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Schnelles Internet für Alle : Zweckverband geht in die zweite Phase

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Breitbandzweckverband will bis 2028 Glasfaser in alle Haushalte bringen / „Weiße Flecken“ sollen schon bald der Vergangenheit angehören

von
erstellt am 13.Jan.2016 | 06:52 Uhr

„Und vergessen sie Borghorsterhütten nicht“, appellierte Jan Hoffmann zum Ende der Sitzung an die Mitglieder des Breitbandzweckverbands (BZV). Der Informatiker aus Osdorf war gestern der einzige Zuhörer der Sitzung in Gettorf und meldete sich zu Wort. Beruflich sei Hoffmann sehr auf hohe Bandbreiten angewiesen. Bislang müsse er aber mit Geschwindigkeiten von ein bis zwei Mbit auskommen. Und die Chancen auf Verbesserung stehen gut. Denn gerade die bislang unterversorgten Gebiete in den Ämtern Dänischer Wohld, Dänischenhagen und Hüttener Bergen können nach den Beschlüssen des Verbands auf schnelles Internet hoffen.

Denn die Strategie des Verbands, die gestern unter Vorsitz von Jens Krabbenhöft in der Amtsverwaltung in Gettorf einstimmig beschlossen wurde, sieht vor, den rund 15  000 Haushalten im Verbandsgebiet in den nächsten zwölf Jahren mit Glasfaser bis ins Haus (FttH) zu ermöglichen. Der BZV spricht hier von Phase II, die eingeläutet wird. Dabei sollen auch die so genannten „weißen Flecken“ berücksichtigt werden.

Als „weiße Flecken“ gelten unter anderem die Ortsteile Mohr in Neu Duvenstedt, Lehmbek in Borgstedt und Schirnau in Bünsdorf. Dem Breitbandzweckverband liegt seit wenigen Wochen ein Förderbescheid des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume in Höhe von gut 150  000 Euro vor – das entspricht 75 Prozent der förderfähigen Kosten für die leistungsstarke Hauptleitung, die „Backbone-Trasse“. Der Breitbandzweckverband hat den Auftrag dafür über gut 161  000 Euro an die Schweriner Firma M.U.P. vergeben.

Neu ausgeschrieben werden musste der Rahmenvertrag für die Tiefbauarbeiten und Kabelmontage gerade im Hinblick auf die zweite Phase, also den Bau von FttH-Anschlüssen in Neubaugebieten und unterversorgten Gebieten von 2016 bis 2018. Den Zuschlag hierfür erhielt die Firma Frei Netzwerk Technik GmbH aus Busdorf bei Schleswig. „Für rund 825  000 Euro sollen bis 2018 Jahr für Jahr 150 bis 200 Haushalte angeschlossen werden“, sagte BZV-Geschäftsführer Andreas Betz. Dies könne aber nur ein erster Schritt sein, betonte er, denn um 15  000 Haushalte bis 2028 ans Glasfaser zu bringen, müssten jedes Jahr etwa 1250 angeschlossen werden. Bislang sind 213 Haushalte mit FttH-Anschlüssen online, überwiegend in den Neubaugebieten, beispielsweise Stohler Damm in Gettorf, Meierkoppel in Schinkel, Schoolmoor in Holtsee oder Am See in Klein Wittensee.

Ein langer Weg bis dahin, wie auch die aktuellen Zahlen des Dienstleisters, der net group, deutlich machten. Mitarbeiter René Saupe berichtete, dass derzeit knapp 2900 Kunden das Fiete.Net nutzen würden. Überwiegend Fttc-Anschlüsse („Glasfaser bis zur Bordsteinkante“). Das entspreche einem Marktanteil von 20 Prozent. Von Mai bis Juli plant das Flensburger Unternehmen daher eine große Marketingstrategie, um die Zahlen, die „nicht zufriedenstellend“ seien, zu verbessern.

Bei ihrem Ausbau setzt der BZV auf das milliardenschwere Bundesförderprogramm für den Breitbandausbau. Damit sollen unterversorgte Gebiete einen Netzzugang von mindestens 50 Mbit pro Sekunde erhalten. Richard Krause, Leiter des Breitband-Kompetenzzentrums, informierte gestern über das Programm und auch über die Schwierigkeit, die organisatorischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Förderprogramme zu erfassen. Krause machte dem BZV aber gute Hoffnung, in den Genuss von Zuschüssen zu kommen. „Sie sind vorbereitet“, lobte er den BZV, das versetze ihn in eine gute Situation gegenüber anderen Antragstellern. Bereits in Kürze erwartet der BZV einen Förderbescheid über 100 Prozent für Beratungsleistungen. Diese sind Voraussetzung für weitere Fördergelder. Über ein Beratungsbüro will der BVZ ermitteln lassen, welche Gebiete unterversorgt sind.

„Hohe Förderquote bedeutet nicht gleich hohe Anschlussquote“, sagte Krause und forderte die Mitglieder des BZV auf, den Betreiber bei der Akquirierung von Neukunden zu unterstützen. 20 Prozent seien gut, aber es gebe im Land auch Quoten von bis zu 80 Prozent. Viele Bürger seien „wechselfeindlich“, schwer für Veränderungen zu bewegen, sagte Krause. Daher müsse es in den Dörfern Multiplikatoren geben, Vertrauenspersonen, die für die kommunale Glaubwürdigkeit stünden. Bis zu 25 Prozent Anschlussquote könne ein Betreiber leisten, alles darüber liege in der Hand der Kommunen.

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