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Asylsuchende in Altenholz : Zwischen Skepsis und Zuversicht

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Großes Interesse: Fast 400 Besucher kamen zu der Einwohnerversammlung zum Thema Flüchtlingssituation in der Gemeinde.

Altenholz | „Es ist ein Thema mit vielen Facetten, ein Thema, das aus unterschiedlichen Blickwinkeln wahrgenommen wird“ – Pastor Henning Halver vom Zentrum für Kirchliche Dienste übernahm am Donnerstagabend im Saal des Gemeindezentrums die Moderation. Knapp 400 Bürger und Interessierte waren der Einladung der Gemeinde zur Einwohnerversammlung gefolgt und wollten Neues erfahren über die Situation der Asylsuchenden in Altenholz.

Und für umfangreiche Informationen hatte die Gemeinde gesorgt. Barbara Rennekamp von der Kreisverwaltung, Fachgruppe Zuwanderung, informierte über die aktuellen Zahlen, Stadtplanerin Stephanie Eilers stellte die Pläne vor, nach denen in der Danziger Straße Gebäude mit Sozialbauwohnungen für Einheimische und Geflüchtete zu gleichen Teilen entstehen sollen. Jörg Schmidt, Leiter der Altenholzer Polizeistation, berichtete von der Entwicklung der Straftaten im Stationsbereich und in der Gemeinde im vergangenen halben Jahr und erklärte, dass an 3,7 Prozent der aufgeklärten Fälle – von Bagatell- bis hin zu Eigentumsdelikten und Körperverletzung – Flüchtlinge beteiligt waren. Darin enthalten sind auch die Taten, die sich gegen Asylsuchende gerichtet hatten.

Pastor Okke Breckling-Jensen berichtete über die Gründe, die einen Menschen dazu bewegen, aus der Heimat zu fliehen und zeichnete die Lebensumstände in Syrien, Afghanistan und Eritrea nach. Friederike Hüsken, Koordinatorin für die Betreuung Geflüchteter in der Altenholzer Verwaltung, vermittelte, was die Menschen brauchen, damit Integration gelingen kann. Sie verwies auf den Freundeskreis Asyl, in dem sich seit 2013 Bürger der Gemeinde ehrenamtlich engagieren und der unter anderen von der Awo-Ortsvereinsvorsitzenden, Hildegard Schaper, vertreten wurde. Lob für die Flüchtlingsbetreuung gab es von Walter Wiegand. Er ist der Koordinator für Flüchtlingsarbeit im Kirchenkreis Rendsburg-Eckernförde. „Mein Einsatzbereich reicht von Wacken bis Waabs und ich kann sagen: In Altenholz läuft es hervorragend“, erklärte er.

Aber die Bürger hatten auch die Gelegenheit ihre Fragen los zu werden. Sie wurden von dem jeweiligen Ansprechpartner beantwortet. Besonders häufig musste Bürgermeister Carlo Ehrich Rede und Antwort stehen:

>Wann kommen die Modulhäuser für die Danziger Straße? Der Boden wurde vom Kampfmittelräumdienst untersucht und als geeignet befunden. Die Module sind bestellt, werden etwa ab Ende April geliefert und sollen ab Juni bezugsfertig sein.

> Werden die Module ausreichen? Welche Flächen hat die Gemeinde noch im Auge? Die Module bieten Platz für 36 Personen. Weiterer Wohnraum soll gegebenenfalls gegenüber dem Friedhof in der Altenholzer Straße geschaffen werden.

>Bisher hat die Gemeinde rund 200  000 Euro für Anmietung und Ausstattung von Wohnungen ausgeben, aber was kommt in Zukunft auf den Steuerzahler zu? Die Finanzlage der Gemeinde sieht nicht rosig aus. Die Verschuldung wird zunehmen. Das liegt aber nicht ausschließlich an den Flüchtlingen. Auch die Kinderbetreuung und damit verbundene Personalkosten spielen eine große Rolle. Ob Steuererhöhung kommen, wird die Gemeindevertetung beraten müssen.

>Weiß man welche Flüchtlinge kommen? Nein. Die Kreisverwaltung bekommt zehn Tage vor Ankunft ein Fax und verteilt die Menschen dann auf die Ämter. Bekannt ist bereits, dass in der kommenden Woche eine vierköpfige Familie aus dem Irak nach Altenholz kommt. Für die Woche darauf sind sechs Syrer im Familienverbund angekündigt; Teile ihrer Familie sind bereits in der Gemeinde untergebracht.

>Wenn man spenden möchte: Gibt es eine Liste von Gegenständen, die gebraucht werden? Bei Sach- und Geldspenden ist Viola Johannsen im Kirchenbüro die richtige Ansprechpartnerin.

> Auf fehlende Kita-Plätze, gegebenenfalls auch für bereits schulpflichtige Kinder mit Migrationshintergrund, wurde ebenso hingewiesen, wie auf fehlende Räume für die dringend notwendige Sprachförderung.

Als Antwort auf die Frage, warum die Flüchtlinge sich nicht finanziell an ihrer Unterbringung beteiligen müssen, wo sie doch auch die Schlepper teuer bezahlen können, fand der Bürgermeister klare Worte. Er habe noch keinen Flüchtling mit einem Geldkoffer anreisen sehen und in Altenholz sei bisher auch noch keine Maßnahme für die Bürger zurückgestellt worden. „Ich bin davon überzeugt, dass jeder Euro, den wir hier investieren, gut angelegt ist. Deutschland ist eine der reichsten Nationen weltweit. Es steht uns gut an, hier einen Beitrag zu leisten“, erklärte er.

Zu Beginn des Abends waren die Gäste von Mohamed aus Syrien begrüßt worden. Der 32-jährige Jurist lebt seit acht Monaten in Deutschland. Er beschrieb seine Flucht aus Aleppo und wie er mit dem Schlauchboot von der Türkei nach Griechenland übergesetzt ist. „Und von Griechenland nach Deutschland zu Fuß“. Er berichtete von den Konflikten, die in seinem Land herrschen – und trotzdem hoffe er, zurückkehren zu kennen. „Ich möchte zurück nach Syrien, in meine Heimat“, so Mohamed. Ein Anwohner griff die Worte später am Abend auf. Er hatte für die Vereinten Nationen gearbeitet und konnte bestätigen, dass Vertriebene zu 90 Prozent immer versuchen werden, zurückzukehren. Niemand könne sich woanders so wohl fühlen wie zu Hause, sagte er: „Ich möchte allen hier Mut machen und glaube, viele werden zurück kehren. Ich hoffe, sie haben uns dann in guter Erinnerung.“

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erstellt am 27.Feb.2016 | 06:29 Uhr

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