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Eine Pastorin im Weihnachtsstress : Zwischen Fest und Familie

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Kinder, Kirche, Krippenspiel – in der Weihnachtszeit ist Pastorin Kerstin-Hansen Neupert stark gefordert

von
erstellt am 24.Dez.2016 | 06:30 Uhr

Hütten | Hütten Für Pastorin Kerstin Hansen-Neupert ist der Heiligabend ein arbeitsreicher Tag.  Mehrere Gottesdienste stehen auf ihrem Dienstplan.  Gefeiert wird mit der Familie trotzdem, versichert die 43-Jährige. Im Interview mit EZ-Redakteur Achim Messerschmidt berichtet sie über die Stunden zwischen Fest und Familie, die Predigt sowie Menschen, die nur zu Weihnachten in die Kirche kommen.

Man kann leicht das Gefühl bekommen, die Weihnachtszeit beginnt immer früher. Weihnachtsgebäck gibt es ab September zu kaufen, Weihnachtsmärkte öffnen Ende November,   Wie kirchlich ist Weihnachten noch?

Gute Frage! Für mich ist dieses „Nicht abwarten können“ der Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach Heil und Frieden. Einmal im Jahr jedenfalls möchten die Menschen daran glauben, dass alles gut ist. Frieden, Freude und Harmonie – egal wie gut oder schlecht das in der Realität dann klappt, das soll auf jeden Fall dabei sein. Und ich kann diesen Wunsch gut verstehen, gerade auch angesichts der jüngsten Anschläge.

Was ich mich allerdings immer noch frage ist, was Menschen eigentlich an Weihnachten feiern, die entweder gar nicht wissen, was der Anlass ist  – und das scheinen gar nicht so wenige zu sein – oder nicht an Gott glauben. Konsequenterweise müssten sie dann auch Weihnachten überflüssig finden, meine ich.

Wie sehr ärgern Sie sich als Pastorin, wenn an Weihnachten auf einem Mal die Kirche voll ist?

Überhaupt nicht! Ich freue mich über jeden und jede, die kommt, um etwas von der Weihnachtsbotschaft zu hören.

Was glauben Sie, was Menschen an Weihnachten von der Pastorin oder dem Pastor erwarten?

Weihnachten ist ein Fest, das mit vielen Traditionen verbunden ist. Aus meiner Erfahrung darf in einem Weihnachtsgottesdienst auf keinen Fall die Weihnachtsgeschichte aus Lukas 2 fehlen: „Es begab sich aber zu der Zeit …“ und die alten Lieder müssen vorkommen; kein Weihnachtsgottesdienst ohne „O du Fröhliche“. Daneben möchten die Menschen, glaube, ich vor allem hören, dass alles gut wird. „Bitte keine Probleme an Heiligabend wälzen – das gibt es das restliche Jahr zur Genüge!“ Allerdings war für die Menschen aus der Weihnachtsgeschichte ja auch nicht alles gut, jedenfalls nicht so, wie wir das oft in unserem „Weihnachtsgefühl-Schwelgen“ so empfinden. Maria und Josef nach einer langen Wanderung, Maria bringt unter Männern ein Kind zur Welt, weit weg von den Frauen, die ihr vertraut waren, eigentlich undenkbar zu der Zeit. Und kurze Zeit später sind sie schon wieder auf der Flucht, müssen sogar in ein fremdes Land, um dem Verfolgungswahn eines Despoten zu entgehen. Da ist eigentlich von Romantik nicht viel zu spüren. Und die Hirten, die ersten, die Gottes Sohn sehen? Eine wilde Bande, ausgestoßen aus der Gesellschaft, mit einem schlechten Ruf. Eigentlich hätten Maria und Josef eher Angst haben müssen, als die auftauchten, statt sich zu freuen.

Daher denke ich, dass gerade auch die Weihnachtsgeschichte viele Anknüpfungspunkte zu Problemen und Leid in unserer Zeit bietet. Und das wird auch in den Weihnachtspredigten vorkommen, wenn auch vielleicht nicht im Familiengottesdienst.

Bedarf es einer anderen Vorbereitung für die Gottesdienste während der Weihnachtszeit als im übrigen Jahr?

Naja, die Häufung der Gottesdienste macht es schon notwendig, mit den Mitwirkenden (Organistin, Küsterin, Chöre, Lektoren, Krippenspielhelfern) die genauen Abläufe zu klären. Und, gerade wenn ich weiß, dass viele Menschen kommen, möchte ich natürlich auch besonders schöne Gottesdienste feiern. Mit der richtigen Mischung aus Tradition und Moderne, aus Anspruch und Weihnachtsromantik. Aber letztendlich trägt das Fest mit all seinen Schönheiten auch die Gottesdienste und mich gleich mit.

Wird der Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt in den Gottesdiensten von Ihnen thematisiert werden?

Ja, ich denke schon. Noch sind die Predigten nicht ganz fertig, aber es wird auf jeden Fall in den Gebeten auch um die Menschen  und ihre Familien gehen, die Opfer dieser schrecklichen Tat geworden sind.

Wie sieht Ihr Tagesablauf an Heiligabend aus? Wann kommen Sie selber dazu, Weihnachten zu feiern?

Unseren Tannenbaum, der auch in diesem Jahr wieder vom Ascheffeler Weihnachtsmarkt kommt, stellen wir meistens schon einen Tag früher auf, aber am 24. wird er vormittags von allen Familienmitgliedern geschmückt. Meistens gehe ich dann gegen 14 Uhr in die Kirche, um dort noch die letzten Vorbereitungen zu treffen. Dann kommt der Familiengottesdienst und für mich praktisch gleich im Anschluss auch die Christvesper. Danach habe ich Pause, fahre nach Hause, und wir treffen gemeinsam die letzten Essensvorbereitungen. Nach dem Essen ist dann die Bescherung, ganz in Ruhe. Und ab 22 Uhr werde ich langsam unruhig und mache mich dann gegen halb elf wieder auf den Weg in die Kirche zum Mitternachtsgottesdienst. Und trotz aller Arbeit und dem Getaktet-sein genieße ich diesen Tag. Jeder einzelne Gottesdienst hat seinen eigenen Zauber und ich möchte auf keinen davon verzichten.

Kam es schon mal vor, dass Sie Heiligabend gemütlich zu Hause saßen und keine Lust mehr hatten, noch in die Kirche zu gehen?

Und auf den Mitternachtsgottesdienst verzichten? Da würde mir aber was fehlen!

Haben Sie eine intensive Erinnerung an ein bestimmtes Weihnachtsfest?

Nicht wirklich, aber unzählige Erinnerungen an besondere Momente vieler verschiedener Weihnachtsfeste, aus meiner eigenen Kindheit, aus der Zeit als unsere Kinder klein waren und auch aus der Arbeit. Besonders gern erinnere ich mich an das eine Krippenspiel, als Maria und Josef an Heiligabend plötzlich anfingen, sich um die Geschenke der Heiligen Drei Könige zu streiten, die doch nichts als leere, in Geschenkpapier eingewickelte Pappschachteln waren. Und ich saß in den Kulissen und konnte mich kaum halten vor Lachen.

Was kommt bei Pastorin Kerstin Hansen-Neupert an den Weihnachtstagen auf den Tisch?

Klassisch Rinderrouladen und Rotkohl.

Und wer darf bei Ihnen zu Hause den Baum schmücken?

Seit die Kinder groß genug sind, tun wir das gemeinsam.

 Heute predigt Kerstin Hansen-Neupert um 15 Uhr beim Familien-Gottesdienst, um 17 Uhr in der Christvesper und um 23 Uhr in der  Christmette. Am Zweiten Weihnachtstag führt sie ab 17 Uhr durch das Wunschliedersingen in Brekendorf.

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