Zwei Jahre Bewährungsstrafe für Messerattacke

Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung für Angriff mit Kartoffelschälmesser auf ehemalige Lebensgefährtin / Sachverständiger attestiert Persönlichkeitsstörung des Täters

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29. Januar 2015, 14:09 Uhr

Mit geschlossenen Augen, gesenktem Kopf und die Hände gefaltet nahm der Angeklagte gestern Nachmittag das Urteil am Schöffengericht entgegen. Zwei Jahre auf Bewährung sowie die Weisung, sich einer psychotherapeutischen Behandlung zu unterziehen, verhängte der vorsitzende Richter nach über vierstündiger Verhandlung.

Der 30-jährige Angeklagte hat Mitte Juli 2012 seiner damaligen Lebensgefährtin mehrmals mit einem handelsüblichen Kartoffelschälmesser in den Hals gestochen, nachdem sie sich von ihm trennte und dazu aufforderte, aus ihrer Wohnung zu ziehen.

Kennengelernt hatten sich der Angeklagte und die Geschädigte in einem Internetchat. Schon kurz nach dem ersten Kennenlernen zog er in die Zwei-Zimmer-Wohnung der 26-Jährigen in Eckernförde. „Ich hatte keine Bedenken dabei, war naiv und offen gegenüber anderen Menschen.“

In seiner alten Wohnung in Tarp nähe Flensburg habe der Angeklagte nicht länger wohnen können, gab er in der Verhandlung an. „Mein damaliger Mitbewohner forderte eine höhere Miete, die ich nicht zahlen konnte.“ Daraufhin habe er gedroht, ihm einen Bekannten von der Rockergruppe „Hells Angels“ auf den Hals zu hetzen.

„Er hat sich oft aggressiv über meine Schwester geäußert, wenn sie nicht anwesend war“, erklärte die Schwester der Geschädigten. Sie lebte ebenfalls gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten sowie der Tochter der Geschädigten in der Wohnung. „Sie fühlte sich von ihm eingeengt und wollte ihren Freiraum.“ Das sei auch einer der Gründe gewesen, weshalb sich das Opfer Anfang Juli 2012 vom Angeklagten trennte. „Die Trennung hat er dem Anschein nach gelassen aufgenommen“, sagte das Opfer. Danach lebte der Angeklagte noch zwei weitere Wochen in ihrer Wohnung. „Ich wollte ihn nicht einfach vor die Tür setzen.“ Als ihre Schwester und deren Lebensgefährte Anfang Juli aus der Wohnung gezogen sind, habe sie schließlich auch den Angeklagten aufgefordert, seine Koffer zu packen. Dieser Aufforderung kam er zunächst nach. Bei einem Gespräch am Morgen der Tat kam es dann zu der gefährlichen Körperverletzung.


„Ich bin auf meine Freundin losgegangen.“


„Er wollte mir an die Wäsche und hat gesagt, dass er das jetzt braucht, dann drückte er mich auf die Matratze“, so die 26-Jährige. Dann sei alles ganz schnell gegangen, auf einmal habe sie einen Druck am Hals gespürt und reflexartig an die Stelle gegriffen – da bemerkte sie das Blut und schrie. Daraufhin habe der Angeklagte sie mit der Faust geschlagen, ehe er von ihr abließ und die Polizei rief. „Ich bin auf meine Freundin losgegangen. Mit einem Messer. Sie blutet stark“, so der Wortlaut seines Notrufes, den der Richter aus den Aufzeichnung des Notdienstes vorlas.

An die Tat selbst hat der Angeklagte keine Erinnerung, gab er bei der Vernehmung zu Protokoll. „Ich bin kein gewalttätiger Mensch und rette sonst Menschen als ehrenamtlicher Sanitäter.“ Als Ursache für die Tat und die Erinnerungslücke nannte er eine Multiple Persönlichkeitsstörung, unter der er bereits seit Kindertagen leide. So sei es auch nicht er gewesen, der die Tat ausführte, sondern eine seiner Persönlichkeiten. Erste Erinnerungen habe der Angeklagte erst wieder gehabt, als er sich mit der Geschädigten im Flur der Wohnung befand. Dort griff ihn auch die eintreffende Polizei auf und nahm ihn in Gewahrsam.

In der dreimonatigen Beziehung habe sie immer mal Stimmungsveränderungen bei dem Angeklagten wahrgenommen, zu tätigen Übergriffen sei es jedoch nicht gekommen, beschrieb die Geschädigte die Verfassung des Angeklagten. Ein psychiatrischer Sachverständiger, der den Angeklagten untersuchte, diagnostizierte eine Borderline-Störung, die sich unter anderem in impulsivem Verhalten und instabilen Beziehungen äußert. „Dass sich der Angeklagte nicht an die Tat erinnern kann, muss nicht heißen, dass er dabei nicht auch präsent war“, so der Sachverständige. Aus diesem Grund kann auch keine verminderte Schuldfähigkeit angenommen werden.

Das führte auch der Richter in seiner Urteilsbegründung an und verhängte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und die Weisung, sich in psychotherapeutische Behandlung zu begeben. „Eine andere als diese Möglichkeit gibt es aus Sicht des Gerichts nicht, um auf den Angeklagten einzuwirken“, so der Richter.

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