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klassentreffen : Zurück zur Schule nach 50 Jahren

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Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Der Abschlussjahrgang von 1964 der Gudewerdtschule hat sich getroffen. Dabei kamen Erinnerungen an getrennten Biologie-Unterricht und selbstgekochtes Mittagessen hoch.

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 05:29 Uhr

1958, 1964, 1982 und 2014 – diese Jahreszahlen bedeuten wichtige Ereignisse im Leben von 34 Schulkindern der Gudewerdtschule am Pferdemarkt. Einschulung, Mittlere Reife, erstes großes und am vergangenen Wochenende das zweite Klassentreffen: 32 Jahre hatten sie sich nicht gesehen. Nicht alle hatten sich angemeldet, nun waren 19 Ehemalige (eine Adresse war nicht mehr herauszufinden, acht sind mittlerweile verstorben) in ihre alte Schule gekommen und schwelgten in Erinnerungen. „Alt“ wirkt die Gemeinschaftsschule nicht: Großzügige Neu- und Erweiterungsbauten bestimmen das Bild, aber die alten Klassenräume gibt es noch.

Groß war die Wiedersehensfreude beim Eintreffen in der Mensa. Die weiteste Anreise hatte Ingelore Hüttner (geb. Dürkop) aus München. Aus Berlin, Bremen und Köln war es nicht so weit; viele sind in Schleswig-Holstein oder dem näheren Umkreis von Eckernförde geblieben. So unterschiedlich wie die Wohnorte sind auch die Lebensgeschichten. Obwohl die Klasse unter dem damaligen Schulleiter Friedrich Rieck als Laienspielensemble große Erfolge verzeichnen konnte – darunter die Teilnahme am Amateurtheater-Festival im hessischen Korbach, Reisen nach Berlin, London, Reutlingen und zum Scheersberg – hat niemand das Theater zum Beruf gemacht. Sigrid Olsen, geb. Petersen, ist Chemotechnikerin geworden, „obwohl ich mit einer fünf in Chemie von der Schule gegangen bin. Ich hatte nicht gedacht, dass Chemie in der Abschlussprüfung dran kommt“, sagt sie. Andere sind Bau- oder Toningenieur, Bankangestellte oder – wie Heiko Wegner – nach einer Ausbildung bei der Polizei über den Außendienst der AOK in der Verwaltung gelandet. Gerd Michels ist sogar Finanzamts-Chef in Kiel und Leck geworden.

Im April 1964 wurde der Musiksaal fertig gestellt und auch der Erstürmung der Düppeler Schanzen 100 Jahre zuvor gedacht. Wie sehr sich die Zeiten geändert haben und in welchem Geist diese Klasse erzogen wurde, zeigt auch die frühere Bezeichnung der Schule als „Lehranstalt“. Damals erhielten Mädchen (von Lehrerinnen) und Jungen noch getrennt Biologie-Unterricht, während des Sportunterrichts für Jungen lernten Mädchen Hauswirtschaft bei Frau Bock, der Schulgarten spielte eine wichtige Rolle. „Das Mittagessen wurde selbst gekocht und auch aufgegessen, selbst wenn es verbrannt war“ erzählt Bärbel Tetzner, geborene Gehrts. Damals schien alles langsamer, gelassener und stabiler abzulaufen. „Im Vergleich dazu gibt es heute zu viele Änderungen, Eltern sind verunsichert und wissen nicht, wohin sie ihre Kinder schicken sollen, sie werden überfordert.“

Positive Erinnerungen überwiegen an eine Zeit, die in Teilen vielleicht doch eine bessere war. Jedenfalls haben diese Schüler ihr Leben in Verantwortung gemeistert, sind etwas geworden und nach wie vor überzeugt von der Gudewerdtschule, auf die nun sogar ihre Enkel gehen.

Wieder in Eckernförde zu sein, beglückt die Ehemaligen auch. „Eckernförde ist wunderschön, die Stadt hat sich gemacht. Es ist eine reizvolle Stadt“, fasst Heidrun Müller aus Kappeln diesen sonnigen Nachmittag zusammen und drückt damit aus, dass nach 1964 auch die Jahreszahl 2014 in ihrem Leben eine besondere Bedeutung bekommen hat.

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