Sexuelle Gewalt : Zwischen Flirt und Vergewaltigung

An interaktiven Stationen mit Videos und gesprochenen Texten können die Schüler verschiedene Aspekte des Themas „Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen“ erfahren.
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An interaktiven Stationen mit Videos und gesprochenen Texten können die Schüler verschiedene Aspekte des Themas „Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen“ erfahren.

Der interaktive Präventionsparcours zum Thema „Jugendliche und sexuelle Gewalt“ ist zurzeit an der Peter-Ustinov-Schule zu erleben.

shz.de von
17. Januar 2018, 06:54 Uhr

Eckernförde | Die Schülerin ist 14 Jahre alt und verliebt. Sie schickt ihrem Freund ein Nacktfoto von sich – und wenige Tage später kennt es die ganze Schule. „Sexting“ heißt ein Trend, der seit Jahren unter Jugendlichen verbreitet ist und das Verschicken von Nacktfotos über das Smartphone beinhaltet. Doch das kann auch nach hinten losgehen, wenn der Partner zum Beispiel nach Beenden der Beziehung das Foto an Freunde weiterleitet. Deshalb sollte jeder genau überlegen, ob er tatsächlich so viel von sich preisgeben möchte.

„Sexting“ ist nur ein Aspekt, den die Wanderausstellung „Echt krass“ aufgreift. Sie ist zurzeit an der Peter-Ustinov-Schule zu erleben und kann auch von Eltern und Interessierten besucht werden.

Das Oberthema ist „Sexuelle Gewalt unter Jugendlichen“. Einer Untersuchung zufolge berichten 13 Prozent aller Mädchen und 3 Prozent aller Jungen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren in Deutschland, in irgendeiner Form bereits Opfer sexueller Gewalt durch gleichaltrige oder ältere Jugendliche geworden zu sein. Sexuelle Gewalt reicht von sexistischen Sprüchen über sexuelle Belästigung im Internet bis zur Vergewaltigung. Dabei können Grenzverletzungen auch aus Unwissenheit entstehen. „Was für den einen ein Scherz ist, geht dem anderen schon zu weit“, sagt der Schulsozialarbeiter Daniel Frank, auf dessen Betreiben die Ausstellung vom Petze-Institut für Gewaltprävention Kiel an der Schule gezeigt wird.

Weitere Themen der interaktiven Ausstellung mit Videos und Musikclips an fünf Stationen sind Gruppendruck, Teenagerbeziehungen, rechtliche Fragen, Mythen und Vorurteile, Tatort Internet, Flirttipps und Selbstbehauptung. Die Besucher müssen kritische Situationen einschätzen und erhalten Verhaltensvorschläge für konkrete Situationen. Ziel ist es, die Jugendlichen dafür zu sensibilisieren, wo die Grenzen beim Thema Sex liegen.

Zwei Wochen lang ist die Ausstellung an der Peter-Ustinov-Schule zu sehen (ehemalige Gorch-Fock-Schule, Eingangshalle Raum links). Vormittags wird sie von Schulklassen der Gemeinschaftsschule und der Jungmannschule im Rahmen des Unterrichts besucht. Nachmittags kann sie bis zum 25. Januar zwischen 15 und 17 Uhr (montags bis donnerstags) von Eltern und Interessierten angesehen werden.

Die Schüler der Klasse 9b der Peter-Ustinov-Schule, die gestern die Ausstellung besuchten, lobten die Interaktivität mit Hörbeispielen, Videos und Lösungsaufgaben. Die Themen waren ihnen nicht unbekannt, auch nicht das „Sexting“: Mehrere von ihnen berichteten von Fällen aus dem Bekanntenkreis, in denen Nacktfotos in die Öffentlichkeit gelangten.

>Die Ausstellung wird von den Gleichstellungsbeauftragten der Stadt und der Schulen unterstützt. Sie raten Betroffenen, sich im Falle von sexueller Gewalt Hilfe zu holen, zum Beispiel bei Lehrern oder Schulsozialarbeitern, bei der Erziehungsberatung der Diako, Tel. 04351-893110, oder beim Mädchentreff Wilde !Via, Tel. 04351-3570.

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