeugen, Milchwagen steuern die umliegenden Bauernhöfe an und hinzu kommt der Pendelverkehr zur B5.

Um 23.10 Uhr ist die Leitung schließlich komplett freigelegt, die Schadenstelle wird sichtbar. Gut zu erkennen auch: genau an dieser Stelle ist eine neue Wasserleitung an die bestehende alte angeschlossen - „und es wurde in diesem Bereich schon einmal repariert“, berichten die Mitarbeiter. Dies ist auch für Laien unschwer zu erkennen an den unterschiedlichen Materialien, die hier zusammentreffen – auf der einen Seite blaue Kunststoff- und Metallteile, auf der anderen Seite (Richtung Rantrum) die bestehende alte Leitung aus Beton.

Bei immer wieder nachlaufendem Wasser trennen Uwe Lepinat und Bernd Paulsen die große Frischwasserleitung; ein Ersatzteil wird aus Garding herangeholt. Unterdessen sind auch über die nächsten Stunden hin weg sämtliche Haushalte in ganz Eiderstedt ohne Wasserversorgung – und dazu gehören Krankenhäuser, Restaurants, die vielen Ferienappartements, Bauernhöfe und eben sämtliche viele Privathaushalte.

Wer kein Mineralwasser „parat“ stehen hat, ist beispielsweise dann übel dran, wenn Babynahrung zubereitet werden muss. Und schließlich: „Auch die Klo-Spülungen funktionieren ja nicht“, sagt vor Ort einer der besorgten „Sehleute“, die die Arbeiten verfolgen.

Im Anschluss an die Reparatur musste dann auch der Untergrund neu verfüllt werden, um das Frischwasser-Hauptrohr vorm „Durchhängen“ im total durchnässten Erdreich zu schützen. Die Wasserversorgung funktionierte ab 5.15 Uhr wieder; nachdem die Arbeiten die ganze Nacht hindurch andauerten.

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erstellt am 26.Okt.2015 | 10:41 Uhr

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