Zweiter Räuber vor Gericht

War er die treibende Kraft? Verhandlung vertagt

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18. Dezember 2014, 06:31 Uhr

Der erste Tankstellenräuber hat eine Chance bekommen: Wenn er sich in den nächsten Monaten nichts zuschulden kommen lässt, kommt er mit einer Bewährungsstrafe davon. Der zweite Tankstellenräuber (19) stand gestern vor dem Jugendschöffengericht. Auch er war beteiligt, als im Oktober vier junge Männer innerhalb von 27 Stunden drei Tankstellen in der Region überfielen.

Ein Urteil fiel noch nicht, zu viele Zeugen müssen noch gehört werden. Zudem kommen zur schweren räuberischen Erpressung noch weitere Anklagen aus anderen Fällen hinzu: gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen die Staatsgewalt, Verstoß gegen das Waffengesetz. Deshalb setzte das Gericht nach vier Stunden einen Fortsetzungstermin im neuen Jahr fest, um weitere Zeugen zu hören. Ob der Angeklagte bis dahin aus der Untersuchungshaft entlassen wird – wie von der Verteidigung beantragt –, entscheidet der Richter demnächst. Zurzeit sitzt der 19-jährige Eckernförder in der Jugendanstalt Schleswig ein.

Der Angeklagte schilderte seine Version der Geschehnisse, die sich bis auf Details mit der des schon verurteilten Mittäters deckt. Doch gerade diese Details sind wichtig. Die zentrale Frage lautet: Wer war die treibende Kraft bei den Überfällen?

Beim ersten Überfall auf eine Tankstelle in Thumby hat der schon Verurteilte mit einer Gasdruckpistole Zigaretten erbeutet. Bei der zweiten Tat erpresste er mit zwei Komplizen Geld und Zigaretten bei der Araltankstelle an der B 76 und bei der dritten wieder allein Geld an der Markant-Tankstelle in Eckernförde.

Der Angeklagte hat sich selbst nie mit der Waffe in der Hand beteiligt, jedoch fuhr er jedesmal den Fluchtwagen und stellte zwei Waffen zur Verfügung. Nach eigenen Angaben war er der „Auslöser“ für die Taten: Er hatte die Idee zum ersten Überfall in Thumby, schlug auch die beiden anderen vor. Von dem schon verurteilten Mittäter wurde er als treibende Kraft bezeichnet. Er habe die anderen unter Druck gesetzt.

Das gestand der Angeklagte nur teilweise ein, sprach sogar davon, dass ihm beim zweiten Überfall auf die Aral-Tankstelle „schon langsam Schuldgefühle hochkamen“. Deshalb habe er von seiner Position auf dem Parkplatz Grüner Weg, wo er mit dem Fluchtfahrzeug stand, immer wieder mit einem seiner drei Komplizen telefoniert, die sich hinter der Tankstelle aufhielten und den Betrieb beobachteten: „Ich rief immer wieder an, um zu stören.“ Seine Hoffnung sei gewesen, dass die anderen irgendwann aufgeben. Trotzdem kundschaftete er die Tankstelle aus, indem er vorgab auf die Toilette zu müssen und den Schlüssel dafür abholte. „Ich wollte nicht als Feigling dastehen“, sagte er. Schließlich sei seine Freundin (17) bei ihm auf dem Parkplatz gewesen.

Besonders in diesem Fall belastete er einen Mittäter als treibende Kraft, gab aber zu, dass auch er selbst Druck gemacht habe, indem er am Telefon sagte, dass die anderen die Tat jetzt durchziehen sollten. Seine damalige Freundin, die bei den Taten im Fluchtfahrzeug dabei war, bezeichnete ihn als die stärkste treibende Kraft: „Er hatte viele Ideen.“ Ob das tatsächlich zutrifft, soll die weitere Verhandlung ergeben.

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