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Minentaucher : Zwei Streitkräfte wachsen zusammen

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Niederländische Marinesoldaten sind zurzeit zu Gast bei den Eckernförder Minentauchern. Sie tauschen Wissen aus und erarbeiten gemeinsame Prozeduren.

shz.de von
erstellt am 02.Jun.2016 | 06:09 Uhr

Eckernförde | Die deutsche und die niederländische Marine wachsen weiter zusammen. Nachdem im Februar die Verteidigungsministerinnen beider Länder, Ursula von der Leyen und Jeanine Hennis-Plasschaert, eine Absichtserklärung (Letter of Intent) über die weitergehende Zusammenarbeit der Streitkräfte unterzeichnet haben, setzt die Marine ihre Hochzeit in die Tat um. Gegenstand des Schriftstückes war unter anderem die Integration des Seebataillons in Eckernförde in die Königliche Marine der Niederlande bis zum Jahr 2018.

Unter „Integrieren“ versteht das Bundesverteidigungsministerium allerdings nicht die Aufgabe der deutschen Einheit, sondern den regen Personalaustausch zwischen den Ländern. Die Deutschen dürfen die niederländischen Schiffe für Trainingszwecke und Übungen mitbenutzen, die Holländer können mit den deutschen Spezialkräften Prozeduren erarbeiten.

Deshalb sind zurzeit 15 Soldaten der niederländischen „Defense Diving Group“ zu Gast beim Minentaucherbataillon in Eckernförde. Gemeinsam spielen sie für die Dauer von zwei Wochen verschiedene Gefahrenlagen durch, analysieren ihre Vorgehensweisen und optimieren ihre Zusammenarbeit. Während die deutschen Minentaucher die sprichwörtliche „Eier legende Wollmichsau“ und sowohl zu Wasser als auch zu Land Experten im Entschärfen von Sprengstoffen sind, haben die Niederländer die Landkomponente komplett vom Tauchen abgetrennt. „Wir üben nun gemeinsam und versuchen, unsere Arbeitsabläufe zu optimieren“, erklärt Oberleutnant Martin Grahn von der Minentaucherkompanie. Nach Surendorf und Eckernförde haben die Soldaten gestern auf ihrem Übungsplatz in Ludwigsburg ein Szenario durchgespielt: Um Menschen in einem fremden Land in Sicherheit zu bringen, muss zunächst der Strand als Landungszone von Minen gesäubert werden. Dabei befruchten sich die beiden Spezialkräfte gegenseitig: „Die Niederländer haben zum Beispiel Handsonargeräte, über die wir nicht verfügen“, sagt Martin Grahn. Dafür ist die deutsche Marine auf dem Gebiet der maritimen Drohnen gut aufgestellt. Ab einer Wassertiefe von zehn Metern werden die autonom agierenden Maschinen eingesetzt. „Früher haben wir Tage gebraucht, um einen Abschnitt nach Minen abzusuchen, die Drohne benötigt nur ein paar Stunden und liefert brauchbare Hinweise“, so Stabsbootsmann Wilfried Hoffmann. In Flachwasserzonen sei der Mensch jedoch bedeutend effektiver.

Mit der gemeinsamen Übung ist die Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der niederländischen Marine einen Schritt weiter. Bislang hatten die Soldaten des Seebataillons den Holländern einen Besuch abgestattet und mit den niederländischen Kollegen auf deren Schiffen geübt. Diese Schiffe fehlen der deutschen Marine nämlich. Nach dem Ende des Kalten Krieges hat sie fast sämtliche amphibischen Truppen und Landungsboote außer Dienst gestellt. In heutigen Krisenszenarien ist es jedoch wieder notwendig, gesicherte militärische Transporte auch über See durchführen zu können, etwa für die Evakuierung deutscher Staatsbürger aus dem Ausland oder für humanitäre Hilfeleistungen.

Deshalb wurde im April 2014 das Seebataillon in Eckernförde aufgestellt mit dem Ziel, neue Fähigkeiten unter anderem im Bereich der sogenannten „gesicherten militärischen Seeverlegefähigkeit“ aufzubauen. Um derartige Evakuierungsoperationen künftig weltweit durchführen zu können, bedarf es neben der Ausbildung aber auch eines sogenannten Joint Support Ships (JSS), also eines größeren Docklandungsschiffs mit Hubschrauberlandeplatz, einer Rampe für Landungsboote und sehr viel Laderaum, wie es die Niederlande bereits nutzen. Über Jahre hinweg war die Anschaffung zweier solcher Schiffe für die deutsche Marine geplant, was aber aus finanziellen Gründen aufgegeben wurde. Nicht zuletzt wird über gemeinsame Einsätze der beiden Marinestreitkräfte im internationalen Bündnisfall nachgedacht.

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