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Zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Verantwortung

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 24.Jun.2017 | 06:57 Uhr

„Die Sonne ist unser bester Verkäufer“, sagt Waldemar Behn mit Blick auf den strahlend blauen Himmel. Der Chef der Waldemar Behn Getränke GmbH sitzt mit seinem Bruder Rüdiger in der Kommandozentrale im Kadekerweg und geht die letzten Details für die Feierlichkeiten zum 125-jährigen Unternehmensjubläum durch. Waldemar Behn spricht von einer guten Entwicklung in der Gastronomie. Das war angesichts des Sterbens der Landgasthöfe in den vergangenen Jahren nicht unbedingt zu erwarten.Aber die Restaurants und Lokale haben an Qualität zugelegt. Behn sieht sein Unternehmen mit in der Verantwortung. „Wir sind in einer Makler- und Finanzierungsfunktion.“ Zum einen kümmere man sich darum, den passenden Gastronom zum passenden Betrieb zu finden, zum anderen finanziere man, meist zusammen mit einer Brauerei, Neueröffnungen mit.

Der 62-Jährige ist zweifellos einer der besten Kenner der Gastro-Branche in der Region und kennt die Betreiber fast alle persönlich, oft über Jahrzehnte. Diese Kenntnis, die Kontakte und die Vertrauensstellung, die Waldemar Behn und das gesamte Unternehmen sich in der Branche erarbeitet hat, lassen sein Urteil zu einem gewichtigen werden. Für ihn ist nicht der Gasthof selbst oder die Lage entscheidend, sondern die Persönlichkeit des Gastronomen. Er habe oft erlebt, dass nach einem Pächterwechsel das Drei- bis Vierfache an Umsatz gemacht wurde. Generell gelte es für den Gastronomen, den Betrieb „immer am Interesse der Kunden auszurichten“. Und er müsse über eine gewisse gastronomische Ader verfügen, „die man hat oder nicht hat“.

Während Waldemar Behn den Unternehmensbereich Gastronomie und Getränkefachgroßhandel verantwortet, kümmert sich sein Bruder Rüdiger um die Spirituosen. „Der Alkoholkonsum ist rückläufig. Das ist eine gute Nachricht, auch für uns“, sagt Rüdiger Behn. Diese Aussage verblüfft. Aber nur auf den ersten Blick. Dahinter steckt gesellschaftliche Verantwortung, die die beiden Behns für sich und ihr Haus reklamieren. Umsatz und Bilanzen stimmen trotzdem. Die Verantwortung für die jungen Menschen fängt im Elternhaus an“, sagt Waldemar Behn. Dort müssten die Kinder auch über die Gefahren von Alkoholmissbrauch aufgeklärt werden. Rüdiger Behn sieht das genauso. Er befürwortet den „liberalen Zugang“, der in Deutschland für Spirituosen gilt, spricht sich aber für „Aufklärungsarbeit an der richtigen Stelle“ aus. Restriktionen wie in Skandinavien, den USA oder Russland „führen keinesfalls zu weniger Alkoholkonsum“. Trotz zum Teil scharfer Beschränkungen werde dort mehr getrunken als in Deutschland, argumentiert Rüdiger Behn. Sein Bruder Waldemar gibt ein Beispiel: „Wir selbst hatten alle Verführungen dieser Welt, und haben kein Alkoholproblem.“ In der früheren DDR beispielsweise, wo kommerzielle Werbung verboten war, hätten die Menschen drei Mal so viel Alkohol getrunken wie im Westen Deutschlands.

Die Spirituosen-Branche in Deutschland habe stark mit der Konzentration in der Lebensmittelbranche zu kämpfen, sagt Rüdiger Behn. Die großen Lebensmittler von Edeka über Rewe bis zur Markant-Gruppe hätten eine starke Marktmacht , unter der die vergleichsweise kleinen Familienunternehmen wie Behn zu leiden hätten. „Mit vier Gesprächen hat man 80 Prozent des Inlandsmarkts abgedeckt.“ Da sei es gut, mit dem Getränkefachgroßhandel ein zweites Standbein zu haben.

Belebend auf die gesamte Branche wirke sich derzeit der Craft-Bier-Boom und der Zuwachs kleiner Destillerien aus. Bier mit unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen aus Kleinst-Brauereien seien entgegen dem negativen Trend im Biersegment sehr angesagt, darauf müsse auch der Handel reagieren.

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