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Eckernförder Zeitung

22. Oktober 2017 | 00:16 Uhr

Kommunalwahl : Zwischen Harmonie und Gegenwind

vom

Rund 250 Besucher in Carls-Showpalast bei Podiumsdiskussion der Eckernförder Zeitung mit den sieben Eckernförder Spitzenkandidaten.

shz.de von
erstellt am 10.Mai.2013 | 07:13 Uhr

Eckernförde | Noch 16 Tage bis zur Kommunalwahl. Eine große Auswahl unterschiedlicher Politikentwürfe haben die Eckernförder Bürger, wenn am 26. Mai sieben Parteien um das Vertrauen der Wähler ringen. Die Spitzenkandidaten Karin Himstedt (CDU), Martin Klimach-Dreger (SPD), Edgar Meyn (Bündnis 90/Die Grünen), Oliver Fink (FDP), Sylvia Grabowski-Fillmer (SSW), Rainer Beuthel (Die Linke) und Dr. Reinhard Jentzsch (Bürger-Forum) stellten sich am Dienstagabend in Carls-Showpalast den Fragen von EZ-Redaktionsleiter Gernot Kühl und Stadtredakteur Arne Peters sowie des Publikums.

Eine Erfolgsformel für die im Vergleich mit anderen Städten gute Finanzlage und Entwicklung Eckernfördes gebe es, da waren sich Spitzenkandidaten weitgehend einig: Es sei vor allem das gute Miteinander der Bürger, dass das Ostseebad auszeichne und zu einem lebenswerten Ort mache. "Die Bürger identifizieren sich mit ihrer Stadt", sagte CDU-Spitzenkandidatin und Bürgervorsteherin Karin Himstedt. Das spiegele sich in dem hohen ehrenamtlichen Engagement wider. Auch Edgar Meyn (Die Grünen) lobte das rege Vereinsleben: "Eckernförde bietet Platz zum Entfalten", so der 56-Jährige. Ein gutes Miteinander haben alle Politiker auch innerhalb der Ratsversammlung festgestellt. "Von Intoleranz keine Spur", sagte Rainer Beuthel von der Partei Die Linke. Man kommuniziere untereinander, zudem gebe es einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Geld, ergänzte FDP-Spitzenkandidat Oliver Fink.


Bürger finden wenig Gehör



Ganz anders sah dies Dr. Reinhard Jentzsch (58), der mit dem Bürger-Forum erstmals in die Ratsversammlung einziehen möchte: "Das Miteinander der Politik mit den Bürgern ist auf der Strecke geblieben." Die Bürger würden immer weniger Gehör finden, so seine Kritik, die der Zahnarzt im Laufe der gut dreistündigen Veranstaltung vor den rund 250 Zuhörern mehrfach wiederholte.

Die Altersstruktur verschiebt sich, der demografische Wandel ist bereits im vollen Gange. Immer mehr alte, dafür weniger junge Menschen - so sieht die Zukunft der Gesellschaft aus. Auch Eckernförde wird sich diesen Veränderungen stellen müssen. "Der demografische Wandel bietet auch Chancen", betonte Himstedt. Viele ältere Bürger seien fit und sollten für das Ehrenamt motiviert werden.


Krippen: Stadt in Vorleistung



Für die Jüngsten in der Stadt sollen ausreichend Krippenplätze zur Verfügung stehen. Ab 1. August besteht ein Rechtsanspruch für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren. Kann Eckernförde die angestrebte Versorgungsquote von 35 Prozent erreichen? Karin Himstedt ist davon überzeugt. Sie schließt aber auch nicht aus, im Bedarfsfall nachzubessern. Die Finanzierung erfolge nicht zu Lasten der Eltern, machte Fink deutlich. Auch eine Erhöhung der Gruppengröße sei nicht das Ziel. "Die Stadt wird in Vorleistung gehen", versicherte er. Am Ausbau der Krippenplätze beteiligen sich auch die dänischen Einrichtungen. Sylvia Grabowski-Fillmer berichtete, dass zehn U3-Plätze in Eckernförde geschaffen werden sollen.

Ein "lebendiges Eckernförde" wünscht sich SPD-Spitzenmann Martin Klimach-Dreger, um der Jugend Perspektiven bieten zu können. So sei er froh, dass das Berufsbildungszentrum gehalten werden konnte. Mit den Stadtwerken, der Verwaltung aber auch der Klinik gebe es hochwertige Ausbildungsmöglichkeiten.

"Bezahlbarer Wohnraum" ist gerade auch für die SPD ein Thema. "Es muss Wohnraum für alle Menschen geben", forderte Klimach-Dreger. Selbst die wassernahe Bebauung im Zuge der Nooröffnung dürfe nicht den gutbetuchten Bürgern vorbehalten werden. Auch junge Familien sollten bei dieser Liegenschaft zum Zuge kommen können. Gemischte Mietlagen seien die Grundvoraussetzung für eine lebendige Stadt. Handlungsbedarf sieht Beuthel vor allem bei der sozialen Frage. "Die Gesellschaft wird gespalten", so seine Befürchtung. Die Baugebiete würden die Oberschicht anziehen, Wohnraum für ärmere Schichten fehle, appellierte Beuthel insbesondere an den größten Vermieter in der Stadt, das Gemeinnützige Wohnungsbauunternehmen (GWU).


Städtebauliche Lehren



Mit dem Ziel, sich aktiv in die Stadtentwicklung einzubringen und dabei auch die Rolle von Bauverwaltung und Politik kritisch zu begleiten, gründete sich das Bürger-Forum. "Wir wollen nicht, dass die Innenstadt kaputt gebaut wird", so Jentzsch. Dass in der Vergangenheit städtebaulich einiges falsch gelaufen sei, wollte auch keiner der anderen Spitzenkandidaten bestreiten. Doch mit dem Erlass einer Gestaltungssatzung und der Konstituierung eines Beirates habe man darauf reagiert. Grundsätzlich sei es aber positiv zu bewerten, wenn eine Stadt sich entwickle, stellte Himstedt fest. Zudem sei die Frage, so Fink, ob ein Gebäude architektonisch gelungen sei, auch Geschmackssache.


Schülerzahlen entscheiden



Längst nicht entschieden ist die Zukunft der Fritz-Reuter-Schule und der Richard-Vosgerau-Schule. Aus der Fritz-Reuter-Schule soll laut Schulentwicklungsplan eine Gemeinschaftsschule werden, die spätestens zum Schuljahr 2018/2019 mit der Gemeinschaftsschule am Pferdemarkt fusioniert. Zudem sollen rund 800 000 Euro in eine neue Mensa für den Ganztagsbetrieb investiert werden. Allen Spitzenkandidaten liegt der Erhalt der Richard-Vosgerau-Schule, die im neuen Schuljahr einzügig weiterläuft, am Herzen. "Doch letztlich entscheiden die Schülerzahlen", betonte Meyn, der die öffentliche Diskussion über die Schulstandorte in Borby jüngst durch entsprechende Äußerungen in Gang gebracht hatte (wir berichteten). Grabowski-Fillmer hob das hohe Engagement von Eltern und Lehrern an der Schule hervor. Für Klimach-Dreger ist die Debatte über Schulstandorte kein Wahlkampfthema: "Die Schulen brauchen jetzt Ruhe und keine Verunsicherung", sagte der Sozialdemokrat. Zur Zukunft der Richard-Vosgerau-Schule gab es weitere Nachfragen von Zuhörern, die das Podium beantwortete.


Kino: Standort-Diskussion



"Wird es wieder ein Kino geben?" Unternehmer Martin Krohn wollte von den Kandidaten eine Antwort auf die Kino-Frage. Die CDU-Fraktion favorisiere die Willers-Jessen-Schule, antwortete Himstedt. "An diesem Standort würde ein Kino die Innenstadt beleben." Der Bahnhof ist der Standort Nummer eins bei der FDP, so Fink, der aber davor warnte, Standorte zu zerreden und Investoren zu vergraulen. Auch für Sylvia Grabowski-Fillmer sei eine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt zu früh. Eine ergebnisoffene Diskussion in puncto Kinostandort erwartet Rainer Beuthel beim Hauptausschuss am 16. Mai (17 Uhr). Dann sollen Vor- und Nachteile abgewogen werden.

Von einer privaten Initiative, die bereit sei, für dieses Projekt eine Fläche von gut 2000 Quadratmetern aufzukaufen, wisse Jentzsch. Dass dieses Interesse den anderen Fraktionen gänzlich unbekannt sei, zeige erneut, wie wenig Gehör die Politik den Bürgern schenke, mahnte er. "Alle Ausschüsse tagen öffentlich", wehrte sich Klimach-Dreger. Jeder Bürger habe die Möglichkeit, sich an Fraktionen oder die Verwaltung zu wenden. Aufgabe der Parteien sei es schließlich, Anregungen und Interessen von Bürgern aufzunehmen und zu formulieren. "Warum kommen Sie hier und jetzt mit ihrem Herrschaftswissen?", wollte Fink von Jentzsch wissen.

Vanessa Stuck darf am 26. Mai erstmals wählen. Gemeinsam mit anderen Jugendlichen aus dem "Haus" hatte sie sich auf den Abend vorbereitet und Fragen überlegt. "Investitionen in Das Haus und Verbesserungen im öffentlichen Personennahverkehr - das sind Themen, die Jugendliche interessieren", sagte sie und fand dabei durchaus offene Ohren auf dem Podium.

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