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VOM KURFÜRSTENDAMM IN DIE STADTHALLE : Zwei Gegensätze und die Kraft der Liebe

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Theatergemeinschaft Eckernförde präsentierte am Sonntag die „Komödie am Kurfürstendamm“ mit dem Stück „Zwei wie wir“. Julia Bremermann und Stefan Jürgens überzeugten in der ausverkauften Stadthalle.

Eckernförde | „Zwei wie wir“ – das war ein lustiges, gleichzeitig nachdenkliches Stück über Mann und Frau, über Beziehungsversuche, eine Ehe als glückliche Krönung, eine Scheidung als trostloses Scheitern und die große Kraft der Liebe.

Die Stadthalle füllte sich am Sonntag bis auf den letzten Platz, wohl auch weil die Theatergemeinschaft Eckernförde zum Jahresauftakt Schauspieler aus Berlin herbei geholt hatte. Das wollte man erleben: Ein vielversprechender Titel, „Komödie am Kurfürstendamm, Theater-Gastspiele Berlin“ – das lockte. Außerdem reizten die Namen der angekündigten beiden Schauspieler; vor allem Valerie Niehaus wollte man nach allen TV-Begegnungen einmal live erleben. Dann kam es anders: Valerie Niehaus war krank geworden, als „Ersatz“ sprang Julia Bremermann ein. Sie hatte die irrwitzige Aufgabe zu bewältigen, sich innerhalb einer Woche den Mammuttext aus einem Zwei-Personen-Stück anzueignen. Man durfte also gespannt sein.

Zum einen folgte dann ein spritzig lebendiges Stück, das behände zwischen Vergangenem und der Gegenwart hin und her wechselte. Doch – man konnte folgen und behielt den Überblick. Zum anderen machten es Stefan Jürgens alias Rudy und Julia Bremermann in der Rolle der Nora ihren Gästen leicht, alle Zeitsprünge zu verstehen. Es war eine New Yorker Liebesgeschichte, die vor knapp zehn Jahren begann und „jetzt“ – trotz aller Befürchtungen – einen tapferen Neuanfang vermuten lässt.

Ein Maler – nicht Kunstmaler sondern Anstreicher – verliebt sich in ein „Edelgewächs“, eine junge Karrierefrau aus bestem Hause mit hohem Bildungsniveau, selbstsicher und bildschön, ohne Kinderwunsch und – auch so gar nicht familienaffin. Rudy selber – mit „einfachem“ Vater, einem kleinen Gemüsehändler an der Ecke – möchte „einen Sack voll Kinder“ und hat tausend Träume. Einer davon ist ein Haus auf dem Land.

Herrlich zu beobachten, wie sich dieser junge, handfeste Handwerker an die schöne, um Welten entfernte Nora heranpirscht. Charmant, wie er alle Stolperfallen der Halbbildung umschifft, wie er es trotz aller Unterschiedlichkeit bewerkstelligt, sie zu einem Treffen zu bewegen. Einem mochte an diesem Theaterabend ständig durch den Kopf gehen: „Gegensätze ziehen sich an.“ Ja, es hat nur so geknistert – so glaubhaft gespielt von beiden, dass man streckenweise vergessen konnte, dass man eigentlich im Theater saß. Man konnte über die Bühnenpräsenz der „neuen“ Nora sprachlos werden, sich über Rudys frechfröhlichen Sprachgebrauch und sein ungestümes Draufgängertum scheckig lachen. Wurde er im Angesicht seiner angebeteten feinen Nora dann doch etwas verschämt und fast schon schüchtern, dann sammelte er Sympathiepunkte ohne Ende. Und das nicht nur bei Nora.

Gut. Sie landen im Bett. Er muss Treue und Wahrheitsliebe versprechen. Sie sind miteinander übermütig vor Glück. Dann macht er ihr einen Heiratsantrag. Noras Reaktion darauf muss man miterlebt haben – scharfkantig, schneidend, eiskalte Abwehr. Nein. Und ihr Vater mag ihn nicht, das ist für sie oberwichtig. Und Rudy? Bleibt dran. Seine Liebe kennt keine Begrenzung. Und er siegt – sie heiraten. Und sie spricht aus, worauf er schon so lange wartet, das „L-Wort“. Nein, nicht wie im Kino, hier endet die Geschichte nicht – aber bald die Ehe. Fast vier Jahre seit der Scheidung, er lauert ihr auf, kann sie nicht vergessen, will sie zurückerobern, und er trifft sie ganz „zufällig“. Nein, sie will nicht. Und dann kommt ganz spontan ihr letzter Satz – beruhigt und hoffnungsfroh kann da jeder nach Hause gehen. Dieses Stück musste man persönlich nehmen: Die Liebe siegt – das ist doch gut.




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