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Zwischen grausigen Erzählungen und derbstem Humor

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

von
erstellt am 14.Feb.2014 | 15:00 Uhr

Ovid, einer der wirkungsmächtigsten römischen Dichter und schon zu Lebzeiten eine Berühmtheit, zählt heute aufgrund seiner poetisch meisterhaften Darstellung von Stoffen aus Erotik und Mythologie zu den Klassikern der Weltliteratur.
Professor Dr. Thorsten Burkard vom Institut für klassische Alterskunde der Uni Kiel war zu Gast an der Gettorfer Isarnwohld-Schule, um Schülern der Oberstufe mit Kern- und Grundfach Latein mit einem illustrierten Vortrag einen Einblick in Leben und Werk des römischen Dichters und seine Forschungsarbeit an der Uni zu geben.

„Uns geht es um das Thema Ovid, aber auch darum, eine Verbindung zu schaffen zwischen Schule und Uni“, erklärte Marc Engel, Lateinlehrer und Vorsitzender der Fachschaft Latein, auf dessen Initiative hin der Besuch zustande gekommen war. Das Fach Latein werde an der Isarnwohld-Schule stark nachgefragt, bestätigte Schulleiterin Marion Burkhart, die ebenfalls Latein unterrichtet. Sie sei froh und stolz über den Besuch von Professor Dr. Burkard und hoffe, dass die Schüler fruchtbare Erkenntnisse aus dem Vortrag ziehen. Denn die Metamorphosen des Ovid sind Unterrichtsgegenstand in der Einführungsphase der Profiloberstufe. „Auf diesem Weg wollen wir auch die Zusammenarbeit zwischen Schule, Gymnasium und Uni stärken, um interessierten jungen Leuten Impulse für den Berufsweg zu geben“, sagte sie.

Auch wenn seine Termine es kaum zulassen, was er bedauere, freue er sich immer, interessierten Schülern universitäre Inhalte vermitteln zu können, so Burkard. „Ovid war ein unglaublich populärer Dichter für die Jungen und später auch für das ganze römische Volk“, sagte er. Ovid (Publius Ovidius Naso), 43 v. Chr. geboren, dem der ehrgeizige Vater die Senatorenlaufbahn eröffnete, fühlte sich schon in jungen Jahren zum Dichter berufen. Sein großes Thema war die Liebe. Er verfasste mythologische Dichtungen, Liebesdichtungen und Lehrdichtungen, wie die Ars amatoria (Liebeskunst), Remedia amoris (Heilmittel gegen die Liebe) und die Metamorphosen – Verwandlungsgeschichten aus der antiken Sagenwelt. Doch die strengen Ehe- und Sittengesetze und die weitgehende Kontrolle der Literatur im Reich des Augustus wurden ihm zum Verhängnis. Im Jahre 8 nach Christus wurde er durch kaiserlichen Edikt ohne Gerichtsverhandlung nach Tomis ans Schwarze Meer, in die tiefste Provinz verbannt, wo er auch starb. Die Metamorphosen, rund 250 Verwandlungssagen von Göttern, Menschen, Tieren und Pflanzen zählen zu den bedeutendsten mythologischen Groß-Epen der Antike. „In der Tat das lustigste und unterhaltsamste Werk, in dem sich Scherz und Ernsthaftigkeit abwechseln“, urteilt der Professor. „Grausige Erzählungen neben derbstem Humor.“ Anhand von Beispielen erläuterte er den Schülern, wie sie sich an der Uni mit der Erstellung von Texten aus lateinischen Handschriften beschäftigen, mit möglichen Vorbildern, um die Texte ins Literaturgeschehen einzuordnen, mit der Erzähltechnik, der Interpretation der Texte, dem Umgang mit dem Mythos, der Roller der Götter und Heroen und mit Referenzebenen, etwa ob es politische Bezüge gibt. Das Fach lateinische Philologie boomt zurzeit. „500 Studenten haben wir in Kiel“, sagte der Professor.

„Es war sehr interessant“, fand der 19-jährige Erik Empen aus dem 13. Jahrgang mit Grundfach Latein. „Wir haben viel erfahren über Ovids Wirken und detaillierte zusätzliche Informationen bekommen, die man im Unterricht nicht erlangen kann.“ Latein habe ihn schon immer interessiert, auch wenn er das später für sein Berufsleben nicht braucht. Dass sich ein Professor bereit erklärt, Vorträge an Schulen zu halten, findet er sehr gut. „Man bekommt einen viel intensiveren Einblick in das Fach und erfährt, was die Professoren an der Uni lehren und woran sie wissenschaftlich arbeiten.“




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